Inhalt
Als "grausamster Sklavenhalter seit den ägyptischen Pharaonen" wird Fritz Sauckel beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess 1945 bezeichnet. Wie der Sohn eines frommen Kleinstadtbriefträgers in die erste Reihe der NS-Täter aufstieg und so über das Schicksal von Millionen Menschen bestimmte, zeigt dieser Film. Ehemalige Zwangsarbeiter legen eindrucksvoll Zeugnis ab.
Bildbewertung
Seit nunmehr 1999 zählt die im Auftrag und unter Federführung des MDR produzierte Dokumentationsreihe über die "Geschichte Mitteldeutschlands" mit zu einer der erfolgreichsten und interessantesten TV-Reihen diesen Genres.
Die Reihe, welche sich in den in ihr gezeigten Dokumentationen mit der überaus wechselvollen und sehr vielseitigen Geschichte der Länder Mitteldeutschlands, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beschäftigt, zeigt welchen weitreichenden und entschiedenen Einfluss diese weit über die regionalen Grenzen hinaus hatte. Dabei stellen sich die Macher hinter der "Geschichte Mitteldeutschlands" mit jeder der produzierten Dokumentationen immer wieder aufs Neue, den sich selbst auferlegten und höchst anspruchvollen Zielen in Bezug auf ihr eigenes Werk und Schaffen. Die zu sehenden Dokumentationen der Reihe lassen erahnen, welche immensen und umfassenden Recherchen in Vorbereitung der Produktion notwendig gewesen sein müssen. So schafft und vermag es eine jede der Dokumentationen immer wieder, neben fundierten, sich an geschichtliche Daten und Fakten haltenden Inhalten, zugleich auch Geschichte lebensnah und unterhaltend zu präsentieren.
Wieder ist es das Label "ICESTORM", dass sich, als Inhaber der exklusiven Verwertungsrechte an den DEFA-Filmproduktionen bereits mit zahlreichen gelungenen Veröffentlichungen aus und in diesem Genre einen verdient guten Namen gemacht hat, welches auch bei dieser Reihe das Potential und den hohen Stellenwert erkannt hat.
So kommen unmittelbar nach der Erstausstrahlung beim "mdr" im August und September 2009 alle der insgesamt fünf Neuen, durch die "OTTONIA Media GmbH" für den "mdr", produzierten "Geschichten Mitteldeutschlands" zur Veröffentlichung auf DVD. Neben dem sich mit dieser Rezension beschäftigenden "Fritz Sauckel", liegen die inhaltlichen Themen der vier anderen Veröffentlichungen bei "Katharina von Bora", "Kaiser Barbarossa" sowie "Ernst Thälmann" und "August Horch".
Das besondere der einzelnen Dokumentationen innerhalb dieser Reihe ist der gewählte dramaturgische Stil und die Form der Gestaltung und Erzählweise der Geschichten. In diesem gekonnt in Szene gesetzten Mix aus höchst informativ dargebotenen geschichtlichen Fakten und Hindergründen wird der Betrachter von der ersten Minute der Dokumentation in deren Bann gezogen und von dem zu sehenden gefesselt. Dabei schaffen es die Filmemacher gekonnt, zahlreiche unterschiedlichste Formate in sich zu einen. Es sind die historischen, zum Teil noch in Schwarz-Weiß gefertigten Filmaufnahmen, Interviews mit Zeitzeugen und in Szene gesetzte Inhalte, nebst Amateurfilmen und Fotos sowie Dokumenten und sonstigen Belegen und Aufzeichnungen über jene in den Dokumentationen behandelter Themen, welche dieser Reihe ihr höchst eigenes und unverwechselbares Gesicht geben.
Die vorliegende Veröffentlichung beschäftigt sich mit Fritz Sauckel, einem der Hauptangeklagten beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess 1945, beim dem er durch den amerikanischen Hauptankläger Robert H. Jackson als "grausamster Sklavenhalter seit den ägyptischen Pharaonen" tituliert wurde. Auch wenn Fritz Sauckel selbst, bis zu seinem Ende und dem Tod durch den Strick am 16. Oktober 1946, sich seiner Schuld nicht bewusst war und immer wieder seine Unschuld beteuerte, so lassen die mehr als fünf Millionen, von ihm für das dritte Reich und Hitler "herangeschafften" Zwangsarbeiter, deutlich sein grausames und menschenverachtendes Tun und Handeln erkennen.
