Frofro, der Kehrreim des dritten Titels und Namensträger der CD, ist ein Wortspiel: fro bedeutet im Althochdeutschen sowohl froh wie auch Herr, so daß dieses Lied die Freude über die Geburt Jesu ausdrücken soll. Es wird a capella gesungen und ist eines der etwas lebhafteren Lieder, die hier von den Leipziger Ioculatores dargeboten werden. Weihnachtsmusik des Hoch- und Spätmittelalters klingt unseren Ohren so froembd wie die Musik der anderen mittelalterlichen Jahreszeiten, zumal neben lateinischen Texten mittelhoch-, und -niederdeutsche, wunderlich klingende mittelenglische und kastilische gesungen werden.
Die Stimmung ist bei vielen Titeln kontemplativ und wenig für mittelalterjahrmarktgewöhnte Ohren gedacht; wie auch ein gut Teil der mit Portativ, Fidel, Harfe und Laute vorgetragenen Instrumentale vergleichbar mehreren der ersten Ioculatores-CD in ruhigem Flusse erklingen. Lediglich das von Schalmeyen krefftiglich vorgetragene "In dulci iubilo" mag uns vertrauter klingen, auch das von der Orgel gespielte "Redeuntes": "solch tieffes grobes brausen". Andere, zumeist selbstgebaute Instrumente, die hier Schall und Klang verbreiten, sind Trumscheit, Maultrommel und Schellentambourin.
Im Konzert sorgt das älteste deutsche Weihnachtslied, das sogenannte Aachener Weihnachtslied, aufgrund seiner Kürze häufig für verblüfftes Lachen: schon nach 39 Sekunden folgt die Verbeugung der Künstler. Auch auf dem Tonträger ist es nicht länger: nur eine Strophe ist überliefert.
Das mit der CD-Box zusammenhängende booklet bietet zu jedem Titel einen deutschen, französischen und englischen Begleittext mit interessanten Informationen über Inhalt und Entstehung, am Schluß werden die Ioculatores und der Mädchenchor der Schola Cantorum Leipzig vorgestellt.
Fazit: eine "andere" Weihnachtsmusik, zeitweilig sehr bedächtig und still und somit auch für den Freund der mittelalterlichen Musik etwas gewöhnungsbedürftig.