Als Jules Verne 1865 seinen wissenschaftlich-phantastischen Roman "From the Earth to the Moon" veröffentlichte war er seiner Zeit weit voraus. Niemand konnte zu dieser Zeit ahnen, wie erstaunlich nahe Jules Verne mit seinem "Science-Fiction-Roman" an die spätere Realität kam. Und auch konnte keiner voraussehen, dass es gerade noch einhundert Jahre dauern würde, bis dieser Menschheitstraum Wirklichkeit wurde, denn nur schon das Fliegen schien noch in weiter Ferne. Der Fortschrittsglaube, der industrielle Aufschwung und die Erfindung des Flugzeuges zu Ende des 19. Jahrhunderts jedoch definierten die Grenzen des menschlich Machbaren völlig neu. Über 130 Jahre nach diesem Roman wurde dasselbe Thema unter demselben Namen von einem ebenso raumfahrtbegeisterten Mann verfilmt - dieses Mal jedoch waren es keine Zukunftsvisionen mehr.
Der 1956 geborene Tom Hanks war gefesselt vom sich rasant entwickelnden, amerikanischen Raumfahrtprogramm der sechziger Jahre. Er verfolgte die frühen Abenteuer in seiner Jugend; vor dem Fernseher sitzend und umgeben von Raketenplänen und Modellbausätzen. Im Jahre 1994 kehrte er zu diesem Abenteuern zurück, für den Film "Apollo 13" in der Rolle des Astronauten Jim Lovell. Die Arbeiten zum Film inspirierten Tom Hanks mehr zu erfahren über die Erforschung des Mondes, über Apollo und über die Männer, die ihre Fussabdrücke in den Mondstaub setzten. Antworten fand er im unvergleichbaren Buch "A Man on the Moon" von Andrew Chaikin. Hanks war fasziniert; nach Abschluss der Dreharbeiten spielte er mit dem Gedanken, die gesamte Geschichte von Apollo neu zum Leben zu erwecken. Bald darauf begannen mit einem Budget von 68 Millionen US-Dollar die Arbeiten für die Mini-Serie "From the Earth to the Moon". 1998 wurde das Werk von HBO in 12 Folgen veröffentlicht.
Ich kam 1966 zur Welt und kann mich noch an die schwarz-weissen Fernsehbilder der riesigen Saturn-V Rakete auf der Startrampe und an die besorgten Gespräche meiner Eltern über Apollo 13 erinnern. Auch ich bin fasziniert vom Phänomen Apollo, und so lag es auf der Hand, dass ich mir diesen Film kaufen würde. Als ich begann ihn mir anzusehen war ich überwältigt. Die Serie schreitet noch einmal zurück in die Geschichte und schildert sehr detailgenau das "riskanteste, gefährlichste und grossartigste Abenteuer zu dem der Mensch je aufgebrochen ist" (John F. Kennedy), angefangen bei den ersten, sehr kurzen Reisen ins All 1961 (Mercury 3) bis zur letzten bemannten Mondlandung 1972 (Apollo 17). Den Produzenten gelang aber vor allem eine ungewöhnlich menschliche, gefühlvolle Darstellung dieser unglaublichen Zeit. Jede Folge zeichnet sich durch unterschiedliche Drehbuchautoren und Regisseure aus und stellt so eine individuelle Sichtweise von Apollo dar, so dass zum Schluss viele unterschiedliche Blickwinkel ein umfassendes Gesamtbild über Apollo ergeben, das stets im Kontext mit dem damaligen politischen und sozialen Klima steht.
Tom Hanks: "Was ich hoffe mit "From the Earth to the Moon" zu vermitteln ist das, was Andrew Chaikin so gut in seinem Buch festhält - schlicht wie einzigartig das Unternehmen Apollo wirklich war. Der Flug zum Mond war nicht nur eine technologische Anstrengung, sondern vor allem eine künstlerische, gleich Michelangelos Freskos an der Decke der Sixtinischen Kapelle. Dieselbe Art von Einfallsreichtum, der Michelangelo diese krönende Leistung seiner Ära ermöglichte, half den NASA-Ingenieuren ihr Mondfahrzeug zu bauen. Genau wie Michelangelo während den langen Jahren seiner Anstrengungen Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten brauchte, war auch Vertrauen und Beharrlichkeit das Herz all dessen was notwendig war um diese Männer, ihre Schuhe und Socken, und Bilder von ihren Kindern auf die Oberfläche des Mondes zu befördern.
Vor allem aber war Apollo eine Reise der Inspiration. Das was mich noch immer in meinem täglichen Leben antreibt. Es ist mein Wunsch meinen Kindern und dem Publikum zu übermitteln, dass wenn die Menschheit einen Weg herausgefunden hat zwölf Menschen auf den Mond zu bringen, dann können wir - ehrlich gesagt - alles lösen. Dies ist der Grund warum ich glaube, die sechs Mondlandungen sind sechs der sieben grossartigsten Ereignisse die jemals erzählt wurden".
Diese Serie begleitet mich noch heute durch mein alltägliches Leben. Ich werde sie nicht vergessen und ich bin Tom Hanks dankbar dafür. Die Liebe, Sorgfalt und Hingabe, mit der die Serie produziert wurde ist offenkundig. Makellose Drehbücher, natürliche Dialoge, bewegende Filmmusik und eine aussergewöhnliche Besetzung machen den Film zu einem eindringlichen Werk das stets die Balance zwischen Humor, Intelligenz und Emotionen findet. Leider ist die Serie im deutschsprachigen Raum kaum bekannt. Apollo scheint in der heutigen Zeit nicht mehr auf Interesse zu stossen. Wer heute von den Mondlandungen hört ist kaum noch beeindruckt, vergleicht sie eher mit einer leblosen und rein technischen Angelegenheit. Aber Apollo war viel mehr. Apollo wird eine jener Ereignisse sein, an die man sich auch in 500 Jahren noch erinnern wird wurde einmal gesagt. Begonnen aus einem politischen Wettstreit offenbarte es sich als eine Odyssee für den menschlichen Geist, aus aussergewöhnlichen Träumen und Visionen wurde Realität und ein Wunder. Wer diese Serie gesehen und mitempfunden hat wird erkennen, dass diese Missionen auch Reisen ins Innere waren, Reisen an die äussersten Grenzen menschlicher Erfahrung und Vorstellungskraft. Der Blick von einer fremden Welt zurück auf die Erde hat viele der Astronauten tief bewegt, das eine Mal mit einem Lächeln und ein anderes Mal mit Tränen in den Augen. Als ich die Serie sah hatte ich zum Schluss irgendwie das Gefühl bei diesem grossartigen Abenteuer mit dabei gewesen zu sein. Und es macht mich fast ein wenig traurig, dass diese phantastischen Reisen ein so frühes und vorzeitiges Ende gefunden haben, denn eins ist gewiss; es wird nie mehr ein Apollo geben - in irgend jemandens Leben.