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Fremdes Land: Roman
 
 
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Fremdes Land: Roman [Gebundene Ausgabe]

Thomas Sautner
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 250 Seiten
  • Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (30. August 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3351033249
  • ISBN-13: 978-3351033248
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 13,4 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 314.068 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der Verlust der Freiheit Jack Blind glaubt, die Welt verändern zu können. Als Stabschef einer neuen Regierung wähnt er sich an den Hebeln der Macht. Tatsächlich aber wird er unbemerkt zur Spielfigur in einem System, in dem der Einzelne nur noch als Konsu-ment zählt. Freiheit, Anstand und Selbstbestimmung sind bloß noch Schlagworte. Seine Schwester versucht, Jack die Augen zu öffnen. Doch er hält an der herrschenden Politik fest - bis er gezwungen ist, eine neue Wahrheit zuzulassen. Thomas Sautner, österreichischer Bestseller-Autor, beschreibt in einem hoch-aktuellen Roman die nahezu gegenwärtig anmutende Vision einer Scheindemokratie in Zeiten des Sicherheitswahns. Seine Stilmittel: schwarzer Humor, böser Witz und bissige Satire.

Über den Autor

Thomas Sautner, Dr. phil., geboren 1970 in Gmünd, studierte Politikwissenschaften und Zeitgeschichte. Als Journalist unternahm er ausgedehnte Reisen u.a. in Europa, in die USA, nach Russland, Japan, Afrika und Südwestasien. Heute arbeitet er als Autor und Maler – in Wien hat Sautner sein Atelier. »Fuchserde«, sein erster Roman, wurde von der Kritik begeistert aufgenommen und war in Österreich ein Bestseller. 2007 folgte sein erfolgreicher Roman »Milchblume«, 2010 »Fremdes Land«. Sein neuer Roman »Der Glücksmacher« erscheint im Sommer 2012. Thomas Sautner lebt im nördlichen Waldviertel, in seinem Bauernhaus nahe der tschechischen Grenze und in Wien.

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Big Brother is watching you 18. Oktober 2010
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Goethes Worte: "Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.", stehen deutungsvoll dem Werk des Österreichers Thomas Sautner voran. Er setzt den Leser in ein fiktionales Szenario, das bei näherer Betrachtung gar nicht mehr so abwegig scheint...

Zwar beginnt die reguläre Rente erst ab 80, doch Lebensmittel haben einen nie erreichten Gesundheits- und Sicherheitsstatus erreicht. Zucker- und fetthaltige Speisen sowie Tabak und Alkohol sind verboten, Idealgewicht, Fitness und moralisches Handeln staatlich okroyiert. Verstöße ziehen Verwarnungen, Abmahnungen und letztlich strengste Sanktionen nach sich. Auch auf der Straße wird Sicherheit groß geschrieben. Das standardmäßig integrierte Safety-Control-System im PKW überwacht jegliche Fahrtätigkeit des Wagenlenkers und greift bei Gefahr sofort ein, direkte elektronische "Vergehens"-Meldung an die zuständige Versicherungsgesellschaft inklusive. Bargeld wurde abgeschafft. Die persönliche P-Card dient als Universaldokument. Sie ist Pass und Ausweis, Cash- und KreditKarte, Krankenkassen-, Telefon-, Park- oder aber FahrKarte.
Der Geist der Menschen ist auf dem Tiefpunkt angekommen. Das nutzen die Medien, um in sie einzusickern, jeden Tag ein Stückchen tiefer. Sie indoktrinieren dem unmündigen Bürger ein neues Unterbewusstsein und verhelfen ihm zu einer neuen Art von Leben "mit kunterbunt glitzernder Oberfläche und einem Inneren so leer, dass es nicht lohnte zu verweilen." Eventuell aufkommende depressive Befindlichkeiten können mit so genannten Feelgood-Pillen - erhältlich für vierzehn unterschiedliche Stimmungsdissonanzen, "aufgepeppt" werden.

