Ein solches Filmbuch hat es in Deutschland noch nicht gegeben: so opulent, so reichhaltig, so informativ. Alles hier dreht sich um Fritz Lang, sein Leben und seine Filme. Der klassische deutsche Regisseur ("Metropolis", "M") österreichischer Herkunft, vor Hitler nach Frankreich und in die USA geflüchtet, ist der Kristallisationspunkt. Bei ihm kommt alles zusammen, in seiner Biografie, die hier vor allem anhand von Dokumenten und Fotos, aber auch mit kommentierenden Texten präsentiert wird, spiegelt sich die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts an zahlreichen Punkten glasklar. Ähnlich wie Marlene Dietrich steht Lang - allerdings ungleich zurückhaltender - im Mittelpunkt, vor allem während der Zeit des Exils. Er half Verfolgten, beispielsweise Egon Erwin Kisch und Arnold Höllriegel, er initiierte Anti-Nazi-Vereinigungen in den USA, er wurde vom FBI beschattet und korrespondierte in den 50er Jahren mit dem nach Deutschland zurückgekehrten Philosophen Theodor Adorno. Zu diesen Verbindungen und zu vielen anderen präsentiert dieses Buch Originaldokumente. In vielen Punkten ist man nun nicht mehr auf Vermutungen und Gerüchte angewiesen. So kann die Frage, ob Fritz Lang eine Mitschuld am Tod seiner ersten Ehefrau 1920 in Berlin trifft, nun genauer beantwortet werden. Daß er 1933 nach einer Unterredung mit Goebbels fluchtartig Deutschland verließ, hat Lang Zeit seines Lebens behauptet - nun weiß man, daß er bis zum Sommer des Jahres mehrfach noch zwischen Deutschland, Frankreich und England pendelte. Über die Entstehung seiner Filme hat Lang nie viel erzählt. Notizhefte, die für dieses Buch ausgewertet worden sind, gestatten einen Einblick in die Werkstatt dieses Filmverrückten, der 1976 in Hollywood starb. Bestechend der edle Druck, die hervorragende Fotoqualität und die von Volker Noth verantwortete herausragende grafische Gestaltung des Buches, das bei 512 Seiten, dreisprachig (deutsch, englisch, französisch) und über 650 zum Teil farbigen Abbildungen geradezu preiswert zu nennen ist. Dieses Buch ist wahrlich eine Sensation an sich. Sehr zu empfehlen, für jeden wirklich an Film Interessierten; und für die Liebhaber der Filme von Fritz Lang ist es sowieso ein unbedingtes Muß.
Talea Reemtsma