Von der Neuauflage der Carinischen Teufel Biografie hatte ich mir eigentlich nicht viel erwartet. Viele der zu dieser Thematik erschienen Bücher, Biografien, oder auch verspäteten Rechtfertigungsversuche geben nicht wirklich viel her. Wenn's der Wahrheitsfindung dient ist da eine Ausnahme. Vieles an Information über die Protagonisten der damaligen Zeit habe ich so noch nicht gelesen. Vor allem die persönlichen Verstrickungen, bzw. Beziehungen der unterschiedlichen Gruppierungen und deren Mitglieder untereinander finde ich sehr aufschlußreich und informativ.
Fragen die sich durch die Lektüre anderer Bücher zum Thema Enstehung d. Linksextremismus zur Zeit der 68er aufwerfen werden hier beantwortet. Meist dreht es sich bei Aust, Peters und Co nur um die Hauptprotagonisten der RAF, also Baader, Meinhof, Enslin und die Folgegenerationen. Aber das ist eben nur ein kleiner Teil der Geschichte.#
"Wenns der Wahrheitsfindung dient" liefert zudem sehr anschaulich das Gefühl der damaligen Generation. Die Ablehnung und den Widerstand gegen den Machtapparat und seiner, teilweise noch aus der aus aktiven Nazikreisen stammenden Gerichtsbarkeit. Die Meinungsmache der Medien wie dem Springerkonzern. Die Schüsse auf Ohnesorg und Dutschke die Folge eben dieser waren. Die Ohnmacht gegen Ungerechtigkeit in Vietnam und der "Dritten Welt".
Die Entlarvung der damaligen Strafverfolgungsbehörden als "Widerstandsverhinderer um jeden Preis" ist das Tüpfelchen auf dem i im Falle Teufel.
Wie schon mein Vorrezensent richtig schreibt, ist Carinis Biografie keine "übellaunige Ansammlung" von familiären Details und chronologischen Geschehnissen, sondern eine auch sehr lesenswerte Darstellung eines wichtigen Teils unserer neueren Geschichte.
Empfehlenswert x 5