Frontalunterricht gilt heute unter vielen jungen Lehrenden und Studierenden als das ungeliebte Stiefkind der Pädagogik und Didaktik. 75 Prozent der unterrichtszeit ist der Frontalunterricht die bestimmende Sozialform. Dabei scheinen seine Schwächen klar auf der Hand zu liegen: Frontalunterricht nivelliert die Unterschiedlichkeit und Individualität der Schüler, die Schüler lernen lediglich rezeptiv, nicht aktiv, er dient dem Sicherheitsbedürfnis der Lehrenden, er vernachlässigt soziale Ziele der Schule - kurz gesagt: er ist unzeitgemäß.
Gudjons setzt sich in seiner Analyse das Ziel, den Frontalunterricht von den ihm zugestandenen antiquierten Implikationen zu befreien. Denn wie der Autor selbst eindringlich betont: "Keine Lehrerin und kein Lehrer braucht ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er oder sie Frontalunterricht durchführt" (268).
Dazu ist allerdings ein neues Verständnis von Frontalunterricht notwendig. So unterscheidet der Autor zwischen dem klassischen Frontalunterricht - ein Unterricht in dem die Schüler lediglich passiv wie mit einem Trichter die ihnen vorgelegten informationen der Lehrperson aufnehmen - und dem frontalunterricht in offenen Unterrichtsformen. Hier erhält der FU die Funktion, das schüleraktive Lernen zu unterstützen, anzuleiten, zu systematisieren.
Sinnvoll erscheint der FU Gudjons, wenn die drei folgenden Thesen auf ihn zutreffen: 1. wenn er Selbstverantwortung und Kooperation der Schüler fördert, 2. wenn erer eine eigene didaktische Funktion besitzt und wenn er 3. professionell und modern gestaltet wird.
Das Buch ist in etwa so konzipiert: Im ersten Kapitel widmet sich Gudjons der Entstehungsgeschichte des FUs. Darauf folgen die wesentlichen und häufig vorgetragenen Argumente gegen den FU - denen der Autor auch weitestgehend zustimmt. Das dritte Kapitel erörtert, welche didaktischen Vorteile von einem modern gestalteten und richtig verstandenen FU zu erwarten sind. Dabei begründet Gudjons sein Konzept lernpsychologisch. Besonders hilfreich erweisen sich die im vierten Kapitel gegebenen praktischen Hinweise für die Durchführung eines guten FUs. Welche Rolle die Lehrperson, dessen Körpersprache und die gesamte Raumregie im FU haben, wird eigens im fünften Kapitel erörtert, bevor abschließen die Leitidee der Darstellung nochmals mittels zweier Beispiele zusammengetragen wird.
Darstellung und Sprache erweisen sich als äußerst ansprechend und verständlich. Zudem weckt der Autor Interesse, bei der Durchführung des eigenen Unterrichts frontale phasen gekonnt und gezielt einzusetzen. Besonders Lehramtsstudierende und Referendare dürfte das Buch ansprechen.