Auf dem Markt selbsternannter Hundefachleute tobt momentan ein regelrechter Stellungskrieg. Man streitet sich um die richtigen Methoden, mit denen man Hunde und die sich aus ihrer Haltung ergebenden Probleme in den Griff bekommt. JedeR hat etwas dazu zu sagen. Mal wird die sanfte „antiautoritäre" Methode empfohlen („Habe Verständnis für deinen Hund, dann ergibt sich alles von alleine."), oder es wird der Knüppel empfohlen (schließlich soll die Töle wissen, wer der Chef ist...). Indem er sich dazu bekennt ein „Niemand" auf diesem Gebiet zu sein, geht der Autor diesbezüglich gleich zu Anfang des Buches in die Defensive (na ja, eigentlich ist es ja eher eine versteckte Offensive). Aber manchmal ist eben praktische Erfahrung der bessere Ratgeber gegenüber irgendwelchen verworrenen Theorien. Und dieser „Niemand" macht mit seinem Buch auf den grundlegenden Umstand aufmerksam, dass Hunde Rudeltiere sind, die sich gerne anschließen. In unterhaltsamer Weise beschreibt er etliche Beispiele von Hunden, die sich ihm angeschlossen haben - manchmal auch nur vorübergehend, bis es vom „Chef" des Hundes unterbunden wurde. Gerade weil er nicht den Knüppel herausholt, was im Gegensatz zu der vom Hund „zu Hause" erlebten Situation steht, scheinen die Hunde das Zusammensein mit ihm zu genießen. Das sehr umfangreiche Buch beschreibt die theoretischen Grundlagen des Lernverhaltens von Hund (und Mensch) und stellt die Verbindung zur Praxis her. Alles was Mensch tun muss, ist dem Hund eine Art Rahmen zu bieten innerhalb dessen er sich frei bewegen kann. Und zu zeigen, dass beides - Rahmen und Freiheit - notwendig ist und zu einem entspannten Miteinander von Hund und Mensch führt, ist die Intention dieses Buches. Für Nichtbehinderte mag es erstaunlich klingen, dass der Autor als Rollstuhlfahrer einen derartig lenkenden Einfluss auf Hunde auszuüben vermag. Der Rezensent, selber gehbehindert, kann aber vollauf bestätigen, dass die vom Autor propagierten Methoden des Umgangs mit Hunden im Grunde der einzige Weg sind, den Hund wirklich fest an sich zu binden. Durch das Band der Freundschaft - wenn auch nicht der gleichberechtigten! Schön, dass damit der Zahl der vernünftigen Bücher über Hundeerziehung ein weiteres hinzugefügt wurde!