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Friedrich Hölderlin. Eine Biographie
 
 
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Friedrich Hölderlin. Eine Biographie [Taschenbuch]

Pierre Bertaux
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 726 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag; Auflage: 1 (21. August 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458343520
  • ISBN-13: 978-3458343523
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 10,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 513.372 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ergreifend und umstritten 15. Oktober 2006
Format:Taschenbuch
Der französische Germanist Pierre Bertaux hat mit dieser umfangreichen Studie, die das Resultat einer rund 50jährigen Beschäftigung mit Hölderlin darstellt, weniger eine Biografie des Dichters in eigentlichen Sinne vorgelegt als vielmehr den Versuch unternommen, die landläufige Ansicht ins Wanken zu bringen, er sei psychisch erkrankt bzw. wahnsinnig geworden und habe die zweite Hälfte seines Lebens in geistiger Umnachtung zugebracht. Auch Bertaux räumt ein, dass Hölderlin nicht "normal" war, sieht in ihm jedoch eher den begnadeten Künstler, der an mitunter banalen Widrigkeiten in der realen Welt scheiterte und schließlich, als er sich von seiner Umwelt weniger verstanden als verfolgt fühlte, den Kontakt mit ihr abbrach und sich in eine eigene Welt zurückzog, wo er das für ihn Wesentliche bewahren konnte.

Die kenntnisreiche und detailfreudige Studie hat drei Hauptteile.

Im ersten Anlauf präsentiert und kommentiert Bertaux zeitgenössische Dokumente, die über Hölderlins Krankheitsgeschichte Zeugnis geben. Im zweiten Teil unternimmt er einen eigenen Versuch, Hölderlins Biografie und Werk unter verschiedenen Aspekten psychologisch zu deuten, bevor er im letzten Hauptabschnitt auf die entscheidenden äußeren Umstände und "Schicksalsschläge" zu sprechen kommt, die sein Leben bestimmt haben.

Zwei Frauen spielen eine zentrale Rolle: die Mutter des Dichters, die ihn sein Leben lang zu bevormunden versuchte, und Susette Gontard, seine große Liebe, die die Gestalt der Diotima in seiner Dichtung geprägt hat.

Für Bertaux ist es kein Zufall, dass ihr frühzeitiger Tod im Jahr 1802 mit dem manifest Werden von Hölderlins Anomalie zusammen fällt.

Als das Buch 1978 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, hat es heftige Reaktionen ausgelöst, nicht nur unter Germanisten. Gerade Psychologen warfen Bertaux vor, dass er selbst ein sehr traditionelles und längst nicht mehr zeitgemäßes Bild von Psychiatrie und psychischen Erkrankungen habe. Es gibt Zweifel an der Objektivität der Darstellung und sicher gibt es auch einige Bereiche, wo Bertaux mehr spekuliert als beweist - aber rein gefühlsmäßig wird man beim Lesen doch stark ergriffen von dieser rückhaltlosen Parteinahme für einen der bedeutendsten deutschen Dichter und der mehr oder weniger deutlichen Abrechnung mit allen Kleingeistern und Krämerseelen, die ihn nicht verstanden, in seiner Entfaltung behindert und um sein wahres Leben betrogen haben.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Die Hölderlin Biografie von Pierre Bertaux ist und bleibt der Klassiker schlechthin für alle, die von einer Biografie mehr erwarten als die Auseinandersetzung mit dem dichterischen Werk und einem tabellarischen Lebensablauf. Bertaux geling es in unnachahmlicher Weise, Ereignisse und ihre Wirkungen miteinander zu verknüpfen und daraus nachvollziehbarer Rückschlüsse und Festlegungen abzuleiten. Das geschieht in einer unglaublichen wie auch sorgfältig tiefen Recherche, die einem erfolgreichen Kriminalisten zur höchsten Ehre und Anerkennung gereichen würde. Fast 700 Textseiten, dazu ein umfängliches Register von Anmerkungen und Namen, geleiten den geneigten Leser durch spannende Lebensjahrzehnte, ohne zu ermüden. Spannung pur, dramatische Geschehnisse und Epochen sowie eine tragische Liebesgeschichte, die ihresgleichen sucht. Überzeugend gelangt Bertaux zu dem Ergebnis " Hölderlin war anders, aber nicht geisteskrank!"

