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Fritz Haber 1868 bis 1934
 
 
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Fritz Haber 1868 bis 1934 [Gebundene Ausgabe]

Margit Szöllösi-Janze , Margit Szöllösi- Janze
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 928 Seiten
  • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (17. März 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406435483
  • ISBN-13: 978-3406435485
  • Größe und/oder Gewicht: 23 x 15,7 x 5,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 910.367 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Margit Szöllösi-Janze
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das historische Buch

Grosser Mann

Eine Biographie des Chemikers Fritz Habers

Fritz Haber, der geniale Chemiker und Nobelpreisträger, war ein Mensch, der zum Grenzgänger geboren schien. Als Sohn einer jüdischen Breslauer Familie konvertierte er zum Protestantismus, um doch 1933 wieder auf seine Herkunft zurückverwiesen zu werden. Trotz Habers Ergeiz waren seine Leistungen als Schüler und Student eher mittelmässig, und um die gewünschte Anerkennung musste er lange kämpfen. Haber war ein ausgesprochen origineller Kopf und rastloser Arbeiter: Er überschritt die Grenzen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, verband Chemie und Physik. Er betrieb Grundlagenforschung, war aber von Anfang an auf die Fähigkeit, seine Ergebnisse anzuwenden, bedacht und suchte früh den lukrativen Kontakt zur Industrie.

Erfolge, Misserfolge

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges stellte er sein wissenschaftliches Know-how und seine Organisationstalente bedingungslos dem deutschen Staat zur Verfügung. Er forcierte die Entwicklung und Produktion kriegswichtiger Roh- und Ersatzstoffe, aber auch von Giftgas, das beileibe nicht nur zur Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft eingesetzt werden sollte. Nicht einmal vor Selbstversuchen scheute Haber zurück, um die Wirksamkeit der giftigen Kampfstoffe zu erproben. Er überzeugte die «traditionellen» Militärs davon, dass die Wissenschaft einen Beitrag – und welchen! – zur Kriegsführung leisten konnte, und genoss seine Beförderung zum Hauptmann. Er organisierte «big science», entwickelte sich vom Fachwissenschafter zum Wissenschaftsmanager, betrieb Wissenschaftspolitik über die Grenzen seines Fachs hinweg.

Haber wurde als Wissenschafter und Wissenschaftsorganisator zu seinen Lebzeiten reich geehrt; er wurde Direktor des neugegründeten Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie, er erhielt den Nobelpreis, und er genoss internationale Reputation. Aber er erlitt auch Fehlschläge: Sein ambitiöses Projekt, Meergold zu gewinnen, um die nach dem verlorenen Krieg auferlegten Reparationskosten zu finanzieren, scheiterte. Auch in seinem Privatleben war Haber nicht immer «erfolgreich». Seine erste Frau, die Chemikerin Clara Immerwahr (der Gerit von Leitner jüngst eine allzu melancholische Biographie gewidmet hat), nahm sich 1915 das Leben, und auch die zweite Ehe war nicht glücklich. Am Ende der Weimarer Republik stand Haber vor einer persönlichen Trümmerlandschaft: krank, einsam, liebesunfähig, finanziell angeschlagen, politisch desillusioniert. Die «nationalsozialistische Revolution» entzog ihm noch das letzte, das wissenschaftliche Standbein: Haber trat als Institutsdirektor zurück und starb 1934 in Basel.

Gerade das Unglatte dieses Lebens, seine Ecken und Kanten, seine Brüche und Verwerfungen machen es für Biographen interessant. Historiker wiederum finden in ihm reiches Material zur Wissenschafts- und Sozialgeschichte des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Was aber passiert, wenn Historiker sich als Biographen versuchen? Das Ergebnis ist nachzulesen in der voluminösen, fast 1000 Seiten starken Habilitationsschrift der Münchener Historikerin Margit Szöllösi-Janze.

