Der kürzlich verstorbene von Krockow bewies mit dem vorliegenden Essay einmal mehr, dass er es verstand, unterhaltsame und packende Biographien in aller Kürze zu verfassen. In fünf Kapiteln zeichnet der Autor ein Lebensbild des 'alten Fritz', welches den widersprüchlichen Charakter des Preussenkönigs sichtbar werden lässt: Die Erziehung, die sein Vater Friedrich Willhelm I., der Soldatenkönig, ihm zukommen ließ, würden wir wohl heute mit gutem Grund als 'Psychoterror' bezeichnen. Doch hatte der 'Philosoph auf dem Thron' überhaupt eine andere Möglichkeit, das von seinem Vater gegründete preussische Königtum zu erhalten, als sich - sehr zum Leidwesen seines Vaters - der Aufklärung zu verschreiben, und jeden nach 'seiner Fasson' glücklich werden zu lassen? Da sich das 'künstliche' Preussen nicht auf die Tradition berufen konnte, blieben nur die Vernunft und die erklärte Hingabe an das zukunftsorientierte Leistungsprinzip als Herrschaftslegitimation. Geschadet hat es dem jungen Staat keineswegs, bspw. Glaubensflüchtlinge aus ganz Europa aufzunehmen, im Gegenteil. Sie trugen wesentlich dazu bei, Preussen zu einem der modernsten Staatswesen Europas zu machen. So hat die Politik Friedrichs, der gegen die Machttheorie Machiavellis einen Antimachiavel verfasste, gleichsam eine sehr pragmatische Note. Das vierte Kapitel "Aufklärung und Einsamkeit" beschreibt diesen Zusammenhang und mündet in einen Ausblick auf das friderizianische Erbe in Deutschland. Hier findet sich eine glänzende Abhandlung über die Kontinuitäten von Friedrich bis Hitler und schließlich zur Bundesrepublik. Auffallend hierbei sind Krockows Zweifel an der einfachen Rechnung, dass der preussische Militarismus als soziologische Keimzelle des Hitlerfaschismus fungiert habe. Er betont vielmehr in Anlehnung an Max Weber die Rolle des preussichen Beamtentums und den obrigkeitsgläubigen Populismus, für den die Deutschen so empfänglich sind. Mit Friedrich beginnt die Aufklärung 'von oben'. Indem der Staat es immer wieder versteht, fortschrittliche Impulse herrschaftswirksam zu kompensieren, verhindert er eine wirksame Parlamentarisierung und konserviert die aristokratische Gesellschaft bis 1918. Das Odem des Versagens überschattet die erste deutsche Demokratie der Weimarer Republik und mündet in das Verlangen nach Führung und tatkräftiger Handlungsfähigkeit. Die Folgen sind bekannt.