Nach dem beachtlichen Erstling "Dr. No", in dem allerdings die Bond-typischen Attribute noch nicht in der Form wie in den späteren Bonds ausgeprägt waren, gelang den Machern, allen voran Regiesseur Terence Young, Drehbuchautor Maibaum und Produzenten Broccoli und Saltzmann, mit "Liebesgrüße aus Moskau" ein genialer Coup. Grundsätzliche Einigkeit herrscht unter Bond-Fans darüber, dass dies einer der drei besten Filme der ganzen Reihe ist, viele halten ihn gar für den besten überhaupt.
"Liebesgrüße" ist ein herrlich altmodisches, hartes, selbstironisches, exotisches Agentenabenteuer mit einem unübertroffenen Sean Connery. Er ist immer voll auf der Höhe, hat jede Situation spielend im Griff, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Die Spielfreude merkt man Connery in jeder Szene an. Auch die anderen Rollen sind - im Gegensatz zu einigen späteren Bonds (v.a. die mit Roger Moore) - glänzend besetzt: Lotte Lenya als lesbische KGB-Dissidentin fügt sich spröde und brutal perfekt in den "Spectre"-Apparat, Robert Shaw gibt die Killer-Maschine Red Grant mit der steinernen Gesichtsmaske der kalten Arroganz und Vladek Sheybal als das Schach und "Spectre"-Planungsgenie Kronsteen ist der Kopfmensch im Hintergrund. Auch Connerys Konkubine Daniela Bianchi - damals erst 21 - ist hervorzuheben, sie zeigt ihren Gessinungskonflikt zwischen Pflichttreue zu den Russen und Connerys Avancen durchaus glaubwürdig. Doch die tollste Figur neben Connery ist Pedro Armendariz' Kerim Bey. Der bereits bei den Dreharbeiten todkranke Mexikaner verkörpert den potenten Türken mit einer solchen Vitalität und Kraft, dass man es kaum glauben kann, dass er sich kurz nach den Dreharbeiten erschoß.
Auch die Schauplätze bieten bestes Bond-Flair. Das exotische Istanbul mit dem Bospurus und der Hagia Sophia nutzte Regiesseur Terence Young blendend aus. Unvergeßlich die Szene in der Hagia Sophia, minutenlang ohne Dialog gedreht, wo Bianchi Connery einen Bauplan übergeben soll. Bei solcher Brillianz ist es fast überflüssig zu erwähnen, dass es in "Liebesgrüße" so nebenbei noch die berühmteste Zug-Prügelszene der Filmgeschichte zu sehen gibt.
Fazit: Sean Connery liefert hier neben "Goldfinger" den stichhaltigsten Beweis dafür ab, dass er, und nur er, der wahre und nie übertroffene James Bond- Mime war, ist und immer bleiben wird. Ausserdem ist "Liebesgrüße" (selbst für Nicht-Bondianer) ein herausragender Abenteuer/Agenten-Film, der mit seiner Kalter Kriegs-Atmosphäre seinesgleichen sucht.