Die Lektüre hinterlässt den Verdacht, dass sich die Autorin nicht hat entscheiden können, ob sie eine Biographie oder eine wissenschaftsgeschichtliche Forschungsarbeit schreiben wollte. Für eine Biographie, die die individuelle Lebensgeschichte eines «grossen Mannes» in die Zeitumstände einbettet, ist die Darstellung dieser Umstände viel zu ausführlich geraten. Zweifellos erfährt die Leserin viel Wissenswertes über die Geschichte der TH Karlsruhe oder der BASF, über die Wissenschaftsgeschichte der Chemie, die Entwicklung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und zahlreicher anderer Organisationen und Institutionen, mit denen Haber in – oft nur loser – Verbindung stand. Vor allem die mittleren Kapitel lösen sich stark von der Darstellungsform einer Biographie und ähneln weit mehr einer Geschichte der Beziehungen zwischen Staat, Militär und chemischer Wissenschaft in Krieg und Nachkriegszeit. All diese «Hintergrundsgeschichten», hinter die die Person Habers oft bis zur Unsichtbarkeit zurücktritt, sind ausgesprochen deskriptiv und in der Regel aus der Sekundärliteratur erarbeitet.

Insgesamt entsteht der Eindruck, dass es der Autorin nicht so sehr um eine Biographie Habers ging als vielmehr um eine an seiner Person exemplifizierte Geschichte moderner naturwissenschaftlich-industrieller Grossforschung und ihrer institutionellen Vernetzung. Das ist keinesfalls verwerflich, nur ist die gewählte Form einer Lebensgeschichte dafür nicht geeignet. Allzu knapp kommt Fritz Habers Persönlichkeit ins Spiel, seine Herkunft, seine Prägungen, sein Verhältnis zu Eltern, Geschwistern, Freunden.

Nur der Biographie Leitners haben wir es zu verdanken, dass seiner Beziehung zu seiner ersten Frau einiger Raum geschenkt wird – obwohl die Autorin auch hier nicht über Haber schreibt, sondern über Clara, ihre psychischen und sexuellen Probleme. Von einer Biographie Habers aber wäre zu erwarten, dass seine persönliche Perspektive ausgeleuchtet würde – was nur in Spurenelementen geschieht. Dass er mit Hilferding befreundet war, erfährt man auf Seite 605. Sein Sohn Hermann taucht erst auf, als er bereits erwachsen und studierfähig ist.

Am Selbstbild orientiert

Mit dieser Gewichtung reproduziert die Autorin das offizielle Selbstbild «grosser Männer», die sich ausschliesslich als öffentliche Personen zu präsentieren suchen. Eine wissenschaftliche Biographie aber sollte nicht die Auswahlentscheidungen von Lebenserinnerungen wiederholen, sondern eigene Akzente setzen. Das hat nichts mit Voyeurismus zu tun, gegen den sich die Autorin zu Recht verwahrt. Anders als Autobiographien, die in der Regel bemüht sind, ein konsistentes Bild der eigenen Lebensgeschichte zu entwerfen, ist es Aufgabe und Chance einer Biographie, dieses Bild aufzulösen und seine Elemente neu zu sortieren. Dieser intellektuellen Herausforderung hat sich die Autorin bei aller Sorgsamkeit der Recherche entzogen.

Damit hat sie sich überdies der Möglichkeit begeben, Habers Leben auf diskursive Weise mit seiner Zeit in Beziehung zu setzen. Gerade das biographische Genre bietet ja den Vorteil, das Schisma zwischen «strukturanalytischen» und «handlungsbezogenen» Geschichtsbetrachtungen überwinden zu können. Die ewig spannende Frage, inwiefern individuelles Handeln die Geschichte prägt und zugleich von ihr geprägt wird, lässt sich gerade anhand einer Biographie immer wieder neu stellen und anders beantworten. Das aber setzt voraus, dass man das Moment der Kontingenz ernst nimmt und Handlungsspielräume ebenso wie Alternativen kritisch ins Spiel bringt. Eben dieses reflexive Potential einer Biographie wird einem positivistischen Verständnis geopfert.

