Diese DVD richtet sich an den Anfänger, der auf dem Cover als Hobbyschachspieler bezeichnet wird.
Man muss schon klipp und klar sagen, an wen sich die DVD richtet. Für mich gibt es da den absoluten Anfänger, und einen Anfänger der an der Grenze zum Vereinsspieler steht, die sehr viel tiefere Zusammenhänge betrachten können.
Auf den Covers finden sich diese Beschreibungen meist versteckt und wenig offensichtlich. Im Nachhinein ist mir hier klar geworden, dass die ersten Absätze des Covertextes nichts anderes besagen konnten.
Wozu ist diese DVD zu gebrauchen, wenn man nicht absoluter Anfänger ist?
Wenn man gerade erst angefangen hat, Schach zu spielen, braucht man kein fundiertes Wissen über Grundsätze in der Eröffnung, weil man mit ihnen noch nichts anfangen kann. Sondern die ersten Schritte bestehen darin, diese Grundsätze erst mal ganz oberflächlich zu kosten.
Dafür eignet sich diese Lehr-DVD einigermaßen.
Wer wirklich gerade begonnen hat mit den Regeln und nun die gekonnteren Eröffnungsweisen anstrebt.
Oder wer in seinem Schachwissen noch zulegen möchte, weil er in der Eröffnung eklatante Fehler macht, da ihm die einfachsten Grundsätze nicht geläufig sind. Für solche Spieler ist die DVD brauchbar und durchaus hilfreich. Aber wer darüberhinaus ist, braucht wirklich eine andere Schulung. Es würde ihm hier rasch langweilig werden und er hätte wirklich nichts neues gelernt!
Aber es gibt auch inhaltliche Makel, und nicht nur dass das Konzept zu einseitig auf den absoluten Anfänger ausgerichtet ist.
Das erste Kapitel, wo die verschiedenen Grundlagen vorgestellt werden, finde ich nicht ausführlich genug.
Im zweiten Teil kann man eigentlich bloß mal eben einen Blick auf eine Eröffnung des Namens werfen.
Nehmen wir zB eine Eröffnung, die Spanische. Es werden von jeder Eröffnung zu der nächsten immer nur die einzelnen Züge gezeigt. Es wird gesagt, es geht um das Zentrum, und Schwarz könnte b7-b5 ziehen usw.. Es wird wenig erklärt, wenig Hintergründe beschrieben. Weil es dreht sich ja nicht nur darum, dass im Zentrum etwas passiert, sondern wie und auf welche Weise.
Warum ist dieser Zug besser, oder diese Variante. Es wird dann und wann angerissen, aber nicht wirklich deutlich gemacht. Gerade für Anfänger wäre dies wichtig.
Natürlich, die DVD richtet sich an den Anfänger, und man will ihn nicht überfordern. Und die DVD behandelt keine Eröffnung als Monografie.
Dennoch: man hat hier eine DVD im Regal, aber irgendwann wächst man aus seinem Schatten heraus. Wenn es um Eröffnungen geht, die der Reihe nach vorgestellt werden, bleibt die DVD dann für später äusserst oberflächlich.
Zu den Ideen einer Eröffnung gäbe es sicherlich eine Menge Quintessenz aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu berichten, von denen man sich als Großmeister oder Lektor hätte etwas aussuchen könnte. Zum Beispiel welche Möglichkeiten die hauptsächlichen Kampfschauplätze bedeuten und wo sie in der jeweiligen Eröffnung zu finden sind (=Zentrum, starke Felder für Figuren, Diagonalen, Fesselungen und Entledigung von Fesselung, offene Linien im Zentrum usw.). So dass man zwischendurch auch Schachwissen vermittelt.
Ich finde es dagegen sehr einfältig, einfach die Hauptvariante zu nehmen und sporadisch einige Züge zu erklären, was die Einzelzüge bedeuten ohne das Konzept der eigentlichen Eröffnung besonders zu gewichten oder auch nur anzudeuten. Und die Grundsätze, die im ersten Teil genannt werden, hätten auch in einem Konzept noch vertieft werden können - aber es fehlt eher jegliches Konzept, es sei denn der Streifzug ist das Konzept.
