Der Autor dieses Buches, Kurdo Baksi, 1965 als Mitglied der unterdrückten kurdischen Minderheit in der Türkei geboren, 1980 nach Schweden emigriert, schreibt hier über seinen engen politischen Wegbegleiter und sehr guten Freund Stieg Larsson.
Ich muss gestehen, der Name Stieg Larsson sagte mir bis vor einem Jahr überhaupt nichts. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass ich da in der Zwischenzeit eine große Lücke geschlossen habe. Die "Millenium-Triologie" aus der Feder Larssons übertrifft alles, was ich bisher an Krimis gelesen habe um Längen. Dass ich Stieg Larsson als Krimiautor kannte und sonst kaum etwas über ihn wusste, ist nicht weiter verwunderlich, da Larsson mit den 3 "zur Entspannung" geschriebenen Romanen ebenso plötzlich und unerwartet Weltruhm erlangte, wie er kurz vor der Veröffentlichung des ersten Teils an einem Herzinfarkt verstarb. Davor war er außerhalb Schwedens wohl nur Insidern bekannt.
Was ist das Ziel des Buches? Ich zitiere aus Baksis Nachwort: "Es besteht die Gefahr, dass sein Kampf um die Menschenrechte jetzt, nach seinem großen Erfolg als Romanschriftsteller, nicht mehr die verdiente Aufmerksamkeit erhält." Und so portraitiert Baksi den Journalisten und politischen Aktivisten Stieg Larsson, wie er ihn im Laufe einer langen Zusammenarbeit kennen gelernt hat. Larsson verfolgte dabei zwei große Hauptthemen: Kampf gegen Rechtsradikalismus und den Kampf gegen die Unterdrückung der Frau. Unermüdlich und auch durch unzählige Morddrohungen nicht einzuschüchtern hat Larsson über Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Schweden (und nicht nur dort) berichtet und die Gesellschaft entschieden zum Kampf gegen diese beiden Phänomene aufgerufen.
Stieg Larsson wird dabei als bis über die Maßen engagierter Journalist mit klarem moralischen Ziel beschrieben, der exzessiv lebte (damit ist gemeint: der selten vor 5 Uhr schlief, 2-3 Schachteln Zigaretten und über 20 Tassen Kaffee pro Tag konsumierte), dessen Kraft und Zielstrebigkeit bewundernswert, aber bisweilen für seine Mitmenschen und Kollegen anstrengend war. Als Journalist oder Co-Autor von Sachbüchern sei er mitunter eine Zumutung gewesen, da er Absprachen nicht einhielt, Kapitel des Co-Autors eigenmächtig verbesserte und ähnliches. Dies sei aber nicht aus Eitelkeit geschehen (Larsson habe das Rampenlicht gemieden), sondern aus Perfektionismus.
Für Baksi ist das Schreiben dieses Buches sicher auch ein Teil seines persönlichen Trauerprozesses. Baksi gründete 1987 das anti-rassistische Blatt "Svartvitt", das er wenige Jahre später mit Larssons ebenfalls dem Kampf gegen Rechtsradikalismus gewidmeten "Expo" gemeinsam herausgab, wodurch er über Jahre hinweg sehr intensiv mit Larsson zusammenarbeitete. Der Tod Larssons war ein schmerzhafter Verlust für den Autor. Als dieses Buch 2009 in Schweden auf den Markt kam war Stieg Larsson seit 5 Jahren gestorben. Baksi schreibt hier sicher keine sachliche und distanzierte Biographie, das ist auch nicht sein Ziel. Er schreibt auch keine verklärende Hommage, auch wenn es Passagen gibt, in denen die große Sympathie des Autors für Larsson fast eine Spur zu intensiv wirkt. Kritik an Larsson fehlt aber durchaus nicht.
Schließlich bietet Baksi noch ein paar interessante Hintergründe zur "Milleniums-Trilogie", beantwortet ein paar der (öden? unumgänglichen?) Evergreens der Fragen an Autoren, die Larsson selbst nicht mehr beantworten kann. Gibt es reale Vorbilder für Lisbeth Salander, Mikael Blomquist usw.? Warum wird Grenada in Band 2 der Trilogie so ausführlich beschrieben usw. Baksi gibt also ein paar Interessante Hintergründe zu diesen Weltklasse-Krimis.
Wer dieses Buch kauft, erwirbt also ein Buch, in dem es hauptsächlich um das politisch-journalistische und aktivistische Leben Stieg Larssons ging, der nebenbei auch noch Krimis geschrieben hat. Für mich eine neue Perspektive. Der Käufer erwirbt des weiteren eine sehr persönliche Remineszenz und bisweilen Hommage an einen guten Freund. Und schließlich stellt das Buch natürlich ganz im Sinne Larssons auch ein engagierte Plädoyer für die Gleichberechtigung aller Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Religionszugehörigkeit oder ähnlichem dar. Soweit kann ich das Buch nur begeistert loben und auch weiterempfehlen. Ganz ohne Kritik soll es aber hier nicht bleiben. Mir fehlte bisweilen die Struktur, es blieb unklar, warum bestimmte Abschnitte dort stehen, wo sie stehen. Es fehlt ein wenig der rote Faden. Auch entstehen zum Teil Redundanzen.
Dennoch: ich habe die Lektüre genossen!