Ich habe das Lesen dieses Buches mit eher gemischten Gefühlen beendet. Dass die Autorin schlechte Erfahrungen mit der Rohfütterung mit viel Fleisch gemacht hat, ist sicherlich der Grund für dieses Buch gewesen. Und dass sie diese Erfahrung machen musste, ist natürlich traurig.
Das Buch ist sicherlich für Bulldoggen- und Dalmatiner-Besitzer eine Bereicherung, da hier die Problematik bei der Fütterung bzw. Genetik aufgezeigt wird und die genannten Fütterungsbeispiele sicherlich sehr gut umgesetzt werden können.
Für andere Hundehalter bietet es evtl. den ein oder anderen neuen Gedankenanstoß oder eine andere Sichtweise. Diese andere Sichtweise, die Frau Behling hat, ist grundsätzlich nichts falsches. Neue Sichtweisen bereichern den Horizont.
Doch sie schürt in vielen Dingen meiner Meinung nach auch die Unsicherheit bei Neuhundebesitzern, die eben noch keinen "erweiterten" Hundefutterkenntnisse haben und womöglich diese (Frau Behlings einzig richtige) Fütterungsweise auch auf ihre Rassen beziehen und eben "nur" einseitig denken lernen.
Und hier empfinde ich die immer und immer wieder aufs neue aufgeführten Gründe für die wichtige Einhaltung der von ihr genannten Regeln, da der Hund sonst fast sicher erkranke, als unnötiges Angstgeschüre.
Die Autorin schreibt in ihrem Buch immer wieder von den vielen Todesfällen bei Hunden mit 7 Jahren oder älter, was sie scheinbar überwiegend von der maßlosen Fütterung von Fleisch abhängig macht und den überwiegend unfähigen Rohfütterern zuschreibt.
Frau Behling empfinde ich in diesem Punkt nicht viel besser, als die von ihr selbst kritisierten Tierärzte oder die Futtermittelindustrie, die einem weiß machen wollen, dass man sein Tier nicht alleine ernähren kann.
Sicher gibt es in allen Bereichen des Lebens die "Hardliner" und die "Normalos", die entweder keine oder aber auch andere Meinungen und abgeänderte Fütterungsmöglichkeiten zulassen.
Aber dass man alle oder fast alle Rohfütterer, die eben mit viel Fleisch und auch Knochen füttern, quasi als unfähig oder verantwortungslos hinstellt, ist nicht in Ordnung. Es gibt inzwischen etliche Züchter oder auch Hundehalter, die über viele, viele Jahre bereits roh füttern, deren Hunde absolut gesund sind und keinerlei Krankheiten durch diese Ernährungsweise erfahren haben.
Ich weiß - wie eine andere Vorrednerin auch - von keiner Studie, die diese Todesfälle in Zusammenhang bringt mit dem Rohfüttern. Nierenerkrankungen entstehen eben unter anderem auch sehr häufig aufgrund der Fütterung von Trockenfutter, da hier viel zu wenig Wasser enthalten ist und kaum ein Hund den notwendigen Wasserbedarf über seine Wasserzufuhr aus dem Napf zu sich nimmt. Und Trockenfutter ist immer noch das, was die überwiegende Zahl der Hundehalter ihren Hunden zu fressen gibt.
Bei den Aufzählungen von geeignetem Obst und Gemüse erfährt man nichts, was in anderen Büchern nicht auch schon beschrieben wurde. Allerdings weist Frau Behling hier speziell auf Basen- und Säurebildner hin oder auch auf den enthaltenen Puringehalt in diesen Produkten.
Wer offen ist für eine andere Sichtweise oder Hunde mit der Purinproblematik hat, für den mag dieses Buch geeignet sein.