>Fresh Horses< beginnt mit dem Lied >THE OLD STUFF< und schlägt damit eine Brücke vom letzen (1993) erschienen Album (‚In Pieces‘) und der dazwischen liegenden Tornee. In dem Lied beschreibt er seine Eindrücke – der Hintergrund deutet an, dass es ein LIVE-Song ist – der Tournee.
Nun wird man sich anhand ein paar Videos vielleicht nicht DEN Eindruck verschaffen können, WAS ein GB-Konzert ausmacht. Ich möchte mir aber erlauben anhand der Videos, die ich mir zugelegt habe zu behaupten, dass seine Konzerte EINMALIG sind. Meinen Traum, den Boss live zu sehen, habe ich wahr gemacht. Ein Konzert von GB zu erleben wird schwer. :-(
>COWBOYS AND ANGELS< Oh, da haben wir es. So ein richtig kitschig anmutendes COUNTRY-Cowboy Liedchen. Zudem erzählt es die Geschichte wie des Cowboys Flehen und Beten zu Gott von eben jenem – am achten Tag der Schöpfung - erhört wurde und ihm „der Engel“geschickt wurde. Die Frau an der Seite des Cowboys – ein Engel!
Die Schreiber von Track 3 könnten dem einen oder anderen bekannt sein: Bryan Kennedy, Joe Perry, Dan Roberts, Steven Tyler. >THE FEVER< erschien als Rock-Version auf dem Album „Get The Grip“ von AEROSMITH. Ein fetzig rockiges Stück. Das zum „affrocke“ anregt.
Garth schrieb die Lyrics mit einigen seiner Cowboy-Kumpels um – speziell zugeschneidert für die Country-Sender. Was an Aerosmith erinnert ist lediglich der musikalische Refrain, Garths Stimme, die sich bei dem Lied förmlich überschlägt und nur so sprüht vor Energie, die gibt dem Song ein neues Gesicht. Abgedreht. Country-Rock. Abartig schnell.
Alles in allem schreibt er über sich und seine Passion für diese Musik. Wenn jemand meint, er wäre verrück, so hätte er recht, sagt GB. Und er hat es, das FIEBER.
Wenn die countrylastige Gitarre anfängt zu plärren, der langsame Rhytmus dazu und Garth beginnt die Geschichte von >THAT OL‘ WIND< zu erzählen, wird eine unglaubliche lange zurückliegende unglückliche Liebe wieder lebendig.
Man sieht sie vor sich, eine normale Hausfrau. Beim Bügeln – ihren Sohn hat sie schon zur Schule gebracht. In einer Radioansage wird für einen Konzerttermin in der Stadt geworben. Sie ist sprachlos: „ER ist wieder in der Stadt!“. Der abgehalfterte Country-Star, wie der Radiosprecher ihn bezeichnet. Das empört sie. Sie kennt ihn anders. Und das ist lange lange her.
„Meine Güte – ist das ... schon 10 Jahre her?“, kommen ihr die Tränen in die Augen. Damals auf dem Rummel (Jahrmarkt am Land) ... 10 Jahre? Als sie die eine Nacht ... diese eine Nacht, die für sie alles verändert hat ...
>ROLLIN‘< DAS ist ein Lied für DEN Trucker oder: In dem Fall eine TruckerIN. :-)
Fetzig bringt es den Rhytmus mit der das Herz des Truckers (so meine Vorstellung *g *) höher schlagen lässt. Der Clou an dem „Rooooooouuulinnnnng“, das GB singt ist, dass es sich anhört wie ein vorbeifahrender grosser Truck („Doppler-Effekt“, falls das jemandem etwas sagt). Naja, kann ich mir auch einbilden.
Garth’s Stimme ist in jedem Fall unverwechselbar leidenschaftlich – unverkennbar sowieso.
>The CHANGE< ist ehrenrühriges edelmütiges Hoffnungsgesäusel (werden die sagen, die von Berufs wegen Pessimisten sind). Die Musik dazu mutet überhaupt nicht nach country-music an. Ein Lied von eher leisem Humor. Klavier und Stimme – und was für eine! – im Vordergrund.
