...wenn nicht gar das beste AOR-Album überhaupt ist Frontiers.
Zu dem, was der Vorrezensent über die Aufnahme sagt, kann ich schlecht Stellung beziehen, da ich die ältere Aufnahme als junger Journey-Fan nicht kenne. Mir sind allerdings keine enormen Schwächen aufgefallen.
Doch zur Musik: Man könnte meinen, das Album Escape mit unsterblichen Klassikern des Adult Oriented Rock (AOR) wie Don't stop believin' oder Who's crying now wäre nicht mehr zu übertreffen gewesen, was meiner Meinung nach mit diesem Nachfolgeralbum jedoch gelungen ist. Das vorläufig letzte Album (gut zehn Jahre später sollte ja noch Trial by fire folgen) in der klassischen Besetzung Neal Schon (Leadgitarre), Steve Perry (Leadgesang), Jonathan Cain (Keyboards), Ross Valory (Bass) und Steve Smith (Schlagzeug) besticht durch die Journey-typische Mischung aus melodischen Rocksongs und Gänsehautballaden, ist aber für mich atmosphärisch und im Arrangement noch eine Winzigkeit besser als der Vorgänger Escape (was sicherlich Geschmackssache ist). Dabei haben die Songs durchweg sehr hohe Qualität, die Kreativität im Songwriting ist hier aller Ehren Wert. Nun eine kleine Einzelbewertung der Songs nach Schulnoten:
-Seperate ways (worlds apart): Der erfolgreichste Song des Albums, sehr eingängiger Rocksong, bei dem man schon beim ersten Hören zwangsläufig den Refrain mitgröhlt: 1
-Send her my love: starke Ballade (schon fast mehr Pop als Rock) mit sparsamer Instrumentierung, guter Gesang von Perry, klassische Herzschmerzschnulze: 1-
-Chain reaction: schwungvolle Rocknummer, ist mir allerdings auf Dauer ein bisschen zu eintönig: 2-
-After the fall: grooviges Stück zum Mitwippen, irgendwo zwischen Ballade und Rock (Journey eben), ich weiß nicht genau, was es ist, aber eine Kleinigkeit fehlt mir bei diesem Song: 2-
-Faithfully: typische Journey-Ballade, Perry wird hier hauptsächlich von Cain am Flügel unterstützt, erst später mischen sich die Anderen immer mehr ein, melodisch sehr schönes Stück mit nettem Text (es geht um den Showalltag und wie die Familien damit zurechtkommen müssen): 1+
-Edge of the blade: Freunde der Rockmusik, haltet Euch fest, überragender Rocksong mit einem Gitarrenriff, bei dem Smoke on the water nur vor Neid erblassen kann, vor Allem Neal Schon brilliert hier, eines meiner absoluten Lieblingslieder: 1+
-Troubled child: Nicht ganz so rockig sondern etwas keyboardlastiger kommt dieser Song daher, dabei aber ebenso stark und sehr stimmungsvoll, Höhepunkt hier das ca 10 sec getragene "moooooooon" von Steve Perry: 1+
-Back talk: Rockig und rythmusbetont aber ähnlich wie Chain reaction nicht besonders abwechslungsreich: 3+
-Frontiers: Das Titelstück ist ähnlich wie Troubled child recht stimmungsvoll und gut arrangiert, mitreißender Refrain, als Titelstück übrigens gut gewählt, weil es den Stil des Albums recht gut widerspiegelt: 2
-Rubicon: Flotter Rocker mit druckvollem Gitarrenspiel von Schon, als Ausklang ganz passend: 2-
-Bonustracks: einige Stücke aus Filmsoundtracks, von denen mir eigentlich nur Ask the lonely gefällt, der Rest ist mir zu langweilig, darum bekommt Ask the lonely eine 2, die anderen eine 4
Dazu gibt es dann noch ein Booklet mit ein Paar netten Bildern, allerdings ohne Songtexte.
Insgesamt ein großartiges, weil kreatives, gut produziertes und von hervorragenden Musikern eingespieltes Album, das jeder Freund des melodischen Rocks haben sollte.