Zwar bin ich nicht gerade auf der Suche nach Freunden ausgerechnet im Internet, aber ich möchte zu gern wissen, was sich hinter diesen Werbeangeboten verbirgt, die mehr oder weniger regelmäßig mein "PC-Haus" überfluten; außerdem möchte ich herausfinden, was sich eigentlich hinter Begriffen wie Facebook, MySpace, StayFriends, Xing u.a. sozialen Netzwerken verbirgt, ohne mich irgendwo engagieren zu müssen und mich damit möglicherweise einer verschleierten Gefahr aussetze. Die erhoffte Basis-Aufklärung hat mir dieses Buch verschafft.
"Soziales Netzwerk - was ist das überhaupt?" Warum gibt es diese im Fachjargon oft "Communitys" genannten Beziehungs- und Kontaktnetzwerke, wie funktionieren sie, wie findet man bei Bedarf das richtige und in welcher Sprache und mit welchen Fachbegriffen wird dort kommuniziert [S.9-18], wie trifft man Gleichgesinnte und Freunde, was bieten Freundenetzwerke, wie meldet man sich richtig z.B. bei Facebook oder MySpace an und welche Möglichkeiten der Kommunikation hat man dort [19-40) -- das sind die Fragen, die zuerst geklärt werden.
"Netzwerke speziell für Senioren" werden von S. 41-56 vorgestellt. "Nach alten Schulfreunden suchen" kann man z.B. mit StayFriends [S.57-74], und wer möchte, kann "Verwandte wiederfinden", "Ahnenforschung am PC" betreiben oder "einen eigenen Stammbaum anlegen" [S.75-92]. Daß es sogar "Netzwerke mit lokalem Charakter" gibt, habe ich erst aus diesem Buch gelernt -- das klingt gar nicht mal uninteressant ... [S.93-108]. Und falls man noch berufstätig sein sollte oder aktiv am Geschäftsleben teilnimmt, könnten die Businessnetzwerke, d.h. die "Netzwerke fürs Berufsleben", ideal sein [S.109-122]. Zu guter Letzt wird über die "Partnervermittlung im Netz" informiert [S.123-138].
Sehr interessant ist der Abschnitt "Aufgepasst: Persönliche Daten im Netz". [S.139-146]: "Deutsche Internetnutzer gehen in sozialen Netzwerken besonders lax mit persönlichen Daten um", habe eine Ipsos-Umfrage ergeben. Die Ausführungen, Erläuterungen, Warnungen und Hinweise dieses Abschnitts kann man gar nicht aufmerksam genug lesen, wie man allein schon den Überschriften entnehmen kann: "Der virtuelle Striptease" /"Was das Netz bereits über mich weiß" /"Was passiert mit meinen Daten" /"So schützen Sie Ihren Ruf im Internet".
"Achtung: Juristische Fallstricke" ist das letzte Kapitel in diesem Buch [S.147-153], dessen aufmerksame Lektüre ich dringend empfehle. Zwar ist dieser Beitrag leider relativ kurz, enthält jedoch wesentliche Aufklärungen und Hinweise dazu, was gestattet ist - und was nicht. Daß man z.B. generell auf der eigenen Seite keine fremden Inhalte verwenden darf und was urheberrechtlich geschützt ist, wie es sich mit eigenen oder fremden Fotos, Produktabbildungen, Grafiken und Illustrationen etc. verhält, daß Links zu anderen Webseiten nicht ungefährlich sein können ... und was geschehen kann, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Aber man erfährt auch, was man tun kann, wenn man selbst Opfer einer Urheberrechtsverletzung wurde, oder wenn man verleumdet oder beleidigt wird.
Um sich ein fundiertes Basiswissen zu verschaffen, ist dieses Buch wirklich sehr brauchbar. Allerdings wurde es bereits (Redaktionsschluss August) 2009 verfaßt -- nun ist das Internet bekanntlich schnelllebig, so daß der Buchinhalt kaum auf dem allerneuesten Stand sein dürfte; eine aktuellere Version war bei der "Stiftung Warentest" leider nicht verfügbar. Deshalb kann ich nur dringend anraten, sich nicht vertrauensselig allein auf die derzeitigen Ausführungen der Autoren abzustützen, sondern die durch dieses Buch erworbenen Grundkenntnisse in anderen, aktuelleren Medien zu vertiefen, zu verfestigen ... und sich stets über die Entwicklungen dieses rasanten Mediums Internet auf dem laufenden zu halten.
Insgesamt betrachtet werden mir die Erklärungen und Beschreibungen zu ... unverfänglich dargestellt -- es könnte geschehen, daß arglosere Internet-Nutzer oder gar -Neulinge es als Manual für eine harmlose PC-Anwendung auffassen. Zwar wird in Einzelschritten bildhaft und übersichtlich beschrieben, wie man sich einem der Netzwerke anschließt und auch, was man dort zu beachten hat. Aber die Hinweise, was man besser unterlassen oder besonders beachten sollte, gehen doch sehr in den Funktionsbeschreibungen unter und könnten deshalb leicht überlesen werden. Gerade für Neulinge könnte das verwirrend sein -- mit fatalen Folgen. Daß Gefahren nicht häufiger deutlich hervorgehoben werden, betrachte ich als erheblichen Mangel, der leider zur Abwertung auf 3 Bewertungssterne führen muß.
Die Autoren Jörg Schieb und Mirko Müller scheinen Mitarbeiter des Herausgebers "Stiftung Warentest" zu sein, Kurzbiographien fehlen leider.
Das Buch hat insgesamt 160 Seiten, enthält ein erläuterndes Vorwort, von S.6-7 ein sehr übersichtliches Inhaltsverzeichnis und ein äußerst anwenderfreundliches Stichwortverzeichnis [S.154-159]. Die Erläuterung der Anwenderschritte ist vorbildlich: Farblich abgesetzte Kapitelüberschriften auf jeder Seite, jedes Kapitel wird durch ein hübsches Cover deutlich vom Folgekapitel getrennt gehalten, Titel- und Unterüberschriften und Zusatzerläuterungen sind in unterschiedlichen Farben deutlich abgesetzt und last, but not least, die auszufüllenden Seiten wurden originalgetreu, d.h. der jeweiligen Internetseite entsprechend, wie ein Bildschirmausschnitt dargestellt. Diese Gesamtgestaltung dürfte es sicher auch Neulingen leichtmachen, sich auf den entsprechenden Internetseiten zurechtzufinden. Vielleicht sogar zu leicht ... aber man kann ja zur Sicherheit die aufgezeigten Gefahren, Besonderheiten und Fußangeln für sich selbst deutlich mit einem dicken roten Marker kennzeichnen.