Aus der Amazon.de-Redaktion
Für die "Eiserne Lady" Margaret Thatcher war er
die "geistige Orientierung", sein großer intellektueller Widerpart John Keynes dürfte ihm zu Lebzeiten eher das Prädikat "Sozialdarwinist" verliehen haben: Der 1992 verstorbene liberale Ökonom, Sozialphilosoph und Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek wurde zeitlebens gleichsam verehrt und abgelehnt. Hans Jörg Hennecke zeichnet in seiner Hayek-Biografie
Die Tradition der Freiheit das Bild eines vielseitigen Wissenschaftlers, dessen Interessen nie auf die Ökonomie beschränkt waren und der selbst angesichts erdrückenden anti-liberalen Zeitgeistes nie von seinem Idealbild einer nicht-kollektivistischen, freien Gesellschaft abließ, die mündig genug sein sollte, sich gegen totalitäre Tendenzen zu behaupten.
Henneckes Hayek-Biografie ist dabei mehr als eine Chronologie der Wirkens- und Lebensstationen eines Wirtschaftswissenschaftlers. Auch demjenigen, der weniger an der Person Hayeks oder dem Liberalismus im besonderen interessiert ist, bietet das Buch eine Menge: Hennecke integriert immer wieder "Schnappschüsse" historischer, für Hayek prägender Momente, wie beispielsweise das schwierige "Zu-sich-selbst-Finden" Rest-Österreichs nach dem Ende der Doppelmonarchie. Neben solchen historischen Momentaufnahmen ist Die Tradition der Freiheit ein umfangreiches Nachschlagewerk politischer Ideengeschichte, das auch den Gedanken von Hayeks' weltanschaulicher Konkurrenz (z.B. Keynes Interventionismus-Zuneigung) breiten Raum lässt.
Hennekes Buch ist keine "Jubel"-Biografie, und das ist gut für jeden, der sich nicht nur zum Wissenschaftler, sondern auch zur Persönlichkeit Hayek eine Meinung bilden möchte. Hennecke lässt das differenzierte Bild eines Menschen entstehen, der einerseits seinem als liberalem fast schon naturgemäß unpopulärem Weltbild ("Eigenverantwortung statt Fürsorgestaat") auch in jenen historischen Zeitabschnitten treu blieb, als die Konkurrenz massenwirksamerer Ideologieangebote fast erdrückend war. Der allerdings andererseits - hier kommt der Mensch Hayek ins Spiel - gerade in Situationen empfundener gesinnungsmäßiger Einsamkeit zum Fatalismus tendierte, und hinter manchem sozialdemokratischen Ansatz gleich den Weg zu Totalitarismus und Planwirtschaft argwöhnte. Damit veranschaulicht Hennecke eindrucksvoll, wie wichtig das Wissen um historisch-situative Kontexte für das Verständnis der (im Falle Hayeks v.a. ökonomie- und politiktheoretischen) Ideen bedeutender Persönlichkeiten ist. --Till Kammerer
Pressestimmen
"Die Lektüre dürfte selbst für eingefleischte Hayek-Kenner nutzbringend sein; für die weniger Eingeweihten ist sie es allemal, denn die umfassende Darstellung besticht durchweg mit quellenabgesichertem Wissen, geschickten Argumentationsfiguren und einem lesbaren, gefälligen Stil." (Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik)