Den meisten Genesis-Fans ist ,From Genesis To Revelation' eher peinlich, weil amateurhaft produziert, zu gassenhauerisch, störende Bläser und Chöre, relativ kurze Popsongs und dergleichen mehr. Sicherlich erreicht das Werk nirgends die Perfektion und die musikalische Dichte späterer Alben, doch wie heißt es so schön: "Auch Zwerge haben einmal klein angefangen".
1969 hatten zwar Bands wie King Crimson und Colosseum II dem Prog Rock längst die Bahn gebrochen und Zeichen für die Zukunft gesetzt - wer aber heute einer damaligen Newcomer-Band Vorwürfe machen will, weil sie sich nicht ganz auf der Höhe der Zeit befand, ist einfach ungerecht.
Sieht man von den offensichtlichen Kinderkrankheiten einfach mal ab, präsentiert sich hier eine vielversprechende junge Gruppe mit einem eigenen Konzeptwerk, das sich an nichts Geringerem als an der Bibel vergreift. Es geht um den Sündenfall und die Aussicht auf Erlösung, um alles zwischen Genesis und Offenbarung eben. Die Jungs haben versucht, die Botschaft auf ihre eigene Art zu interpretieren, ohne sich dem religiösen Gehalt vollkommen unterzuordnen. Was mir sehr gut gefällt: Sie erliegen nicht der Versuchung zu dröhnender Dramatik, sondern verpacken das Thema in recht griffige Popsongs, die einen deutlich Gospel- und-Soul-Einschlag besitzen. Gabriels Stimme klingt innerhalb des Sechziger-Stils überzeugend und sicher, und es gibt kaum eine Stelle, an der seine Stimme quäkend stört (wie leider manchmal später des Öfteren). ,The Serpent' und ,Silent Sun' kommen mir am meisten gelungen vor, wobei ich gerne einräume, dass die Platte als Ganzes gehört werden sollte.
FGTR enthält schon vieles, was Genesis nach der Prog-Ära weiter beschäftigte: Popmelodien, tanzbare Rhythmen und eine gewisse Harmlosigkeit, die den Siebziger Werken eher abgeht. Sogar von ,The Lamb Lies Down On Broadway' klingt hier schon etwas an: Hier wie dort herrschen straffe Songs vor, und in beiden Alben wird eine durchgängige Geschichte erzählt.
Es wurde hoffentlich deutlich, dass ich für das geschmähte Werk eine Lanze brechen wollte. Wenn ich berücksichtige, dass es deutlich in die Sechziger Jahre gehört und das Debut der Band ist, finde ich es richtig interessant, in sich stimmig und wirklich gut.
Empfehlenswert für Fans, die wissen wollen, wie es anfing - und für Leute, die gerne in den Sechziger-Pop schwelgen.