Wahrscheinlich ist es keine gute Idee, Musiker zu werden, wenn man John Lennons Sohn ist. Aber schon mit seinem Debüt hat Sean Lennon gezeigt, dass er durchaus mit der Bürde leben kann. Danach hat er mit seiner Freundin Yuka Honda an verdrehtem Crossover-Japan-Pop gearbeitet - auch ein Weg, nicht mit seinem Vater verglichen zu werden.
Mit "Friendly Fire" wildert er nun im Pool der eigenen Gene, und gerade deshalb ist das Ergebnis erstaunlich. Durch alle Stücke weht eine sentimentale Moll-Traurigkeit, die vor allem von der melancholischen Stimme und den raffinierten Melodiebögen ausgeht.
Schon das erste Stück "Dead Meat" ist eine wunderbar intensive Pop-Hymne. Geigen und Flöten schaffen eine schwebende 70er-Psychedelia, und darüber erzählt die verträumte Stimme mit dem seltsamen Timbre traurige Geschichten. Spätestens nach dem Refrain wird dieser Song Dauergast im Ohr. Doch auch der Rest des Albums hält dieses hohe Niveau.
"Wait For Me" hat klassisches Songwriter-Format, "Parachute" fesselt mit delikaten Gitarren, und am Ende schafft er mit "Falling Out Of Love" sogar noch die große Piano-Ballade mit Cello und allem drum und dran.
Was hier zu Gehör gebracht wird mag nicht unbeding neu oder innovativ sein, aber die Qualität der Songs, die glasklare Produktion und die zurückhaltende atmosphärische Instrumenierung mit viel Liebe zum Detail bringen das grandiose Songwriting zum Strahlen.
Das man an mehreren Ecken an David Bowie, Elton John und Paul McCartney denkt ist wahrlich kein schlechtes Zeichen, und wer, wenn nicht dieser Künstler darf es sich erlauben, ein wenig nach Beatles zu klingen. Ein großes Album, das es mit seinen großen Vorbildern aufnehmen kann.