In Anbetracht der geringeren Bedeutung im Vergleich zu seinem Hauptwerk und vor dem Hintergrund des Entstehungsdatums um 1907, also aus einer frühen Schaffensphase stammend, stellte ich keine hohen Erwartungen an Hermann Hesses »Freunde«.
Die Sprache in der Freunde verfasst wurde, weißt wirklich nicht die selbe Feinheit auf, wie sie Hesse in Höhepunkten wie »Narziß und Goldmund« an den Tag legte. Was den Leser aber wirklich in seinen Bann zieht, ist die geballte Lebensweisheit, mit der er in »Freunde« konfrontiert wird.
Inhaltlich geht es natürlich um Hesses Urthema Individualisierung: Der Freigeist Hans Calwer tritt aus der Enge seiner Studentenverbindung aus und lässt dadurch auch seinen langjährigen besten Freund hinter sich. Thematisiert wird dabei die geänderte Beziehung der beiden »Freunde«, die unterschiedlichen Lebenswege, welche sie einschlagen, sowie Calwers Neuorientierung an einer buddhistischen Lebensweise, welcher er jedoch noch nicht gewachsen scheint.
Im Hinblick auf den Austritt aus der Studentenverbindung und der Beschäftigung mit dem Buddhismus ist ein autobiographischer Bezug zu Hesse gegeben.
Ich selbst habe »Freunde« gelesen, weil ich einerseits meinen Horizont über die sogenannten Hauptwerke Hesses hinaus erweitern wollte, und andererseits, weil ich mich im übertragenden Sinn gut mit der in dem Werk zugrunde liegenden Ausgangssituation identifizieren konnte. Wirklich fasziniert hat mich beim Lesen die bereits genannte Lebensweisheit Hesses und der grenzenlose Optimismus, welcher in »Freunde« ebenfalls zum Ausdruck kommt.
Mittlerweile zählt »Freunde« zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und ich kann es jedem Hessefreund dringlichst weiterempfehlen.
PS.: Wenn ihr das Buch bestellt, kommt es in einer viel neueren und schöneren Aufmachung als auf dem Bild in der Artikelbeschreibung.
PPS.: Ich freue mich über jede konstruktive Kritik an meiner Rezension.