Jürgen Kehrer hat als Münsteraner Autor nicht nur durch seine Wilsberg-Reihe die Stadt nach außen bekannt gemacht. Er zeigt in seinen Mittelalter-Romanen, dass die Stadt auch aus historischer Perspektive einiges zu bieten hat. Das muss man ihm hoch anrechnen. Auch seine Geschichten sind in ihrem Kern durchaus interessant, nur haben sie mit einem gewaltigen Manko zu kämpfen: Kehrer kann nicht schreiben. Es gelingt ihm weder, eine interessante Handlung zu konstruieren (er folgt eigentlich in allen seinen Geschichten nur einer logischen Richtung - alle Seitenrouten sind so schlecht gebaut, dass sie sich für jeden geneigneten Leser nur als Sackgassen darstellen können), noch simple Dialoge so zu gestalten, dass sie halbwegs glaubwürdig erscheinen. So leider auch in diesem Kriminalroman. Alle Personen, egal ob Schankwirt oder Abgesandter der römischen Kurie, sprechen absolut gleich. Und zwar sprechen sie unauthentisch in jeder Beziehung, denn Kehrer mischt Sprache, die er vermutlich für gehobene Sprache hält (wobei er nur bestimmte, meist antiquierte Wörter, die einen gewissen aristokratischen touch haben, verwendet und in einen "normalen" Satzkontext einbaut), mit tiefster Umgangssprache. Niemand spricht so oder hat jemals so gesprochen. Die Sprechweisen sind jedoch nicht das einzige Problem der Dialoge, denn die "Verhöre" des Freigrafen Ketteler - um nur ein Beispiel zu nennen - sind auch inhaltlich und rhethorisch eine Farce. Das ist umso bedauerlicher, als die eigentliche Handlung und der dahinter steckende historische Kontext das Potenzial zu einer wirklich guten Geschichte haben. Die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden und die Grabenkämpfe zwischen Münsteraner Rat und Gilden geben einen sehr interessanten Hintergrund ab, wie bedauerlich, dass Kehrer diesen nicht so nutzen kann, wie es möglich gewesen wäre.
Gesamturteil: Das Buch ist nur für Leser zu empfehlen, die sich mit Müsteraner Stadtgeschichte auseinandersetzen wollen und die Kriminalgeschichte nur nebenbei lesen. Alle, die einen wirklich guten Kriminalroman genießen wollen, sollten sich besser an Simenon oder Highsmith halten.