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Friedrich Nietzsche in seinen Werken
  
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Friedrich Nietzsche in seinen Werken [Gebundene Ausgabe]

Lou Andreas-Salomé , Lou Andreas- Salomé , Ernst Pfeiffer
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 359 Seiten
  • Verlag: Insel, Frankfurt (1994)
  • ISBN-10: 3458166637
  • ISBN-13: 978-3458166634
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Lou Andreas-Salomé
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Lou über Friedrich

lx. Einundzwanzig Jahre alt war Lou von Salomé, als sie im April 1882 dem um siebzehn Jahre älteren Friedrich Nietzsche begegnete. Zwölf Jahre später – sie hat inzwischen den Orientalisten Friedrich Carl von Andreas geheiratet und steht am Anfang einer Karriere als Schriftstellerin – wird ihr erstes Buch erscheinen. Es trägt den Titel «Friedrich Nietzsche in seinen Werken». Lou Andreas-Salomé sieht sich darin selbst als eine der ersten, die die «Verborgenheit» der Gedanken Nietzsches aus den «verrätherischen Worten» herauslesen können; sie will den Denker, der «nur für sich dachte», durch den Menschen Nietzsche erläutern und ihm so einen Resonanzraum in der Welt verschaffen. Dass sie dies immerhin etliche Jahre vor dem Ecce homo , also vor Nietzsches Selbstdarstellung, tut, verleiht dem Text seinen besonderen Reiz. Die im Insel-Verlag veranstaltete Neuerscheinung von Lou Andreas-Salomés Nietzsche-Buch verfügt über einen Anhang, der jene philologischen Rückverweise enthält, die zu geben die Autorin mehr als hundert Jahre zuvor noch nicht für nötig erachtete. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nietzsche ganz nah 18. August 2003
Von Dichtung&Kritik TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Von wem könnte man mehr Persönliches, mehr Nahes und Vertrautes über einen Mann erfahren als von der Frau, die er geliebt hat? Natürlich ist Lou Salomés Nietzsche-Bild kein objektiv-archivierendes. Vielmehr zeichnet sie Nietzsche so, wie sie ihn kennenlernen durfte. Berichtet von Momenten, die sie gemeinsam erlebten, wie sich daraus der Mensch Nietzsche für sie eröffnete und seine Gedanken. Ein wundervolles Buch, das nicht nur historisch und philosophisch interessant ist und einen tiefen Einblick in Nietzsches Denken und die Entwicklung seiner Denkwege gibt, sondern das auch zum Schmunzeln anregt und dazu, sich mit Nietzsche ab und zu auf eine Augenhöhe zu begeben und ihn anzusehen, wie Lou ihn ansah. Tiefe Philosophie und warmherzig-einfühlsame Menschenkenntnis - Lou Salomés Buch führt den Leser direkt in Nietzsches Welt und Gedanken ein; näher bin ich ihm durch kein anderes Buch gekommen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schwierige Kost... 16. November 2008
Von Shaun TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Lou Andreas-Salomé war nicht nur eine der ersten Freud-Schülerinnen, sie hat auch interessante Bücher aus intensiver Begegnung mit Dichtern wie Rilke oder Philosophen wie Nietzsche geschrieben.
Letzteren lernte sie im April 1882 im Alter von 21 Jahren in Rom kennen, der Philosoph war da 38 Jahre alt und verliebte sich im folgenden Sommer so sehr in die sehr kluge junge Frau, dass er ihr gar einen Heiratsantrag machte, ähnlich wie auch Paul Ree, der Freund Nietzsches. Kurze Zeit waren die drei eine verschworene Gemeinschaft, bis sie sich völlig überwarfen. Nietzsche fühlte sich aber von der Salomé sehr in seinen philosophischen Ansichten verstanden, umgekehrt hatte die junge Russin an ihm einen klaren Geist, der sie in der Kunst der Aphorismen-Dichtung unterrichtete.
12 Jahre später, 1894, veröffentlichte die intime Kennerin der Schriften des 6 Jahre später umnachtet versterbenden Nietzsche mit 33 Jahren dieses Buch über das Lebenswerk des einzelgängerischen und von heftiger chronischer Migräne schmerzgeplagten Philosophen. Lobenswert ist eine sehr detaillierte Kenntnis des Gesamtwerks und der Versuch, darin den roten Faden seiner Gedankenwelt in ihren Wandlungen über auch biografische Abschnitte zu begründen. Aber das Werk der Salomé ist anstrengend zu lesen, da es bei engen 300 Seiten nur die 3 Abschnitte enthält "Sein Wesen", "Seine Wandlungen" und "Das System Nietzsche". Der Leser hat wenig Chance zum Aufatmen, das macht die Lektüre schwierig. - Immerhin ist das Buch als Einführung in das Werk Nietzsches ganz gut, zumal geschrieben von einer Frau, die diesen schwierigen Menschen aus nächster Nähe kennengelernt hatte. (16.11.08)
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Sich Nietzsche zu nähern ist nicht frei von Ressentiments und Vorurteilen. Zu sehr polarisiert und polemisiert der große Denker, zu oft wird in ihm der Radikalaufklärer und der radikale Gegenaufklärer in einer Person gesehen. Aber eine Kontaktaufnahme erweist sich als unglaublich spannendes Ereignis, egal aus welcher Richtung man kommt.

