In der Reihe „Gestalten des Mittelalters und der Renaissance", herausgegeben von Peter Herde, erscheint die Biographie „Friedrich Barbarossa" von Ferdinand Opll. Die zweite unveränderte Auflage wurde 1994 von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt verlegt. Ferdinand Opll, Direktor des Wiener Stadt- und Landesarchivs und Dozent für mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien, befasst sich in besonderer Weise mit Fragen der vergleichenden Städtegeschichte der mittelalterlichen Epoche sowie der Geschichte Wiens im Besonderen.
Einzigartig für Biographien, verbindet Opll die Gegebenheiten der behandelten Epoche mit der Herrscherbiographie Barbarossas. Im ersten Abschnitt widmet er sich auf klassische Weise der traditionellen chronologischen Biographie, der er im zweiten Abschnitt des Buches die Gegebenheiten der Epoche zur Seite stellt, indem er diese strukturell analysiert und damit für den Leser erhellt.
Flüssig lesbar und ungehindert von fachlichen Termini präsentiert Opll im ersten Großabschnitt das „Leben und Wirken Friedrich Barbarossas". Im ersten der insgesamt acht Unterkapitel versucht Opll nach eigenen Worten, „die Herkunft und die Fragen der Persönlichkeitsstruktur, des Wesens und Charakters Friedrich Barbarossas eingehender zu beleuchten." Mit dieser Basis an Informationen begleitet der Leser Opll chronologisch durch das Leben Friedrich Barbarossas. Die verschiedenen politischen Etappen der Herrschaftszeit Barbarossas sind die Eckdaten und Wegweiser der folgenden sieben Unterkapitel. Jeder dieser Unterkapitel wird von einem Zeitabschnitt gerahmt und schmiegt sich nahtlos an den Zeitabschnitt des nächsten Kapitels an. Mit der Königswahl Barbarossas 1152, beginnt das Kapitel 1.2., was dem zweiten Kapitel des ersten Großabschnitts entspricht und wird mit „Konsolidierung und neue Probleme (1152-1158)" überschrieben. Nach 170 Seiten und nach der Schilderung des Todes von Friedrich Barbarossa endet die Herrscherbiographie mit dem Kapitel „Der Höhepunkt der Weltgeltung der staufischen Macht (1186-1190)" und damit der erste Abschnitt des Buches.
Im zweiten Abschnitt: „Strukturelle Zusammenhänge", beschreibt Opll die grundlegenden strukturellen Gegebenheiten und Verhältnisse, mit denen der Herrscher konfrontiert war. Seine Absicht ist es, damit ein komplexeres, besseres Verständnis der Persönlichkeit Friedrich I. und seiner Zeit zu ermöglichen, da die klassische Biographie das nur in einem eingeschränkten Maße zu bieten vermag. Opll scheut weder Reminiszenzen noch Wideranknüpfungen an davor geschriebenen, um die Teilelemente der gesamten Darstellung miteinander zu verklammern und schafft somit ein einheitliches Bild des Ganzen. In Kapitel II. einleitend, gibt Opll einen Überblick über die Verhältnisse des italienischen und des burgundischen Reichsteiles, da nach seinen Worten „[...]die frühstaufische Epoche ganz nachhaltig von der besonders engen Verbindung zwischen allen Teilen des Imperiums geprägt [ist] ." In den drei folgenden Kapiteln betrachtet er die drei gesellschaftlichen Säulen, mit denen die kaiserliche Politik zu tun hatte, die Geistlichkeit, die Fürsten, der Adel und die Ministerialität sowie das Städtewesen. Dem großen Rahmen der Epoche Barbarossas ist das letzte Kapitel über „die Stellung des Imperiums in der Christenheit" gewidmet.
