Ich kann - entgegen meinen Vorrezensenten - für dieses Buch aus verschiedenen Gründen keine Empfehlung aussprechen, mögen auch noch so viele Experten für Medizin, Tiermedizin und sonstigem dem Autor mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben.
1. Es fehlt der Hinweis: wo ist das "draußen", in dem man sich selbst helfen möge? Überspitzt (aber nur leicht überspitzt) gefragt: draußen in der kanadischen Wildnis? Im Urwald von Madagaskar? Im peruanischen Hochland? Oder beim Campen im Englischen Garten zu München? Die Anschlußfrage lautet: zu wievielt bin ich unterwegs: als Konvoi mit 150 Personen und etlichen geländegängigen Fahrzeugen oder als alleiniger Spaziergänger und Wanderer?
All diese Herausforderungen stellen doch völlig verschiedene Anforderungen an Ausrüstung und Verhalten! Der Autor behandelt sie irgendwo schon alle, aber er springt von diesem zu jenem, ohne letztlich die erforderliche klare Linie hineinzubringen, wie weit (oder wie wenig weit) man mit welcher Technik kommen sollte.
2. Das führt leider direkt dazu, daß der Autor an manchen Stellen zu recht sinnwidrigen Ratschlägen neigt.
Beispiel Giftschlangenbisse. Im eben schon erwähnten englischen Garten ist der Hinweis, die TU München habe alle denkbaren Giftschlangenseren vorrätig, insoweit nützlich, als man es im Falle eines Bisses noch bis zur TU schafft, das Risiko, von einer exotischen Schlange gebissen zu werden, ist dagegen eher gering. Im peruanischen Hochland nützt der Hinweis nicht mehr viel, wenn das Vieh gerade zugebissen hat.
Beim Kapitel über "Verschlucken von Gegenständen" wandert der Autor auf einmal ab zum Unterthema "Behandlung von Säuglingen nach Verschlucken von Gegenständen" - was wirklich nur dann zum Thema gehört, wenn man einen solchen auf die Expedition mitnimmt.
Dafür enden die medizinischen Tipps recht gern in "zum Arzt gehen" - was im englischen Garten, um beim Beispiel zu bleiben, auch ganz gut funktioniert, aber von einem Handbuch wie diesem will ich eigentlich wissen, was ich vielleicht noch machen kann, wenn sich gerade kein Arzt auftreiben lässt. An der Stelle wird es dann dünn!
Die zahlreichen Notruf- und Handynummern sind bei den meisten Gelegenheiten auch recht nutzlos.
3. Es fehlt eine sinnvolle Liste von Dingen, die man mit sich führen sollte, und zwar gegliedert nach "einzelner Fußwanderer", "mit Fahrzeug oder Pferd" und "als Konvoi zu vielen".
4. Die Medikamente, die der Autor massenweise in die Wildnis schleppen lassen will, enthalten unglaublich viele verschreibungspflichtige Sachen und vor allem erstaunliche große Mengen an Valium, das als Heilmittel für alles mögliche zu empfehlen mich doch etwas bedenklich stimmt - vielleicht betäubt das ja die Giftschlange, daß sie so lange ruhig hält, bis ich sie der TU München beschrieben habe???
5. Anleitungen, wie man was technisch hinbekommt, funktionieren wahrscheinlich recht gut, wenn man es kann. Aus der Anleitung alleine schlau zu werden, ist überwiegend recht schwierig. Das beginnt beim Benutzen eines Kompasses und endet beim Navigieren mit Polarsternunterstützung noch lange nicht.
Für die nächste Auflage würde ich dem Autor dringend empfehlen, mal die Frage zu stellen: wohin geht die Reise???