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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Anarchische Komik,
Von Heiko Bolick (Olten, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Fremdwörterbuchsonette: Gedichte (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Ann Cotten ist 1982 in Iowa geboren. Sie zog 1987 mit ihren Eltern nach Wien und lebt seit 2006 in Berlin. Für "Fremdwörterbuchsonette", ihren ersten Gedichtband, hat sie 2007 den mit 3700 Euro und vom österreichischen Bundeskanzleramt verliehenen Reinhard-Priessnitz-Preis für Nachwuchsautorinnen und -autoren erhalten. Ann Cotten ist eine bemerkenswerte Autorin. Inhaltlich pendelt sie irgendwo zwischen Arroganz und Rückzug, wobei sie sich formal auf die strenge Form des Sonetts abstützt, die sie aber an vielen Orten inkonsequent und mit einem heftigen Augenzwinkern umsetzt. Auch der (sinnstiftende) Gebrauch von Fremdwörtern ist zentral. Im Unterschied zur Verwendung des Sonetts empfinde ich den inkonsequenten Gebrauch hier aber als einen Mangel. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Einfliessen-Lassen von Begriffen wie Loxodrom (gerade Linie auf einer Seekarte), Palindrom (ein Wort, das von vorne und hinten gelesen gleich lautet), Inkommensurabilität (physikalische Unvergleichbarkeit von Stoffen durch Messen) Isanabase (geografische Verbindungslinie zweier Orte mit gleicher Hebung) usw., bloss ein Muster ist, um Aufmerksamkeit zu erregen. Schon im ersten Drittel des Buches gehen der Autorin die Ideen aus und sie verwendet einfachere Begriffe wie Dilemma, Derivat, Kontingenz, Kondensation, Homologie usw. Vielleicht bin ich auch zu streng mit Ann Cotten, deren Deutsch gerade einmal zehn Jahre alt ist. Von daher gesehen, können Fremdwörter (genau gleich wie die zahlreich eingestreuten Englischen Brocken) dazu dienen, im fremden Sprachsediment einen lexikalisch sicheren Halt zu finden oder das scheinbar gesicherte Terrain einer hier fehlenden Muttersprache durch Rückübersetzung zu hinterfragen. Selbstverständlich muss man auch den sprachlichen Spieltrieb (man lese Priessnitz!) berücksichtigen. Was aber würde bleiben, wenn man die Form des Sonetts wegdenkt und den Gebrauch der Fremdwörter? Teilweise pathetische und furchtbar platte Aussagen über das Leben: Die Suche nach dem (richtigen) Sinn, Liebe, Alkohol, Flucht und Erfahrung, Eltern, Herkunft und Rebellion, alles in allem, Seelenzustände, über die man im Internet in unzählbarer Häufigkeit stolpern kann und die - als Striptease - komisch bis peinlich wirken. Gut, dass es das Sonett und Fremdwörter gibt. Ich hoffe, dass Ann Cotten, die ohne Zweifel Talent und eine erfrischende Prise Anarchie mitbringt, in ihren nächsten Arbeiten Boden und Inhalt findet.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mir glaubt ja keiner, wenn ich sage: Das ist große Kunst!,
Rezension bezieht sich auf: Fremdwörterbuchsonette: Gedichte (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Sie ist so was von verdammt cool. Und gut. Lese ihre Gedichte auf dem iPhone in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. OK, dazu muss man schon in einer Gegend leben, in der es eine U-Bahn gibt. Mein Lieblingssonett ist bislang das mit den Möwen. (7. Möwen, Kontingenz) Cotten No. 7. Die Fremdwörtersonette waren eine ihrer ersten Fingerübungen. Von der linken Hand. Da kommt noch mehr. - Ann Cottens neues Buch Florida-Räume ist besser, deshalb nur 4 Sterne. Aber egal. - Sie ist sowas von cool. Und natürlich ist jeder Mann in ihren österreichischen Akzent verliebt, den hört man sogar beim Lesen. PS: Jeder dritte Rezensent, der ihren Geburtsort erwähnt, wird erschossen. Zwei waren' schon
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