Nietzsches Werke zeigen den Entwicklungsweg, den dieser bedeutende Philosoph der Neuzeit gegangen ist: seine Einflüsse und Beeinflussungen, seine unterschiedlichen Gesichter. Es gelingt allerdings nie gänzlich aus diesen Gesichtszügen zu lesen, wandelte er sich doch im Laufe seines Lebens und Schreibens unaufhörlich. Kein Denker liebte es wie er, zu experimentieren, sich selbst zu widersprechen, zu spielen. In einem Brief an Carl Fuchs (1888) gibt er höchsteigen einen Ratschlag, wie man ihn lesen sollte: 'Es ist durchaus nicht nötig, nicht einmal erwünscht, Partei dabei für mich zu nehmen: im Gegenteil, eine Dosis Neugierde, wie vor einem fremden Gewächs, mit einem ironischen Widerstande, schiene mir eine unvergleichlich intelligentere Stellung zu mir."

Nietzsche richtig einzuordnen und auch zu verstehen, gelingt wahrscheinlich nur im biografischen Kontext, obwohl auch dieser beeinflussend und gedanken(um)bildend sein kann. Allerdings gibt es eine Frau, die dem "Übermenschen", dem "Hochgebirgsdenker" so nah wie niemand zuvor gekommen war. Lou Andreas-Salomé avancierte zu seiner "Glaubensgenossin", seinem "Geschwistergehirn", einer "Inkarnation seines Übermenschenideals". Sie scheint Nietzsches "personifizierte Philosophie" zu sein.

1894 schrieb sie das vorliegende Werk. In drei große Kapitel hat die Autorin ihre Abhandlung gegliedert (Sein Wesen, Seine Wandlungen, Das "System" Nietzsche), und können als eine der besten und fundiertesten biografischen Nietzsche-Werksanalysen angesehen werden. Biografisch dahingehend, dass das Buch keine - wie es der Titel vermuten lässt - reine Werksauslegung darstellt, sondern "dass die persönliche Beziehung der Verfasserin zu Nietzsche und die Beigabe verschiedenartiger Dokumente wie auch einzelner Stellen von Briefen Nietzsches an sie und Paul Rée gleichfalls nur dem Ziel dienen solle: den Entwicklungs- und Erkenntnisweg Nietzsches, der gleichsam in den Werken verborgen ist, sichtbar zu machen.", schreibt Ernst Pfeiffer in seinem Vorwort.

Lou Andreas-Salomé erkennt als eine der ersten, dass der Wert seiner Gedanken nicht in ihrer theoretischen Originalität liegt, "nicht in dem, was dialektisch begründet oder widerlegt werden kann, sondern durchaus in der intimen Gewalt, mit welcher hier eine Persönlichkeit zur Persönlichkeit redet, - in dem, was nach seinem eigenen Ausdruck wohl zu widerlegen, aber doch nicht 'todtzumachen' ist." Ihr gelingt es auf unnachahmliche Art und Weise Nietzsches Einsamkeit herauszuarbeiten, aus welcher sein "Innenleben ganz herausbegriffen werden muss, - einer sich stetig steigernden Selbstvereinsamung und Selbstbeziehung auf sich selbst." Sie erkennt, ja fühlt, das Verallgemeinernde der Seele Nietzsches zu einer Weltseele. "Aber deshalb ist es eben der Mensch und nicht der Theoretiker, auf den wir unsern Blick richten müssen, um uns in den Werken Nietzsches zurechtzufinden, - und deshalb wird auch der Gewinn, das Resultat unserer Betrachtung nicht darin bestehen, dass uns ein neues theoretisches Weltbild in seiner Wahrheit aufgeht, sondern das Bild einer Menschenseele in ihrer Zusammensetzung von Größe und Krankhaftigkeit."

