Caterina Valente? Für mich seit ehedem eine Schlagersängerin aus den Zeiten des Wirtschaftswunders mit seinen Nierentischen, die mit netten Liedern a la "Tipitipitipso" respektable Karriere gemacht hatte - ganz und gar nicht schlecht, aber auch nicht so überwältigend, dass ich mit dem Gedanken gespielt hätte, mich näher und über den Tellerrand hinaus mit ihr zu beschäftigen. Die Stimme schien mir für die Gattung "Schlager" sehr wohl mehr als ausreichend, doch nicht geeignet, sich anspruchsvolleren musikalischen Gefilden zu widmen. Kein Wunder: Ließen die wenigen TV-Auftritte, die ich bewusst wahrgenommen hatte und während derer sie mehr oder weniger die stets gleichen Hits wie "Wo meine Sonne scheint" oder "Komm ein bisschen mit nach Italien" sang doch nichts unversucht, besagtes Vorurteil zu zementieren.
Dann hörte ich sie unlängst zufällig mit einem Titel, der mich elektrisierte. "La Malaguena" war es, ein wahres Kleinod, das mich zum Kauf dieser CD veranlasste.
Jetzt, da ich die beiden auf ihr enthaltenen Originalalben mehrfach gehört habe, wird mir bewusst, wie sehr die Valente in Deutschland nahezu ausschließlich auf das Schlagergenre reduziert wurde und wird, das dieser großen Künstlerin nicht im Entferntesten gerecht werden kann. Ein "Schicksal" übrigens, das sie mit Mireille Mathieu teilt, deren ungeheure Vielseitigkeit wie auch herausragende stimmliche Kompetenz weitgehend auf die Wahrnehmung ihrer Fans beschränkt bleibt.
Die mexikanischen Lieder, die Caterina hier singt, zeigen ein Maß an vokaler Virtuosität, Brillanz und Können, das ich in dieser Bandbreite nie erahnt hätte. Fantastisch aufspielende Orchester bilden den kongenialen Rahmen für eine Stimme, von der die Schlagersängerinnen unserer Tage allenfalls träumen, sie jedoch niemals erreichen können. Ob sich die Valente hier feuriger Rhythmen der evergreenen Klasse a la "Frenesi" oder aber auch harmonisch-verträumter Melodien annimmt: Nie kommt Langeweile oder gar ein Gefühl der Übersättigung auf, sondern ausschließlich Freude und Genuss angesichts des großen Potenzials, über das die Valente verfügte und das - traurig genug - in unseren Breitengraden nie wirklich die Anerkennung erfuhr, die ihr zugestanden hätte.
Wenn Sie wie ich einmal erfahren möchten, weshalb die Valente auch die ehrenvolle Bezeichnung "Caterina die Große" trug, sollten Sie sich dieses qualitativ höchsten Ansprüchen genügende Album nicht entgehen lassen. Es wird nicht mein letztes dieser großartigen Künstlerin sein, die ich leider erst jetzt für mich entdeckte.