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Freundliche Täuschungen
 
 
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Freundliche Täuschungen [Taschenbuch]

Angelica Garnett
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Broschiert --  
Taschenbuch, 1. Januar 1993 --  

Produktinformation

  • Taschenbuch: 174 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt (1. Januar 1993)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596114284
  • ISBN-13: 978-3596114283
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,4 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 362.975 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Selten dürfte die Künstlergruppe um Virginia und Leonard Woolf, berühmt geworden unter dem Namen Bloomsbury, aus einer so intimen und ungewöhnlichen Perspektive beschrieben worden sein wie in diesem Buch. Angelica Garnett schrieb es nicht nur, um ihre Kindheit inmitten berühmter und exzentrischer Menschen zu beschreiben, sondern auch, um sich davon zu befreien. Schon die Konstellation bei ihrer Geburt erzählt einiges über die Belastungen, unter denen diese Kindheit von Anfang an stand: Geboren wurde Angelica Garnett als Tochter von Vanessa Bell, der Schwester von Virginia Woolf. Ihr Vater, Duncan Grant, bedeutender Maler und bewunderter Lebensgefährte ihrer Mutter, hatte bei der Geburt seiner Tochter eine Liebesaffäre mit dem jungen Schriftsteller David Garnett, der wiederum zwanzig Jahre später Angelica heiratete. Mittelpunkt dieser Erinnerungsarbeit ist das Porträt von Vanessa Bell - eindrucksvoll als Frau und Künstlerin, schwierig in ihrer Rolle als Mutter eines geplanten Wunderkinds und als Schwester von Virginia. Die problematische Beziehung dieser beiden Frauen ist einer der Leitfäden durch eine scheinbar unbeschwerte Kindheit und eine gefährdete Biographie.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Bloomsbury 25. Mai 2007
Format:Taschenbuch
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Angelica Garnett (Bell) habe ich schon in so vielen anderen Artikeln und Büchern über Bloomsbury "getroffen". Dass sie in diesem Buch das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter aufarbeiten wollte, war für mich eher nebensächlich. Mich haben der Alltag und die Menschen dieses Freundeskreises besonders interessiert. Das umreisst dieses Buch m.E. fast besser als bisherigen Anthologien oder Bildbände zu dieser außerordentlich interessanten Gruppe von Künstlern und Schreiberlingen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Nemelin
Format:Broschiert
Dieses Buch ist trotz des Untertitels nicht allein eine Kindheitsbeschreibung, geht es doch auch um Angelica Garnetts Ehe und die Beziehung zu ihrer legendären Mutter Vanessa Bell, als sie bereits selbst erwachsen und Mutter ist. Die deutlichste Botschaft dieses Berichts ist, dass ein Mensch lebenslang mit der Persönlichkeit derer, die ihn geprägt haben, beschäftigt sein kann, und in Angelica Garnetts Fall umso mehr, als sie in einem für ihre Zeit unerhört liberalen und freigeistigen Umfeld aufgewachsen ist. Gerade an diesem Umfeld und seinen emotionalen Verwicklungen trägt sie noch als Erwachsene schwer: immer wieder hat sie als Kind liebevolle Nachsicht erfahren, wenn eine offene Aussprache besser gewesen wäre; es wimmelt unter den zahlreichen Mitgliedern des losen Bloomsbury-Kreises von Gefühlschaos und unterdrückten Emotionen, während der Autorin, ganz besondern in ihrer Kindheit, für ihre Orientierung geordnete Verhältnisse und klare familiäre Strukturen wichtig gewesen wären.

Je mehr das Buch fortschreitet, umso mehr erfährt man von Vanessa. Ihre Persönlichkeit ist der emotionale Dreh- und Angelpunkt im Leben ihrer Tochter, unendlich wohlmeinend und gleichzeitig erdrückend. Diese Situation beschreibt Angelica Garnett sehr eindrücklich. Auch für die meisten anderen, in diesem Buch sehr lebendig gezeichneten Persönlichkeiten des großen Bloomsbury-Freundeskreises scheint Vanessa, gemeinsam mit ihrem Wohnort Charleston, ein großer Fluchtpunkt gewesen zu sein. Trotz der liberalen Einstellung dieser Menschen waren ihr Zusammenleben und ihre Beziehungen untereinander nicht unproblematisch, und davon gelingt der Autorin ein nüchternes und eigenartig distanziertes Portrait. Umso erstaunlicher, wie sie gleichzeitig auch sehr liebevoll und bewegend von ihrer Kindheit erzählen kann (ein Beispiel ist die Beschreibung des Charlestoner Gartens aus der Sicht von ihr als kleines Mädchen; der Garten ist da natürlich noch unermesslich groß, voller Geheimnisse und absolut paradiesisch), auch wenn deutlich Wehmut mitschwingt, weil die Kindheit und Jugend einer unwiederbringlich verlorenen Epoche angehören. Im Schlusswort erwähnt sie, dass dieses Buch eine Art "Seelenarbeit" für sie gewesen ist, eine Therapie, um die Vergangenheit milder betrachten zu können, und es ist erstaunlich, wie poetisch und farbig ihr das gelingt. Trotz dieses Beweggrundes für ein Buch hätte es, gerade bei Angelica Garnetts wunderbarer Ausdrucksfähigkeit, ausführlicher sein können. Es finden sich eigenartigerweise kaum Bilder von Vanessa, und auch von Angelica als Erwachsener, dafür aber sehr viele Bilder von Vanessas Schwester Virginia Woolf. Möglicherweise sind manchem die Persönlichkeiten bei aller Lebendigkeit etwas zu knapp umrissen, und da empfiehlt es sich, noch andere Lebensbeschreibungen zu lesen (z. B. "Vanessa Bell" von Frances Spalding, engl., oder diverse, auch in Deutsch erschienene Biographien von V. Woolf).
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Charlestons langer Schatten... 10. September 2011
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Die Künstlerin Angelica Garnett blickt auf ein langes, interessantes Leben zurück. Inzwischen 93 Jahre alt, schrieb sie bereits in den frühen Neunziger Jahren mit "Freundliche Täuschungen" ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen nieder. Lange bevor der Begriff der "Familienaufstellung" in aller Munde war, versucht sie mit dieser Autobiographie so etwas wie einen Befreiungsschlag.
Denn trotz der flirrenden, künstlerisch-reichen und ausgesprochen unkonventionellen Atmosphäre ihres Elternhauses Charleston, das den ländlichen Mittelpunkt des Bloomsbury-Kreises bildete, ist ihre eigene Wahrnehmung an die Kindheit und Jugend nicht ungetrübt.