In der Schlussbetrachtung stellt Opll das Nachleben Barbarossas, sowie seine historische Größe dar. Zahlreiche Abbildungen schaffen Lebendigkeit und Nähe zum gelesenen Stoff, in umfangreichen Fußnoten werden Vergleiche und weitere Ausführungen des Inhaltes Angeboten. Dem Verzeichnis der Quellen und der Literatur folgen das alphabetisch geordnete Namenregister und das Abbildungsverzeichnis. Die Informationsgrundlagen der Biographie klärt Opll im eigens, dem Hauptabschnitten des Buches vorangestellten Kapitel: „Die Grundlagen unseres Wissens" detailliert in 14 Seiten und fasst diese gleichzeitig als Einleitung zusammen.
Die Persönlichkeit des ersten Kaisers aus staufischen Hause, Friedrich Barbarossas, hat seit jeher ein breites Interesse gefunden, auch aus der Sicht wissenschaftlicher Darstellungen. Aus diesem Grunde richten sich Oplls Aufzeichnungen sowohl an das Fachpublikum, als auch an das breite interessierte Publikum, da dieses durch die leichte Lesbarkeit der Biographie, sowie dem umfangreichen Informationsspektrum gut bedient sein wird.
In dem knapp 350 Seiten umfassenden Hardcoverbuch „Friedrich Barbarossa" ist das Vorhaben Ferdinat Oplls gelungen, eine Aufzeichnung anzubieten, die über die traditionelle Biographie hinaus, mit einem vertiefenden Einblick in die Epoche Barbarossas dient. Die Schwerpunkte des ersten Teils, der eigentlichen chronologischen Biographie, liegen in den politischen Etappen Barbarossas und sind der geschickte akrobatische Akt eines Spagats zwischen der Persönlichkeit Barbarossas und den politischen Gegebenheiten dieser Zeit. Die Sicherheit bilden die wie ein Netz gespannten Bezüge zwischen den gesellschaftlichen Säulen und Barbarossa. Opll überzeugt mit der Nachvollziehbarkeit und Plausibilität der Zweiteilung und Lesbarkeit seiner Darstellung. Doch was als Herrscherbiografie hervorragend ist, reicht als Epochendarstellung wenig aus. Geht das Leserinteresse über den legendären Herrscher hinaus, müssen weitere Bücher zu Rate gezogen werden. Zur Orientierung dienen dabei wiederum das Quellen- und Literaturverzeichnis und das umfangreiche Namensregister im Anhang der Biographie.
Andere Autoren nehmen das Leben Barbarossas zur Hilfe, um mit ihm verschiedenen Aspekte des Mittelalters zu klären. So schreibt Knut Görich (2001) über die Ehre Friedrich Barbarossas oder Klaus Richter (1999) in „Friedrich Barbarossa hält Gericht" über die Konfliktbewältigung im 12. Jahrhundert. Auch diese themenspezifischen Bücher geben Informationen über Barbarossas Biographie und ein Beispiel dafür, dass man mit dem politischen und gesellschaftlichen Leben Barbarossas Fragen an die bestimmte Epoche beantworten kann. Andere Biographien Barbarossas lassen sich schwer mit der von Opll messen. Franco Cardini (1990) holt weit aus und beginnt die Biographie „Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes" im Jahr 800, bei Karl des Großen. Mit schnellen Schritten läuft Cardini durch die Geschichte, um nach 33 Seiten im Kapitel: „Ein junger Herr mit roten Haaren" das erste Mal über Friedrich von Schwaben zu schreiben. Weitere Floskeln als Kapitelüberschriften lassen den Leser mindestens über den Rahmen der Biographie im Dunkeln. Eine rettende Einleitung oder ein Vorwort sucht man vergebens. Einen allgemeinen und unkomplizierten Überblick über das Leben Barbarossas verschafft wiederum Eberhard Otto, mit seinen Aufzeichnungen „Friedrich Barbarossa". Diese Biographie stellt eingangs die Fragen: „Welches war das Erbe, welches die Aufgabe des deutschen Kaisertums in dem Augenblick, als Friedrich Barbarossa das Reich antrat? Welches Schicksal musste er mit der Krone auf sich nehmen?" Diese und weitere Fragen sind nach 165 Seiten beantwortet, inklusive des Personen-, Orts- und Sachregisters.
Als Fazit kann man Ferdinand Oplls „Friedrich Barbarossa" zum Standardwerk der Barbarossabiographien zählen.