Was hier in diesem Prachtband vom Taschen-Verlag zum 200. Todestag von Friedrich von Schiller herausgebracht wird, ist ein Beweis dafür, wie dieser deutscheste aller deutschen Dichter bereits 1859 zu seinem 100. Geburtstag gefeiert wurde.
Denn die vorliegende Ausgabe ist ein Nachdruck eines der ersten "Coffeetable Books" mit Fotografien und Holzschnitten, für das damals erstmalig Fotografien von Gemälden genutzt wurden.
Und umso mehr staunt man beim Blättern (und belustigt sich) über die damalige Widmung, die der Verlag "Seiner Königlichen Hoheit" und "dem durchlauchtigsten Großherzog" Sowieso zuspricht, und dann kommt doch tatsächlich "etc. etc. etc.", will sagen, daß sodann noch mancher Titel dazukäme, wenn man nur alle aufzählen würde. Wie lustig!
Doch nun zum großartigen Band selbst.
Schillers Gedichte werden in drei Perioden eingeteilt und somit ist es möglich, alle Texte auch anhand eines Verzeichnisses leicht zu finden.
Köstlich dann die einzelnen Seiten, wo die Anfangsbuchstaben der einzelnen Gedichte jeweils als kunstvolle Verzierung schmückend ins Auge stechen und - natürlich - die "Photographieen" der Zeichner Böcklen, Kirchner, E. Piloty, F. Piloty, Ramberg, Schwindt etc. etc. (!) an vielen passenden Stellen.
"Freiheit, schöner Götterfunken..." benennt sich dann der grandiose Nachtrag von Stephan Füssel zur Prachtausgabe von 1859 mit zum Teil sehr schönen Zwischentiteln wie "Das Publikum wünscht Prachtausgaben" etc. etc.
So bekommt man wirklich einen guten Überblick über alle Gedichte dieses großen Poeten, der Deutscher war und Weltbürger, der die Freiheit liebte und Gedichte verfasste, die gewaltigen Bauten gleichen, Türmen zuweilen, die zum Himmel streben, wahren Tempeln des freien Geistes also.
Und diesen Geist wünschte er unter die Menschen zu bringen, darüber rang er mit Goethe und mit Kant, wobei er zuweilen, wie Briefe bezeugen, verzagte und fast seherisch bemängelte, daß, wenn der Charakter der Menschen nicht gefestigt werden könne (etwa durch Bildung!), dann, ja dann käme es natürlich nur schwer zu einem Staatsgebilde, in dem soetwas wie Harmonie auch nur andeutungsweise zustande käme.
Und da stehen wir also heute, bewundern seine Kraft und seine dem kant`schen Vorbild huldigende Auffassung und können nur den Kopf darüber schütteln, daß vorrangig hauptsächlich seinem Heldenmut gehuldigt wird, wie es irgendwo in dem "Lied an die Freude" heißt: "freudig wie ein Held zum Siegen". Doch wäre Harmonie nicht mehr als bloß irgend ein Sieg?