Bewusst wurden Angelica Garnett, der Tochter von Vanessa Bell (Schwester von Virginia Woolf) und Duncan Grant, die langen Schatten der Vergangenheit, als ihre Mutter im Sterben lag und Angelica Garnett sich kaum in der Lage sah, einen versöhnlichen Abschluss zu finden. Zu tief war die Verunsicherung, die das große Geheimnis um ihren Vater auslöste.

Vanessa Bell mietete 1916 das Landhaus in den Sussex Downs und zog dort mit ihren Söhnen Julian und Quentin und ihrem Liebhaber Duncan Grant ein. Ihr Ehemann Clive Bell lebte ebenfalls über längere Zeiträume in dem weitläufigen Haus. Angelica wurde in Charleston geboren. Sie war - trotz der bereits beendeten Liebesbeziehung zu Duncan Grant - ein absolutes Wunschkind, wuchs aber in dem Glauben auf, das Clive Bell ihr Vater sei.
Duncan Grant war zudem mit David Garnett, dem späteren Ehemann Angelicas liiert.
Die komplexen Beziehungen aller Bewohner Charlestons waren einerseits ein festes, unzerstörbares Band. Aber es liegt bei solch unkonventionellen Lebensentwürfen wohl in der Natur der Sache, dass es immer wieder zu Konflikten und Verunsicherungen kam.

Dennoch war Charleston so etwas wie eine Trutzburg. Denn dort verwirklichten Vanessa und Duncan gemeinsam mit ihren Dauergästen ihren Lebenstraum. Das Haus war nicht nur äußerlich eine Absage an den herrschenden Zeitgeist. In einem lebenslangen Entwicklungsprozess gestalteten sie mit Farbe, viel Fantasie und Fingerspitzengefühl eine ganz eigene Atmosphäre. Kein Bücherbrett und kein Türblatt, das nicht bemalt wurde.
Ein offener und kreativer Hort, in dem diskutiert, gemalt, geschrieben, gegärtnert, gekocht und geliebt wurde.
Bis heute teilt sich diese Atmosphäre dem Besucher mit, doch dort zu leben und als Kind einen Platz zu finden, muss - wie den Erinnerungen Angelica Garnetts zu entnehmen ist - etwas ungleich Schwereres gewesen sein.

Zu leuchtend waren die Vorbilder, die Angelica immer wieder das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit gaben. Zu groß der Verrat, den das Verschweigen des "wahren" Vaters auslöste, der sich tief in Angelicas Seele gebrannt hat. Zu stark Vanessa Bells künstlerische Ambitionen, so dass für Angelicas Bedürfnisse zu wenig Zeit und Interesse blieb. Und nicht zuletzt zu groß die für Angelica spürbare Enttäuschung ihrer geliebten Tante Virginia Woolf, die in Angelica zu wenig intellektuellen Widerhall fand.

Und doch bleibt Angelica zugewandt, versöhnlich und letztlich auch dankbar für die vielen einmaligen Prägungen, die sie in Charleston und seinen Bewohnern fand.
So bleibt "Freundliche Täuschungen" eines jener Erinnerungsbücher, die nicht nur statisch über Vergangenes berichten, sondern zugleich eine Entwicklung und eine Emanzipation schildern.
Der legendäre, intellektuelle Bloomsbury-Zirkel wird nicht entzaubert, sondern bekommt in den Erinnerungen ein menschliches Antlitz.

Ich habe dieses Buch mit großer Freude gelesen. Es ist mir in "Charleston" empfohlen worden, dessen Besichtigung ich jedem, der sich für Virginia Woolf, Bloomsbury oder auch für Design interessiert, wärmstens ans Herz legen möchte. Die Dame, die mich auf das Buch aufmerksam machte, bezeichnete es als "Abrechnung". Dem kann ich nicht zustimmen. Ich würde es eher als "Befreiung" bezeichnen, mit bewusstem und auch zurecht stolzem Blick auf die eigenen Wurzeln.
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