Dieses Buch war mir nach der Geburt meines Sohnes eine grosse Hilfe. Für mich war es erlösend zu erfahren, dass auch schon das ganz kleine Baby weiss, was es braucht, und bereits eigene Fähigkeiten hat. Ich war ja so ahnungslos, und hatte befürchtet nun für alles zuständig und verantwortlich zu sein. Frau Pikler predigt übrigens überhaupt nicht, man soll das Kind sich selbst überlassen. Was sie empfiehlt, ist nicht in hektischen Aktivismus zu verfallen, sondern das Kind wirklich wahrzunehmen. D.h. wenn es schreit nicht gleich loszurennen und irgendwas zu tun, sondern sich zuerst mal hinzusetzen, Nähe zu geben, zu beobachten. Vielleicht findet man so den richtigen Grund für das Weinen heraus, vielleicht muss das Kind halt einfach mal seinen Gefühlen Luft machen usw. Bei der Pflege empfiehlt Frau Pikler total beim Kind zu sein. Das ist sehr schwierig, oft wandern die Gedanken. Gelingt es aber, sich in diesen Zeiten voll und ganz auf das Kind zu konzentrieren, so ist das für das Baby wie "auftanken". Es kann sich dann in den Zeiten zwischen der Pflege auch alleine beschäftigen, ist nicht so ausgehungert nach Aufmerksamkeit. Auch die freie Bewegungsentwicklung, d.h. nicht einzugreifen in die Lernprozesse beim Kind wie z.Bsp. es aufsetzen, drehen, an den Händen aufstellen oder gar gehen lassen, war bei unserem Kind ein durchschlagender Erfolg. Er hat Stunden-, Wochen- ja Monatelang konzentriert auf seine Ziele hingearbeitet, und wenn es ihm schliesslich gelang sich umzudrehen oder aufzusetzen, dann war das ganz allein sein Erfolg, und das hat ihn entsprechend motiviert und ihn sicher auch selbstbewusster gemacht. Wirklich, für mich war das Buch eine echte Offenbarung. Und ich bin stolz darauf, dass es mir gelungen ist, meinen Sohn schon von klein auf "sich selbst" sein zu lassen und sein Bedürnis auf Eigenständigkeit zu respektieren.