Bernhard Hollenbeck
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
"Im Namen Hölderlins!", mit diesem Bekenntnis beginnt und endet die ebenso leidenschaftliche wie intelligente, von Pierre Bertaux verfasste Biografie Hölderlins. Bertaux klopft jedes historische Dokument ab, mit geradezu kriminalistischer Akribie. So geht er etwa einem Waiblinger nicht auf den Leim, dem ersten "Biografen" Hölderlins. Wilhelm Waiblinger, der Hölderlin mehrmals in Tübingen heimsucht, ihn auch zu Spaziergängen und in ein von ihm gemietetes Gartenhaus einlädt - freilich nicht ohne eigennützige Hintergedanken. Waiblinger will einen Roman über einen wahnsinnigen Künstler schreiben, Hölderlin soll ihm hierfür als Vorlage dienen. Das Vorgehen und die Schilderungen Waiblingers von Hölderlins vermeintlichem geistigen Zustand haben freilich etwas von einem "Bild"-Reporter. Waiblinger behauptet zum Beispiel, Hölderlin habe keinen Gedanken mehr entwickeln können. Dies wird von Bertaux auf eindrucksvolle Weise widerlegt. Hölderlin war mitnichten ein Umnachteter! Wie, so frage ich, wären Gedichte wie "Wenn aus der Ferne ..." und "Das fröhliche Leben" sonst möglich? Beide sind so genannte Turmgedichte oder späteste Gedichte, die während Hölderlins zweiter Lebenshälfte (1806-1843) - der "umnachteten" - entstanden. "Umnachtet" ist hierbei ein von diversen Biografen und Germanistik-Professoren gebrauchtes Synonym für "schwachsinnig", "geisteskrank".
Der Großteil der anderen überlieferten Turmgedichte (50) sind Improvisationen nach dem Baukastenprinzip, die meist von den Jahreszeiten handeln, Reimpaare wie Himmel/Gewimmel und meiste/Geiste haben - schnell hingeworfene Verse, mit denen Hölderlin ihm mehr oder minder lästige Besucher abspeiste, die ihn als Kuriosität zu besichtigen kamen.

Höchst aufschlussreich sind auch die Gründe, die Bertaux für jene Reaktion Hölderlins nennt, die - nach Meinung anderer Biografen und Experten - angeblich den ersten Ausbruch seiner "Krankheit" markieren würde, nämlich als er 1802 von Bordeaux (und Frankfurt und Stuttgart) zurückkehrt und Mutter und Schwester aus dem Haus jagt. Nach Hölderlins Grenzübertritt Straßbourg/Kehl vergehen ein paar Wochen bis er in Nürtingen bei der Mutter eintrifft. Mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit war Hölderlin während dieser Zeit in Frankfurt, um seine große Liebe, Susette Gontard, seine Diotima, noch einmal zu sehen. Ob er zu der Todkranken vorgelassen wurde, kann weder belegt noch ausgeschlossen werden.
Sein Reisekoffer aber, der auch die Briefe Susettes, in einem verschlossenen Behälter, enthielt, war bereits vor seiner Ankunft in Nürtingen mit der Post eingetroffen. Die Mutter brach den Behälter auf, las die Briefe und machte Hölderlin gewiss die bittersten Vorwürfe, weil er ein Verhältnis mit einer Verheirateten gehabt habe. Dies alles vorausgesetzt, verwundert es freilich nicht, dass Hölderlin, zumal Choleriker, ausrastete.

Pierre Bertaux schreibt, dass Hölderlin vor allem infolge der Traumata während des zweiten Homburger Aufenthalts (1804-1806), der monatelang drohenden Verhaftung und lebenslangen Einkerkerung auf dem Hohenasperg (wie Jahrzehnte zuvor der Schriftsteller Schubart), sowie seines gewaltsamen Abtransports nach Tübingen und den Misshandlungen während der 231-tägigen Zwangsbehandlung im Krankenhaus, der von Autenrieth geleiteten Klapse - dass Hölderlin danach ein zum psychischen Krüppel Geschlagener war. Einer, der sich in sich zurückzog, mit der Außenwelt nicht mehr oder kaum noch kommunizierte. Keinesfalls aber war Hölderlin ein Umnachteter, Schwachsinniger!

Die stringenten und scharfsinnigen Argumentationen Bertauxs sind eine spannende und sprachlich angenehme Lektüre - und eine Genugtuung.
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