In einer Zeit, in welcher unsere Welt von Kriegen, Attentaten, Haß und Angst dominiert wird, hat es der Regisseur Aluizio Abranches geschafft, ein wahres Meisterwerk vorzulegen; nämlich ein solches, in welcher Liebe in uneingeschränktem Umfang gegeben und empfangen wird, und somit den Zuschauer, der diese Liebe nicht kennt, in sehnsuchtsvolle Stimmung versetzt.
Synopsis:
Francesco, der Sohn aus erster Ehe seiner Mutter, ist 6 Jahre alt, als er ein Brüderchen bekommt, aus der Beziehung seiner Mutter mit ihrem neuen Lebensgefährten. Der neugeborene Tomaz hat die Augen wochenlang fest geschlossen; er öffnet sie gerade dann, als sein Halbbruder Francesco ihn durch die Scheibe vor der Babystation betrachtet (eine eindrucksvolle Szene). Von klein an haben die beiden Jungen eine enge Beziehung, und der ältere Francesco übernimmt die Rolle des beschützenden Bruders.
Die Mutter als auch der Vater sehen zwar mit Unbehagen die ungewöhnlich enge Bindung der Geschwister, aber sie haben keinerlei Intention hier zu intervenieren, zumal sie alle miteinander glücklich sind.
Ausgesprochen überwältigend ist die Art und Weise der Liebe der Eltern zu ihren Kindern, die diese ihnen auch zurückgeben. Auch der liebevolle Umgang der Mutter mit ihrem Lebensgefährten und mit ihrem Ex-Mann, ist eine kostbare Rarität. Auffallend ist vor allem die in häufigen Szenen ausgedrückte emotionale Bindung aller Personen untereinander. Mitreißend viele Einstellungen, wenn der ältere Francesco seinem kleinen Bruder liebevoll auf den Kopf küßt. Und ebenso im späteren Verlauf der Geschichte, daß auch der Vater seine Söhne (Francesco sieht er auch als seinen eigenen an) - liebevoll behandelt. In einer Szene küßt er Tomaz liebevoll väterlich auf den Wuschelkopf, und in einer anderen bei einem Treffen im Bistro dem inzwischen 27-jährigen Francesco.
Die durchaus Kontroversen auslösende Thematik des Films, nämlich die der - um präzise zu sein - halbinzestuösen Beziehung zweier Geschwister,verliert sich in der in überwältigender Bildgewalt dargestellten Liebe. Die Idee, die unzweifelhaft ein Bruch der Tradition verifiziert, überzeugt umso mehr durch die unprätentiöse Art der Darstellung, die zu keinem Zeitpunkt weder degoutant noch pervertiert erscheint. Im Gegenteil, die in extenso außerordentlich puritanische Darstellung der Liebe nicht nur zwischen den beiden Hauptakteuren, sondern auch unter und mit den Eltern, exculpiert die Tatsache, daß es sich hier um eine Geschwisterliebe in von unserer Gesellschaft geächteter Konstellation handelt.
Zwar wird der Film durch oppulente erotische Liebesszenen durchaus ambitionistisch aufgepeppt, dennoch ist die Botschaft des Films die der bedingungslosen Liebe in jeder Beziehung. So fällt es dem Zuschauer auf - und er wird es nicht störend empfinden - daß zu keinem Zeitpunkt irgendwer die Liebe der beiden Geschwister entweder erfragt oder verurteilt, und auch der Vater zerstört diese Einheit nicht.
Es versetzt den Zuschauer in eine Phase des Erstaunens, und er wird sich durchaus die Frage stellen, ob eine Liebe in dieser Intensität und kaum ohne Reibungspunkte möglich ist, doch werden ihn die Augenblicke der Zärtlichkeit, Emotionalität diesen Zweifeln wieder entziehen.
Es ist erfrischend, daß, nachdem häufig nur noch Filme mit Mord und Gewalt gedreht werden, hier ein Werk Einlaß findet, welches allumfassende Liebe zum Thema hat und diese hervorragend in Szene setzt.
So wird der Zuschauer nicht mit in die Beziehung eindringenden Dritten belastet; - die einzige Szene, bei der der Betrachter glaubt, die Beziehung werde durch eine Affäre mit einer Frau gefährdet, rettet der Produzent durch die Einstellung, in welcher sie den Ring an der Hand Francescos als Ehering erkennt und ihn damit als tabu ansieht; in diesem Moment erkennt auch Francesco daß er die Abwesenheit seines geliebten "kleinen" Bruders nicht durch ein Abenteuer kompensieren kann, sondern dadurch eher etwas zerstören würde.
Die facettenreichen Liebesszenen der beiden Hauptakteure brillieren einzigartig; zwar sind sie auch ein Labsal für die Pupillen, prioritär aber - und darum geht es - vermitteln sie den Eindruck, daß beide miteinander verschmelzen, und runden dadurch die ganze Inszenierung nicht nur plausibel sondern auch verblüffend einzigartig ab.
"Vom Anfang bis zum Ende" ist zusammenfassend ein oppulentes Werk über wahre tiefe Liebe in Reinheit der Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt, sowie einer Geschwisterliebe, die den Nimbus einer geradezu exemplarischen seelischen Unversehrtheit erhält. Eindrucksvoll hat Aluizio Abranches das Werk nicht nur in Szene gesetzt, sondern auch selbst geschrieben. 5 Sterne nicht nur für die Produktionsidee und deren Durchführung als solche, sondern auch für die "Chuzpe", unseren Zeitgeist mit dieser epochalen Schöpfung zu ergänzen.