Die Eröffnungen werden vorgestellt, ein Streifzug durch die Hauptvarianten gemacht, das wars. Nun ja, wenn die Zielgruppe wirklich der absolute Anfänger ist, dann ist diese DVD ein erster Brückenschlag und ich will niemanden davon abhalten, Lust am Schach zu bekommen. Aber es gibt bessere DVDs. Wer des Englischen mächtig ist, seien diverse Reihen anderer Chessbase Produkte zu empfehlen, die die Grundregeln geschickter behandeln und darüberhinaus tiefgründiger sind, zB von Andrew Martin.
Die Bedeutung des Zentrums wird jeweils nur gestreift und nicht vertieft, und die zentralen Pläne und Ideen der sechs Eröffnungen sind auch nur Streifzüge.
Dabei sind es auch nur 6 Eröffnungen (Sizilianisch, Französisch, Damengambit, Königsgambit, Italienisch, Spanisch).
Es ist gut, diese Hauptvarianten zu kennen. Warum hier aber Königsgambit und nicht zB Russisch aufgenommen wurden sind mir schleierhaft, weil ein Anfänger eigentlich kaum zu Königsgambit greifen wird oder greifen sollte).
In Ordnung, es ist eine DVD für den Anfänger. Doch muss man sich diese DVD auch als absoluter oder auch relativer Anfänger zulegen? Wächst man nicht irgendwann von selbst in die Kenntnis der verschiedenen Eröffnungen hinein?
Insgesamt finde ich, ist es nichts Ganzes.
Wenn man sich mit den einzelnen Eröffnungen beschäftigt, dann kann man sich auch gleich eine Monografie zulegen, da deren einzelne Varianten ausführlicher erklärt werden. Denn ob diese Streifzüge des zweiten Teils wirklich Sinn machen, glaube ich kaum. Man hätte meines Erachtens als absoluter Anfänger mehr Gewinn aus der DVD gezogen, wenn die Grundsätze des ersten Teil durch Beispielpartien thematisch wirklich vertieft worden wären.
Im ersten Teil werden dagegen wirklich (einfachste) Grundsätze vor Augen geführt und wie gesagt richtet sich dieser Teil ganz besonders an solche Spieler, die bislang noch nicht mit der Lerneinheit "Eröffnungen" beschäftigt waren, in welcher Weise auch immer.
Themen sind "Grundregel unnötige Bauernzüge", "Grundregel Mehrfachzug", "Grundregel Dame" usw.
Dazu gibt es zumindest die wichtigsten Hinweise. Es ist ein Mittel, um sich mit der ganzen Materie vertraut zu machen, und man beginnt zu begreifen, wie die Figuren vom Prinzip her aufgestellt sind. Für einen radikalen Neuling im Eröffnungswissen stellt wie gesagt die DVD durchaus eine wichtige Brücke dar.
Aber es ist schon etwas dürftig, wie die DVD inhaltlich zum Tragen kommt. Von 36 Kapiteln behandeln 16 elementare Grundsätze oder Fehler und der Rest die einzelnen Eröffnungsvarianten. Daher meine ich, es ist eben nichts Ganzes. Es wäre besser gewesen, die Grundsätze zu vertiefen und auf die Vorstellung der Eröffnungen zu verzichten. Denn es bleibt so sehr viel oberflächiger, als es hätte werden können. Da sage ich mir dann (spontan), das hätte ich auch hingekriegt zu erklären und da sitzt ein Großmeister und es ist dennoch nichts besonderes.
Wenn die einzelnen Grundsätze berührt werden, wird auch mehr eine Situation beschrieben als der zugrundeliegende Mechanismus erklärt, zum Beispiel mit der Betonung hintergründiger Prinzipien, die man sich auch gut merken könnte, wenn man solche Begriffe denn kennen lernte - um sie dann in eigenen Partien anzuwenden. Zum Beispiel solche Sätze fehlen: Deckungsfiguren, die abgetauscht werden können und damit die Deckungsaufgabe verlieren. Stattdessen streift Lengwenus diese Thematik nur, und betont nicht das Prinzip oder bringt es mit Begriffen nicht noch mal auf den Punkt.
Übrigens läuft die DVD auf jedem "Chess Media" fähigen Chessbase Programm, nicht nur Fritz 8 sondern auch zB Fritz 10.
Fazit:
Es ist eine DVD für den absoluten Anfänger. Eine DVD , die allerdings konzeptionell nicht konsequent genug umgesetzt wurde.