Brunetti gerät in einen Kriminalfall, der für ihn von besonderem Interesse ist, weil er das Opfer des Verbrechens einige Zeit vorher persönlich kennengelernt hatte. Die Bekanntschaft war für ihn eigentlich negativ geprägt, weil der zu Tode gekommene Mann ihn in Ausübung seines Berufes mit unangenehmen Umständen, die den Erwerb seiner Privatwohnung betreffen, konfrontiert hatte. Im Laufe der Zeit jedoch entwickelt Brunetti eine Art Hochachtung für das Opfer, als sich nach und nach herausstellt, daß es um einen Mord an einem durch und durch ehrlichen und aufrichtigen Mann geht. Wieder einmal ist es Donna Leon gelungen, Brunetti auch als Privatperson nicht außer Acht zu lassen, die Ereignisse, die in seiner Freizeit geschehen, in die eigentliche Handlung zu integrieren und dadurch auch das Charakterbild des Kommissars so schlüssig darzustellen, daß sein Handeln nachvollziehbar und sympathisch bleibt. Wie realistisch die Grundhandlung ist, kann ich nicht beurteilen, aber der Krimi ist insgesamt sehr spannend, da es sich nicht um eine einfach gestrickte Story à la "Mann-trifft-auf-Gegner-entwickelt-Haß-begeht-Mord- - Mörder gefaßt" handelt, sondern um eine, deren Handlungsstränge vielschichtig ineinander greifen und am Ende ein Gesamtbild ergeben.