In ihrem analytischen Vermögen bleibt die dickleibige und detailfreudige Forschungsarbeit Margit Szöllösi-Janzes damit hinter Fritz Sterns kurzen, dichten Essays zu Fritz Haber zurück. Wiewohl überpointiert, stellt Stern Haber als Person vor, in der sich die Zeitereignisse bündeln und kristallisieren. Die zehnmal umfangreichere Habilitationsschrift dagegen lässt die Person Habers hinter den Zeitereignissen verblassen.

Ute Frevert

Weltwoche, 4. Juni 1998

"Eine weitere Qualität des Buches von Margit Szöllösi-Janze zeigt sich in ihrem souveränen Umgang mit Quellen. Zum Beispiel im Fall des Selbstmords, den Habers erste Frau Clara, geborene Immerwahr, verübt hat. Viele Spekulationen ranken sich um diesen Freitod. Der erfolgte, nachdem Haber von der Westfront zurückgekehrt war, wo er den Einsatz von Giftgas persönlich überwachte. Doch nun hat Margit Szöllösi-Janze Zugang zu neuen Quellen gefunden und zeigt sich mit deren Hilfe überzeugend, dass für den Selbstmord eine komplexere Ursachenkonstellation in Rechnung gestellt werden muß, bei der man sich vor Simplifizierungen hüten sollte’. Da spielen sexuelle Verweigerungen (der Ehefrau) ebenso eine Rolle wie Verführungen zum Seitensprung (durch die schon lauernde Nachfolgerin). Die vorliegende Biographie überzeugt nicht zuletzt deshalb, weil es der Autorin bei allem sachlichen Umgang mit den Fakten gelingt, dem tätigen Menschen Haber mit der nötigen Distanz und zugleich dem leidenden Menschen Haber mit der ebenfalls nötigen Sympathie zu begegnen. Und gelitten hat Haber, gerade als es um die Verantwortung für den Einsatz der Giftwaffen ging."

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Hintergrund-Info bis ins Detail, 30. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Fritz Haber 1868 bis 1934 (Gebundene Ausgabe)
Hab mich grad durch den Wälzer gebissen. Für einen Physikochemiker ein Muss, - finde ich, denn immerhin geht es um die Etablierung dieses Bereichs der Naturwissenschaften als eigenständigem Forschungsgebiet (Ostwald, Nernst & Co. lassen grüßen).

Mit einem beeindruckenden Detailreichtum schildert Margit Szöllösi-Janze den historischen Hintergrund, vor dem sich Habers Leben abspielte. Es scheint nicht so, dass sie ihren Protagonisten schönreden will. Sie spart Brüche, Fragwürdigkeiten und Fehler nicht aus, überschreitet aber nicht die Grenze zum voyeuristischen Ausspähen von allzu intimen Dingen. Haber bleibt Haber. Mir gefällt außerdem, dass die Autorin auch gewissenhaft die Tragik um Habers erste Frau Clara untersucht und dabei erklärtermaßen der feministischen Argumentationsschiene nicht folgen mag.

Die Autorin hat sich recht eingehend in die Materie der PC eingearbeitet, aber einige wiss./techn. Details/Beschreibungen vermisse ich doch.

Trotz des (zumindest für Laien) spröden Themas ist das Buch gut zu lesen.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Muss für alle Chemiker, 31. Juli 2003
Rezension bezieht sich auf: Fritz Haber 1868 bis 1934 (Gebundene Ausgabe)
Das Buch habe ich in den Ferien (bin Chemiestudent)gelesen auf Empfehlung von unserem Prof. hin und habe es nicht bereut. Man nicht Chemie studiert haben um das Buch verstehen zu können ;).Es ist eine sehr spanende Biografie eines sehr interessanten Menschen, der in einer sehr spannenden Zeit seine sehr abenteuerliche Träume lebte(z.B. versuchte er Gold aus Meereswasser zu gewinnen). Aber lest es selbs, es ist sehr zu empfehlen.
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