Kriege werden nicht nur auf dem Schlachtfeld ausgetragen, sondern auch im Kampf um die öffentliche Meinung. Von der Rolle, die Medien dabei spielen, handelt dieses Buch. Eine trockene Analyse? Weit gefehlt. Bettina Gaus war dabei, als die Bundeswehr einen ihrer ersten Auslandseinsätze 1993 in Somalia durchführte, sie berichtete als Korrespondentin der Berliner "tageszeitung" sechs Jahre aus den Krisen- und Kriegsgebieten Ost- und Zentralafrikas und besuchte zuletzt die Bundeswehrstandorte im afghanischen Kundus.
Sie weiß also aus eigener Erfahrung, worüber sie schreibt, und ihr Buch liest sich mitunter wie ein spannender Reisebericht. Nicht aufgrund aufregender und tragischer Erlebnisse, die es auch enthält, sondern weil es eine andere Sichtweise erschließt, etwa auf die "Einbettung" von Journalisten in die militärischen Strukturen der Konfliktparteien, auf mangelnde Gegenrecherchen oder auf Vorurteile und Unwissen, vor deren Folie gerade die politischen Verhältnisse in Afrika viel zu häufig ausgeblendet werden. Es geht um die Umwertung von Begriffen, an die wir uns längst gewöhnt haben, etwa die Darstellung von Militäreinsätzen als "humanitäre Maßnahmen". Die Autorin kann aus der praktischen Anschauung darlegen, dass sie nichts mit der "humanitären Hilfe" von Hilfsorganisationen zu tun haben.
Kriegsparteien setzen gezielte Falschinformationen in die Welt, weil sie ihren Krieg als einen "notwendigen" und "gerechten" darzustellen wünschen. Sie schüchtern mitunter kritische Journalisten ein oder bedrohen sie. All das kommt zur Sprache, aber Bettina Gaus hütet sich vor Verschwörungstheorien. Trotz emotionaler Beteiligung schreibt sie angenehm unaufgeregt, argumentiert überzeugend und berichtet nicht ohne Selbstkritik über die Funktionsweise der Medien. Wie kommt ein Bericht zustande? Welchen Arbeitsbedingungen unterliegen Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten? Welches Verhältnis besteht zwischen Medien und Rezipient? Denn Sensationsberichte befriedigen eine Sensationslust, und einfache Antworten werden nicht nur gegeben, sie sind auch gefragt. Statt einer gezielten Manipulation der Öffentlichkeit durch die Medien das Wort zu reden, wird ein komplexes System freigelegt: Der Zeitdruck, unter dem Reportagen entstehen, die Interessen der Medienanstalten und des Publikums, die Macht der Bilder oder die Schnelllebigkeit des Medienzeitalters. Nachrichten müssen zum Beispiel neue Informationen enthalten, und der Frontverlauf bietet immer mehr Aktualität als die Opfer. Darum erfahren wir sowenig von ihnen, erst recht wenn sie namenlos sind und keine Geschichte aufweisen.
Somit ist das Buch auch der Werkstattbericht einer engagierten Journalistin, die auch den Mut findet, darzulegen, dass sie ihren Ansprüchen selbst nicht immer gerecht werden kann. Seine Lektüre eröffnet selbst kritischen Geistern einen neuen Blick auf die morgendliche Zeitung. Was kann man mehr von einem Buch erwarten?