Für Sauckel selbst, als der von Hitler zum "Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz in Deutschland" Berufenen, zählte nicht der Mensch als Wesen, sondern nur seine Arbeitskraft, die es bis auf ein Maximum, bis hin zum in Kauf genommenen Tod des selbigen, auszunutzen galt. Wie perfide und nicht vorhanden muss das Unrechtsempfinden dieses Menschen gewesen sein, der von seiner Villa in Weimar aus den Blick ständig hin zum Ettersberg und das spätere Konzentrationslager Buchenwald hatte, für dessen Bau er mit verantwortlich zeichnete, wenn er im Nachhinein auch hierfür alle Verantwortung abstritt und sie einzig und allein der SS, die formell laut Papieren die Befehlsgewalt hatte, unterstellte.
Eine qualitative Bewertung zur bildlichen Qualität dieser Veröffentlichung abzugeben ist kaum möglich, da die sehr unterschiedlichen, zum Teil mehrere Jahrzehnte alten Filmaufnahmen verständlicher Weise nicht mehr die allerbesten sind. Dennoch wurde es geschafft aus diesen vielen Elementen und vorliegenden Materialien für die Dokumentationen ein inhaltlich stimmiges Ganzes zu machen. So kann das Bild bei dieser ca. 45 Minuten in seiner Gesamtlaufzeit dauernden Produktion, im Bildformat 16:9 aus dieser Sichtweise gesehen, als überzeugend und qualitativ gelungen betrachtet werden.
Ein DVD-Menü kommt nicht zur Ansicht, vielmehr startet die Dokumentation unmittelbar nach Einlegen der DVD und dem Intro des Labels "ICESTORM", mit einer kurzen Einführung durch Günther Schoß, dem Moderator der Dokumentation. Erfreulicherweise wurden der Dokumentation Kapitelmarker zugestanden, die somit Kapitelsprünge innerhalb dieser ermöglichen. Ist es nun falsche Bescheidenheit oder nur der Wille die Herstellungskosten gering zu halten? Schade ist es jedenfalls allemal, dass es keine Extras von dieser DVD zu sehen gibt. In Anbetracht der höchst aufwendigen Dreharbeiten und nur 45 Minuten Laufzeit von der gesamten DVD, wäre da das eine oder andere Extra doch sicher möglich und vor allem wünschenswert gewesen.
Tonbewertung
Ein bis auf kleinere Ausnahmen zumeist gut verständlicher deutscher Ton im Dolby Digital 2.0, wird von der DVD dieser Veröffentlichung angeboten. In seinen klanglichen Eigenschaften wirkt er wenig auffällig. Mir fielen keine größeren erwähnenswerten hörbaren Mängel während der Wiedergabe auf. Kleinere Mängel bei älteren oder privaten Aufnahmen innerhalb der Dokumentation, sind nachvollziehbar und stören auch nicht wirklich. Untertitel oder weitere Sprachfassungen gibt es nicht bei dieser sonst gelungenen Veröffentlichung.
Gesamturteil:
Nicht ohne Grund zählen die Dokumentationen dieser Filmreihe schon seit vielen Jahren mit zu den meist gesehenen und in der Zuschauergunst ganz oben stehenden diesen Genres. Gekonnt mit einer stimmigen Dramaturgie in Szene gesetzt, überzeugt jede der inhaltlich genauestens recherchierten und mit hohem Informationsgehalt versehenen Dokumentationen immer wieder aufs Neue. Von mir persönlich, eine ganz klare Top-Empfehlung und Freude auf weitere Veröffentlichungen innerhalb dieser Reihe durch "ICESTORM Entertainment".
Autor: Torsten
Fernseh-Serien-Auf-DVD.de