Fritz Elsas (1890 - 1945) war ein promovierter Staatswissenschaftler, der in der Zeit der Weimarer Republik als überzeugter Demokrat agierte und sich als hoher Verwaltungsbeamter und Lokalpolitiker vor allem in Stuttgart und Berlin einen Namen machte. Seine jüdische Abstammung war schon dieser Zeit aufgrund eines latenten Antisemitismus hier und da hinderlich, wurde ihm aber nach 1933 zum Verhängnis. Bald schon aus dem öffentlichen Dienst entfernt, wurde er 1937/38 durch die Verdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben quasi zur Untätigkeit verurteilt. Seine Kontakte zu Kreisen des Widerstands (u.a. zu C.F. Goerdeler) wurden ihm nach dem missglückten Staatstreich vom Juli 1944 zum Verhängnis und machten ihn »zum einzigen liberalen Blutzeugen« der Robinsohn-Strassmann-Gruppe, die vor ihrer Zerschlagung Pläne für den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands nach dem Ende der Hitler-Herrschaft entwickelt hatte.
Insofern ist es mehr als gerecht, dass er durch diese von einem Mitarbeiter des Stuttgarter Stadtarchivs betreute Veröffentlichung gewürdigt wird. Allerdings suggerieren Titel und Untertitel des Buches mehr, als es durch seinen Inhalt einlöst. Den Hauptteil dieses Inhalts bilden autobiografische Fragmente von Elsas, die den Zeitraum von 1908 bis 1920 abdecken und im Wesentlichen seine Studienjahre und den Beginn seiner beruflichen Karriere schildern. Lediglich das letzte Kapitel ist der Anfangsphase der Weimarer Republik zwischen Novemberrevolution und Kapp-Putsch gewidmet. Die anschließenden Tagebuchauszüge aus dem Jahr 1933 dokumentieren höchst knapp die Monate Januar und Februar, also die Wochen vor und nach Hitlers Machtübernahme. Lediglich die einleitende 50seitige biografische Skizze von Manfred Schmid informiert auch über die Jahre 1933 bis 1945, Elsas' Kontakte zu bürgerlichen Oppositionellen und seine letzten Monate von der Verhaftung bis zur Exekution.
Ich war jedenfalls nach den durch Umschlag und Klappentext geweckten Erwartungen nach der Lektüre des Buches ein wenig enttäuscht.