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Leider kein Lesevergnügen, 20. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Freuds Wien: Eine Spurensuche (Gebundene Ausgabe)
Wer sich in Wien auf die Suche nach Freuds Spuren begibt, brauchte bisher sehr viel Phantasie und gute Laune, denn an den legendären Schauplätzen erwartet den Spurensucher meistens Enttäuschung." Soweit der erste Satz der Vorbemerkung. Leider aber ist es mit den Kapiteln dieses Buches ebenso.
Schade, dass die Autorin, die sich dieser Problemlage ja bewusst war, nicht den Mut hatte, die Finger von diesem Projekt zu lassen oder zumindest so lange daran zu feilen, bis etwas Kleines, aber Hübsches herausgekommen wäre. Denn dies von der Idee her nette Büchlein bedarf dringend einer liebevollen Überarbeitung, bevor es das Bonbon auf dem Büchermarkt wird, das es sein könnte!
Einige anschauliche Einblicke in Freuds Leben gibt das 235 Seiten schmale Bändchen in seinen angenehm kurzen Kapiteln dennoch: Für mich, die ich mich noch nie richtig mit der Person Freuds beschäftigt habe, sind nun zumindest einige Gewohnheiten, Bekanntschaften und Orte seiner Biographie deutlicher geworden.
Dass mir allerdings während der Lektüre Freud zunehmend unsympathisch und langweilig, ja geradezu verächtlich geworden ist, liegt wohl auch am Aufbau des Buches: Denn wenn das gesamte erste Kapitel samt Bildern und Spaziergangshinweisen statt Sigmund Freud Karl Kraus gewidmet ist, verrät das viel über das, was dieses Buch nicht zu sagen vermag. Wer Kraus' scharf formulierte Ansichten über die Psychoanalyse als Einstieg wählt, muss danach inhaltlich und sprachlich höherkarätig arbeiten, wenn er den Leser nicht enttäuschen und die Idee seines Buches nicht schon zu Beginn ad absurdum führen will.
Kein Einzelfall bleiben außerdem nichtssagende Anmerkungen unter Fotos*, an den Haaren herbeigezogene Adressangaben mit nervenden Telefonnummern und Hinweisen auf Öffnungszeiten, die sich oft auf zwei Stunden pro Woche beschränken, sowie der auf die Adressangaben überhaupt nicht abgestimmte undeutliche Stadtplan Wiens ohne Datum (wohl um 1900), der gleich beide Buchklappen ziert.
Fazit: Der erhoffte Lesegenuss und die Vorfreude auf eine eventuelle Wienreise sind bei mir völlig ausgeblieben. Was Freud betrifft, werde ich mich in Wien irgendwann mit einem Besuch in der Berggasse 19 zufriedengeben und bis dahin lieber weiterhin auf Sachertorte und die Lektüre Freuds eigener brillanter Schriften zurückgreifen: Die bedeuten nämlich neben nennenswertem Inhalt auch stilistisch ein Vergnügen auf höherem Niveau!
* Besonders aussagekräftig für dieses Buch ist allerdings folgende Anmerkung, die sich von dem auf dem Foto abgebildeten Chemischen Institut der Universität an weiteren Gebäuden desselben Architekten entlanghangelt um mit den Worten zu schließen: "die Votivkirche am heutigen Sigmund Freud-Platz, einer Grünfläche, auf der Hunde ihre Notdurft verrichten können" (S.44)!
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5.0 von 5 Sternen
Bewegende Spurensuche, 18. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Freuds Wien: Eine Spurensuche (Gebundene Ausgabe)
Dies ist eine gänzlich untypische Biografie über Freud: Sie regt nicht nur dazu an, die Schriften Freuds nochmals zu lesen und zu überdenken, sich mit dem aussergewöhnlichen Genius dieses Mannes und der Psychoanalyse zu befassen. Sie animiert auch dazu, sich auf die Spuren der Psychoanlyse und seine Gründungszeit in Wien zu begeben. In dieser aussergewöhnlichen Stadt, wo es sich an vielen Ecken, auf Plätzen, vor vielen Häusern und Gärten lohnt zu verweilen und die nicht immer erfreuliche Geschichte zu spüren und zu reflektieren! Ein "Muß" für alle "Wien- und oder Freudfreunde"
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