In Renate Kampmanns dritten Kriminalroman schätze ich neben der klaren, sehr spannend gebauten Erzählstruktur erneut die präzise recherchierte rechtsmedizinische Tätigkeit ihrer Hauptfigur Leonie Simon. Faszinierende Figuren wie diesmal u.a. die ambivalente und schillernde Nicola zeugen erneut vom tiefen Verständnis der Autorin für menschliches Leid und seelische Abgründe. Handlungen und Motivationen ihrer Protagonisten werden stets auch abgeleitet aus gesellschaftlichen Zusammenhängen, die den kritischen Blick der Autorin auf die heutigen Zustände in der BRD offenbaren. Was mich abgesehen davon aber jetzt schon auf den nächsten Kampmann-Roman warten läßt, ist ihre Hauptfigur. Fachlich so kompetent wie Samantha Ryan und als Ermittler so wagemutig und menschlich wie Wallander, ist die wunderbar spröde Leonie Simon für mich die derzeit faszinierendste Gestalt der deutschen Krimiliteratur.
Weiter so, Frau Simon!