Man hat nicht die Macht alles auf der Welt zu ändern und alle verlorenen Seelen zu retten, will er uns mitteilen, aber wenn man jemandem hilft, macht man einen Anfang. Soll da keiner daherkommen und sagen: „Ja, aber was ist mit den 1000 anderen, denen man nicht helfen kann?“ Das ist kein Grund zu resignieren und aufzugeben will er uns wissen lassen. Die Welt wird er nicht ändern, meint er. Aber er will auch nicht, dass die Welt ihn ändert.
>THE BEACHES OF CHEYENNE< ist (wieder) eine richtige kleine Geschichte.
„Seine“ Sachen werden schön verpackt. Sein Sattel wird an seinen Vater geschickt. So wie das Haus aussieht hat sie es nicht grade angenehm aufgenommen – durchgedreht. „Ihr“ Haus wird jetzt renoviert. Wände herausgerissen. Alles neu gestrichen. Die Handwerker unterhalten sich:
„Kein Wunder, dass die Frau durchgedreht hat, nach dem Anruf, neulich nachts ...“
Er war oben in Wyoming und ritt einen Teufels-Bullen. Er hatte ihr versprochen, dass nichts passiert, aber es kam anders. Er hat gelogen. Und all die Träume die sie am Strand in Kalifornien geschmiedet hatten starben. Mit ihm zusammen. Am Strand in Cheyenne.
Sie haben ihren Körper nie gefunden. Nur ihr Tagebuch. Neben dem Bett. Zuletzt schrieb sie über ihren letzten Streit. Und ihre letzten Worte, bevor er sagte, das er „nur noch dieses eine Mal ...“ waren:
„Verdammt! Mir doch egal, wenn Du nicht zurückkommst!“
Man erzählt sich, dass sie durchgedreht ist. Laut rief sie seinen Namen in die Nacht. Lief hinunter an den Strand – ins Meer. Jetzt tuschelt man, dass man ihre Fusspuren sehen kann, unten am Strand. Weil sie immer noch jede Nacht dort wandelt - am Strand von Cheyenne.
Ganz genau kann es sich natürlich keiner erklären aber einige meinen, sie lebt noch. Sie behaupten, sie gesehen zu haben, spät nachts, unten am Strand.
Wenn Du hinunter gehst an den Strand, kannst Du ihre Fusspuren sehen im Sand. Unten – am Strand von Cheyenne.
Anscheinend gehört es zu seinen Alben, dass da das eine oder andere Lied dabei ist, das aus dem Rahmen fällt. Von der Musik und vom Text. >IT’S MIDNIGHT CINDERELLA< gehört meines Erachtens dazu. Werde schlau daraus wer mag. Aber mir sagt der schnelle Fiddel-lastige Song nicht zu. Was es mit „Peter.Peter the Pumpkin Eater“ auf sich hat, wird mir verborgen bleiben.
Ich füchte, das Lied brauchen eingefleischte Square Dancer für ihre Tanzeinlagen auf den Parketten zwischen Wyoming und Minnesota? :-)
>SHE’S EVERY WOMAN< erkläre ich mir – ohne die Hintergründe genau ausspioniert zu haben - als Liebeserklärung für seine damalige Freundin und ‚noch nicht-‚ jetzt aber ‚nicht mehr-Frau‘ (Sandy). Zumindest muss es Frauen im allgemeinen gewidmet sein, denn dieses Album >FRESH HORSES< hat Garth im weitesten Sinne den Frauen an Seiten der Cowboys gewidmet, sagt er.
Die Überraschung und zugleich den Abschluss der 10 Tracks bildet ein intessantes Stück, das noch weniger als das vorhin beschriebene „It’s Midnight Cinderella“ zum Gesamtbild eines Country-Albums passt.
>IRELAND<
Backpipes (Dudelsäcke) leiten musikalisch im Hintergrund leise die Melodie ein - begleitet von GB’s Stimme. Was danach kommt, klingt schon ein wenig irisch. Für mich unzuordenbar. Eine Melodie die ins Ohr geht – eine Stimme die fasziniert.