"Es gibt zwei Arten des Genies: eins, welches vor allem zeugt und zeugen will, und ein andres, welches sich gern befruchten lässt und gebiert.", schreibt Nietzsche in "Jenseits von Gut und Böse". Der Philosoph gehörte zweifellos der letzteren Art an. Er war eine "männliche Mutter." Zudem wurde er durch seine angeschlagene Gesundheit genötigt, "sich selbst zum Stoff seiner Gedanken zu nehmen, sein eigenes Ich seinem philosophischen Weltbilde unterzulegen und dieses aus dem eignen Innern herauszuspinnen. Vielleicht hätte er im andern Falle etwas so ganz Eigenartiges, - und daher so ganz Einzigartiges, nicht geleistet." Zudem bezeichnet Lou Andreas-Salomé die ganze Geistesart Nietzsches als eine "in sich selbst zurücklaufende, niemals stillstehende Bewegung". Wie wahr: Steht doch gerade der Kreis wie ein wundersames Symbol und Geheimzeichen über der Eingangspforte zu seinen Werken.

So wie das Buch in drei Kapitel unterteilt ist, kann auch Nietzsches eigene Entwicklung dreigeteilt werden. Sie beginnt mit der antiquarischen, die dem Philologen zukommt, lässt darauf die monumentale Auffassung folgen, "die ihn veranlasst, als Jünger zu Füßen großer Meister zu sitzen" und schließt mit seiner späteren positivistischen Periode als der Kritischen. "Betrachtet man seine Gedanken in ihrem Wechsel und ihrer Mannigfaltigkeit, dann erscheinen sie fast unübersehbar und allzu compliciert; versucht man hingegen aus ihnen herauszuschälen, was sich im Wechsel stets gleich bleibt, dann erstaunt man über die Einfachheit und Beständigkeit seiner Probleme.", stellt die Autorin fest.

Es ist keineswegs notwendig, Nietzsche in allen seinen Erklärungen und seinen bisweilen gewagten Geschichtsinterpretationen nachzugehen, da die eigentliche Bedeutsamkeit dieser Anschauung für seine Philosophie an einer anderen Stelle liegt, als wo man sie gemeinhin sucht. Nämlich: "Im Bedürfnis, Alles möglichst zu verallgemeinern und wissenschaftlich zu begründen, hat Nietzsche versucht, Etwas, dessen Bedeutung für ihn innerhalb eines verborgenen seelischen Problems lag, aus der Menschheitsgeschichte zu entwickeln und in sie hineinzulegen." Nietzsches kann und darf man sich nicht wissenschaftlich nähern.

Letztendlich lässt sich schlussfolgern, dass trotz aller Widersprüche, Irrtümer und Fehler in Nietzsches Philosophie, diese immer noch eine Fülle von Anregungen enthält, "die ihre allgemeine Bedeutung erhöht, selbst wo jene ihren wissenschaftlichen Wert verringern. (...) Nietzsches geniale Vielseitigkeit (...) erschließt neue Einblicke gerade in Gebiete, zu denen der Logik der Schlüssel fehlt, in denen diese sich gezwungen sieht, dem Wissen seine Lücken zu lassen."

Zur Einschätzung dieses großartigen Buches kann der deutsche Philosoph selbst herangezogen werden: "Um so mehr strengte ich mich an, durch das Buch hindurch zu sehen und mir den lebendigen Menschen vorzustellen, dessen großes Testament ich zu lesen hatte und der nur solche zu seinen Erben zu machen verhieß, welche mehr sein wollten und konnten als nur seine Leser: nämlich seine Söhne und Zöglinge." (aus "Schopenhauer als Erzieher")

"Und aus dem Überflusse heraus ist es schön hinaus zu blicken auf ferne Meere." (F. Nietzsche: Zweiter Teil. Also sprach Zarathustra)
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