"Un prince est le premier serviteur et le premier magistrat de l'Etat."
(Friedrich II.)
Alle bisherigen Rezensionen beziehen sich - wie auch die Produktbeschreibungen - auf die bereits im März 2005 erschienene, 620seitige Biographie "
Friedrich der Grosse: Der König und seine Zeit", bzw. auf die Neuauflagen von 2009 (Taschenbuch) und 2011. Die Biographie von Prof. emer. Dr. Johannes Kunisch ist mittlerweile zu einem Standardwerk geworden. Daneben wurde von der ausgewiesenen Koryphäe für die Themata Absolutismus in Deutschland, die (Militär)Geschichte Preußens und das Leben und Wirken Friedrichs II., im Oktober 2008 die Essaysammlung "
Friedrich der Große in seiner Zeit: Fünf Essays" herausgegeben.
Rechtzeitig zur 300jährigen Wiederkehr des Todestages von Friedrich "dem Großen" am 24. Januar 2012 hat Kunisch nunmehr in der Reihe C.H. Beck Wissen eine konzentrierte Kurzbeschreibung des Preußenkönigs und seiner Zeit vorgelegt. Nachdem er in seinem Vorwort auf die Fülle der umfangreichen, kaum noch zu überschauenden Spezialliteratur über die schillernde, jedoch in vielen Bereichen auch widersprüchliche Gestalt des Monarchen hingewiesen hat, definiert er nennt er den Mittelpunkt seiner erneuten Annäherung an dieses Thema: Der militärische Zugriff auf Schlesien zu Beginn seiner Regierungszeit sollte die gesamte Lebensgeschichte des Königs prägen.
In neun Kapiteln auf knapp 106 Seiten beschreibt Kunisch neben dem ambivalenten Charakter Friedrichs II. auch des persönliche Lebensstationen und die Epoche des Ancien Régime. Hierbei wird deutlich, dass der Genius unter den brandenburgisch-preußischen Herrschern zugleich auch zur Inkarnation all dessen wurde, was an Preußen fragwürdig, unheilvoll und geradezu dämonisch erscheint. Demgegenüber erinnert der Autor auch daran, dass Friedrich ein Herrscher und Mensch seiner Zeit (Absolutismus) war, gleichzeitig jedoch in Bereichen wie der Rechtsprechung und Staatsauffassung aus heutiger Sicht geradezu modern erscheint.
Die Strenge seines Vaters Friedrich Wilhelm I., des sogenannten "Soldatenkönigs", Friedrichs Fluchtversuch nach England, seine künstlerischen und philosophischen Betätigungen kommen ebenso zur Sprache, wie seine religiöse Toleranz die Reform des Verwaltungs- und Justizwesens, die ihn sein ganzen Leben lang beschäftigte. Trotz allen seinem Ambitionen auf den Gebieten der schönen Künste bezeichnet Kunisch Friedrich II. als versierten und wissbegierigen Dilettanten (Seite 52), der aufgrund seinem an Borniertheit grenzenden Eigensinn von der Morgenröte der deutschen Poesie keine Notiz nahm (S. 104 ff.). Seinen Militärapparat dirigierte er selbst als roi connétable. Mit seinem zeitgemäßen, rücksichtslosen Zugriff auf Schlesien und drei nachfolgenden Kriegen (für die er von Voltaire kritisiert wurde) machte Friedrich (=Friedensfürst, als der er sich selbst gerne sah!) Preußen zur fünften Großmacht Europas. Gleichzeitig legte der mit Vorliebe französisch parlierende Monarch, dem nichts an einer deutschen Nation gelegen war, als "Gegenkaiser" den Grundstein für den "Deutschen Dualismus", der schließlich 200 Jahre später in die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts münden sollte...
Neben neun Abbildungen, werden abschließend noch eine Bibliographie, eine Zeittafel und ein Personenregister geboten. Eine Stammtafel der Hohenzollern weist Herzog Friedrich II. fälschlicherweise als König Friedrich I. von Preussen aus, obwohl er sich aufgrund diplomatischer Rücksichtnahme auf den König von Polen, dem ebenfalls preußische Gebiete unterstanden, lediglich König in Preussen nennen durfte. Leider fehlt eine historische Karte, mit der die polnischen Teilungen und andere "Gebietsgewinne" hätten visualisiert werden können.
Trotz den geschilderten Unzulänglichkeiten ist der Band "Friedrich der Große" eine gelungene Kurzfassung, die zum Einstieg in das Thema sehr zu empfehlen, und mit 5 Amazonsternen zu bewerten ist.