Es gibt CDs die der Klassikliebhaber kauft, hört, und danach zu den anderen in den Schrank stellt. Dort steht sie dann neben einer ganzen Reihe anderer Einspielung des gleichen Werkes und je nach Stimmung, Lust und Laune wird mal die eine, mal die andere Interpretation hervorgeholt und auf den Plattenteller oder in den CD-Spieler gelegt.
Und dann gibt es Aufnahmen eines bestimmten Werkes, die so vollendet sind, daß man für den Rest seines Lebens keine weitere mehr kaufen wird, weil man weiß, daß man mit ihr die große Liebe gefunden hat und glücklich leben wird bis daß der Tod uns scheidet.
Eine dieser überaus seltenen Aufnahmen ist der letzte Liederabend von Fritz Wunderlich mit einer Dichterliebe die so wunderbar ist, daß man auf die Knie sinken möchte und einem noch mehr als 40 Jahre nach dem jähen Tod des Jahrhundertsängers die Tränen in die Augen treten können ob dieses Verlustes.
Die verführerische Frage "Was wäre wenn..." schwebt wieder einmal im Raum. Was wäre wenn dieser Sänger, der mit 36 Jahren bereits so vollendet war wie es nur wenigen Künstlern jemals vergönnt ist, länger hätte leben dürfen? Wie hätte das weitere künstlerische Leben eines Sängers und Vollblutmusikers ausgesehen, der bereits in solch jungen Jahren für jede musikalische Gattung, jeden Stil, jeden Komponisten den richtigen Ton, die richtige Stimme finden konnte, und der immer singt "als ob singen das einfachste auf der Welt sei" wie es Kollege Rolando Villazón einmal formuliert hat. Bis heute ist Wunderlich im lyrischen Fach das Maß aller Dinge.
Seine Fähigkeit noch aus dem schlichtesten Schlager ein Kunstwerk zu machen ist unerreicht. Sein Geheimnis ist, neben einer berückend schönen Stimme und einer stupenden Musikalität, vielleicht das völlige Fehlen von Arroganz. Er nimmt einen Operettenschlager ebenso ernst wie eine Bach-Arie, und deshalb ist er allem gewachsen.
Viele Tenöre deutscher und fremder Zunge wurden in den letzten 40 Jahren zum neuen Wunderlich" ausgerufen, kein einziger ist es gewesen. Es ist das geschehen, was Musikkritiker bereits unmittelbar nach jenem verhängnisvollen Treppensturz im September 1966 befürchtet haben: Fritz Wunderlich ist ohne Nachfolger geblieben.
Sein letzter Liederabend endete ausgrechnet mit Schuberts "An die Musik":
Oft hat ein Seufzer, deiner Harf entflossen,
Ein süßer, heiliger Akkord von dir
Den Himmel beßrer Zeiten mir erschlossen,
Du holde Kunst, ich danke dir dafür!
Wir sind es, die auch 44 Jahre später noch zu danken haben.