"Er wird das Reich wie ein Fuchs an sich bringen, wie ein Löwe regieren und wie ein Hund sterben."
(Prophezeiung)
Das im September 2011 erschienene, stattliche Buch "Friedrich Barbarossa" ist die aktuellste in einer langen Reihe von Publikationen über die Person, das Leben und Zeitalter des Staufer-Kaisers Friedrich I., der zunächst von den Italienern als Barbarossa bezeichnet wurde. Der Autor der neuen, 782seitigen Biographie, Prof. Dr. Knut Görich arbeitet über die Ehre als Ordnungsvorstellung in staufischer Zeit (Honor Imperii) und hat bereits drei Bücher über die Ottonen und Staufer herausgebracht. Seine letzte Veröffentlichung "
Die Staufer: Herrscher und Reich", die in der Reihe "Ch. Beck Wissen" erschienen war, wurde von timediver® im Juli 2011 gelesen und unter der Überschrift "Crashkurs über Pfaffenkönige und den Antichristen" rezensiert.
In seinem Vorwort, das er originell-mehrdeutiger Weise als "Denkmalsenthüllung" tituliert, betont der Autor, das Friedrich I. erst aufgrund der politischen Sehnsüchte des frühen 19. Jahrhunderts zu einem nationalen Mythos aufsteigen konnte. Die Niederlage gegen Napoleon, die eigenmächtige Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation durch den Habsburger-Kaiser Franz II. und die unsägliche Zersplitterung der Deutschen Lande nährten die Hoffnungen nach einem geeinten Nationalstaat, wie er vielerorts in Europa bereits selbstverständlich geworden war. In diesem Szenario gewann die Legende vom schlafenden Barbarossa im Kyffhäuser, die erst im 16. Jahrhundert von Friedrich II. auf seinen Großvater bezogen worden war, erst richtig an Bedeutung. Als wiederkehrender Kaiser wurde er binnen weniger Jahrzehnte zum Symbol zur Restauration der alten Reichseinheit und -macht. Während Barbarossa von Gegner der Monarchie abgelehnt wurde, knüpften die preußischen Könige und Kaiser des zweiten deutschen Reiches diese Tradition auf, indem man beispielsweise Wilhelm I. als "Barbablanca" (Weißbart) bezeichnete und mit dem Kyffhäuserdenkmal oder mit zwei Reiterstandbildern vor der Goslarer Kaiserpfalz eine Kontinuität zwischen beiden Kaisern herzustellen versuchte. Den größten Missbrauch sollten der Beiname und das Geschlecht des Staufers jedoch im NS-Staat erfahren, als mörderische Angriffskriege gegen die Sowjetunion unter dem Decknamen "Fall Barbarossa" durchgeführt wurde und die neunte "9. SS-Panzer-Division" als "Hohenstaufen" bezeichnet wurde....
Knut Görich ist es in vierzehn Kapiteln gelungen, das Leben und Handeln von Friedrich I. Barbarossa konsequent zu historisieren, ohne dabei den unzähligen Versuchungen einer retrospektiver Geschichtsdeutung zu erliegen, die sich an anachronistischen Fluchtpunkten der Gegenwart orientiert. Die Deutung Friedrichs aus seiner feudalen Zeit heraus, ermöglicht es erst, seinen Habitus als Herzogssohn, der ihn für sein weiteres politisches Leben prägte, erkennen und verstehen zu können. Wie alle Adligen des Mittelalters stellte er seinen Rang und sein Ansehen über alles andere. Deshalb tat er Dinge, die nach heutigem Verständnis von Staatsräson und politischem Pragmatismus
als äußerst unvernünftig erscheinen. Die Erlangung von Königs- und Kaiserwürde, die ihn an die Spitze der mittelalterlichen Gesellschaft brachte, führte noch zu einer Verschärfung seiner - durch eine aristokratische Erziehung und Sozialisation - erworbenen Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmuster, der Hauptziel die Wahrung von Amt und Person war. So wird dem Leser nicht nur Barbarossas Einstellung und Handeln seinem Vetter Heinrich dem Löwen und den lombardischen Städten gegenüber verständlich, man erfährt auch weniger bekannte Fakten. Z. B., dass Barbarossa nicht nur am Dritten Kreuzzug, sondern als junger Herzog von Schwaben bereits am Zweiten teilgenommen hat.
Neben 50 schwarzweißen Abbildungen und einer Stammtafel der Welfen, Staufer und Babenberger bietet ein 120seitiger Anhang Anmerkungen (Quellen/Zitate), ein umfangreiches Quellen und Literaturverzeichnis, sowie ein abschließendes Register.
5 Amazonsterne für eine wissenschaftliche Arbeit, die das Bild eines historisch realen Kaiser Friedrich I. Barbarossa zeichnet.