Elliott Smith lebte für die Musik. Musik, in der er düstersten Selbstzweifel und Jugendreminiszenzen ausleben konnte. Das führte ihn vom stillen bis zur Drogenabhängigkeit, und von dort an zum mysteriösen Selbstmord mit einem Küchenmesser ins gebrochene Herz.
Eine tragische Geschichte, die nach Klischee und Starkult riecht, ist es aber nicht..
Angefangen hat alles mit einem Fourtrack-Recorder Anfang der 90er,
noch Nebenrolle als Gitarrist und zweiter Sänger in der Punkrock-Band "Headmiser" aus Portland, entschied sich Smith an seinen eigenen Liedern zu arbeiten, die so ganz anders klingen: leise, fast geflüstert. Was nur als persönliche Verarbeitung sollte, wurde zum Durchbruch, mit den ersten beiden Alben "Roman Candle" und "Elliott Smith" wurde er bemerkt, mit "Either/Or" und zur stillen Ikone Singer-Songwriterkultur in einem Amerika, wo es zu jener Zeit an lyrischen Denkern mangelte. Es folgte der Majordeal mit "Dreamworks", die Oscarnominierung für den brillianten Song "Miss Misery" aus dem Film "Good Will Hunting"
(dem damit verbundenen legendären Auftritt im weißen Smoking..), Headliner-Tourneen durch Amerika und viel Anerkennung und Lob von Fachpresse und Musikaficionados. Auf den Folgealben "XO" und "Figure Eight" wurden neue Produktionstechniken ausprobiert, weitende Arrangements ohne den Songs jedoch zu wenig Raum zu geben. Trotzdem war es Smith zu
"poliert", er sah die Alben als gelungen aber nicht "vollkommen" genug - und mit seinem sechsten Album wollte er zurück zu den Anfängen, ohne der perfektionierten Produktionserfahrung abwegig zu werden.
Von Managerin und Produzenten getrennt, dem Mainstream-Label Dreamworks abwendend, der Drogensucht und Isolation in Los Angeles verfallen - machte er sich auf die Suche nach dem perfekten Ort für die Aufnahmen, die sein künstlerisch wertvollstes Werk werden sollte. Auf einem Studio auf den Hügel von LA fand er sein Refugium (daher "From A Basement On A Hill"). Ursprünglich sollte es ein Doppelalbum werden, in der Art des "White Album" der Beatles. Smith befasste sich mit Produktionstechniken der Beatles und wollte etwas "unglaubliches" machen. Sein Ziel war es "alles erlernte zu zerstören" - ein echter Künstler im Wahn. Die Aufnahmen sollten sich über Jahre ziehen, und Smith war in der Zwischenzeit fast bankrott, da er sein ganzes Geld für ein eigenes Studio und teures Vintage-Equippment ausgab, wo er auch die meisten Songs selbstproduzierte und "fertigstellte". All diese Täler der Frustration und Todessehnsucht hört man auf der CD: "A Passing Feeling" ("i'm stuck here waiting for a passion feeling" oder vor allem "A King's Crossing" ("gimme one good reason not to do it"), die Drogenballade "Strung Out Again" oder das verworrene "Shooting Star", das auf Kokain gemischt worden ist, reflektieren Verwirrung und Genie in der Depression. Aber das Album bietet mehr Abwechslung, es ist ein Auf- und Ab der Gefühle! "Twilight" ist tragisch-romantisch und "Memory Lane" ein selbstironisch-fröhliches Stück, das aus John Lennons Feder hätte stammen könne.
"From A Basement on A Hill" klingt wie eine Mischung aus Neil Young&Crazy Horse, Beatles, Nick Drake und Nirvana, Mal Sanft, mal wütend, knarrende Gitarren, ruhige Akkustikperlen. Lyrische und musikalische Brillianz auf voller Linie. Der Sound wird Fans der Sechziger mit der Zunge schnalzen lassen, so was hat man wirklich selten gehört - rauh und unverblümt, präzise und persönlich.
Wie das Album jedoch geklungen hätte, wenn Smith (der alle Instrumente selber eingespielt hat) es erlebt hätte und ob der Klangerfektionist es überhaupt fertiggestellt hätte, bleibt in Frage gestellt. Das Album wurde posthum von XO/Figure Eight Produzenten Rob Schnapf und seiner sprunghaften Langzeitbeziehung Joanna Bolme aus Aufnahmen zusammengestellt und gemischt, denn der Tod kam ihm dazwischen...
Im Nachhinein wird dieser Rohdiamant noch über Jahre bestehen bleiben, und gehört jetzt schon zu den interessantentsten und intensivsten Werken der '00s. Eine moderne Legende, Tragödie eines Philantrophen. Allein mit dem Versuch dieses Album zu realisieren, hat er sich "unsterblich" gemacht.
Weiterhören: "Either/0r", "XO"
Weiterlesen: Benjamin Nugent , "Elliott Smith and The Big Nothing" (Biography)