"Aktion Caring Mom - Schutz, Wärme und Geborgenheit in einer gefährlichen, gefühlskalten Zeit", lautet die Propaganda der neuen Regierung, der Jack Blind, Hauptfigur in Thomas Sautners gruseligem Zukunftsszenario und Stabschef des Präsidenten Mike Forell, angehört. Jack hat den unbedingten Willen zur Macht. Sein Traum, "zu jener Handvoll Menschen zu gehören, die das Land regieren.", ist in Erfüllung gegangen. Seine eigenen Ideale und sein Selbst verleugnet er erfolgreich. Doch statt die Hebel der Macht uneingeschränkt bedienen zu können, ist er in Wahrheit nur deren Marionette. Die Politik ist längst abhängig von einem allmächtigen Wirtschaftskartell, das den Weltmarkt beherrscht und Presse und Regierung instrumentalisiert. Jack bekommt dies letztendlich am eigenen Leib auf dramatische Art und Weise zu spüren.

Thomas Sautner greift ein Thema auf, das bereits vor 61 Jahren ein literarischer Visionär voraussah. George Orwell zeichnete in "1984" das Bild eines Staates, der seine Bürger bis in den Privatbereich hinein überwacht. Leider reicht Sautners Roman nicht an den scharfzüngigen Briten heran. "Wenn ich ein Buch lese, wünsche ich mir, dass es sprachlich schön ist, mich inhaltlich etwas lehrt und im besten Fall auch reifer macht beim Lesen," betonte der Autor in einem Interview. Aber genau diese Prämissen lässt er vermissen. Zu einem eher ungelenken und farblosen Schreibstil, gesellen sich bei ihm klischeebeladene Handlungsstrukturen sowie verwaschene Charaktere. Sautner skizziert zu stark in Schwarz und Weiß. Er lässt dem Leser keine Möglichkeit zur eigenständigen Gedankenentwicklung und der rationellen Auseinandersetzung mit einem ernsthaften Thema. In "Fremdes Land" wird Diffiziles als leichte Kost, zu stark überzogen und mitunter gar pathetisch serviert. Ein subtilerer Einsatz von Stilmitteln und fein abgestuften Farbnuancierungen hätte dem Werk auf jeden Fall besser zu Gesicht gestanden.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von W. Öschelbrunn TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Jack Blind steht auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Als Kabinettschef in spe des neugewählten Präsidenten Mike Forell wähnt er sich an den Schalthebeln der Macht angekommen. Jetzt kann er alles das umsetzen, was seinen Überzeugungen entspricht. Nicht nur seine Schwester und sein Vater zweifeln allerdings sowohl am Inhalt als auch an der Existenz solcher Überzeugungen. Geht es Jack (und Mike Forell) wirklich um mehr als die reine Erlangung von Macht?

Schnell müssen Jack und Mike erkennen, dass sie weit weniger Einfluß auf die Regierungsgeschäfte haben werden als gedacht. Was hat es mit der "Gräfin" auf sich, die sich ihnen am Tag der Amtseinführung als die tatsächliche Kabinettschefin vorstellt? Welche Rolle spielt der "Vertreter", der ihnen die Zusammenarbeit mit einem einflußreichen Kreis Wohlwollender anträgt? Wer regiert eigentlich das Land und war Mikes Wahlsieg allein das Ergebnis des völlig überraschenden Rücktritts seines Vorgängers?

Das Leben in "Fremdes Land" ist gekennzeichnet vom gläsernen Menschen. Die P-Kart enthält alle wesentlichen (biomimetischen) Informationen seines Besitzers und ist nicht nur bei den regelmäßigen Kontrollen durch Bürger-Securities unvermeidliches Identifikationselement. Die Technisierung des Lebensalltags ist fortgeschritten und hat individuelle Freiheiten weiter beschnitten. Jede Handlung wird überwacht, gesundes Leben ist zur Bürgerpflicht geworden und Zuwiderhandlungen führen zu Abzügen auf dem für Urlaub und Freizeit so wichtigen Punktekonto.

Die politische Dimension von Thomas Sautners "Fremdes Land" besitzt jenseits der Thematisierung des Spannungsfeldes zwischen technischen Neuerungen und individuellen Freiheiten wenig intellektuellen Tiefgang. Sautner bedient sich der zunehmend verbreiteten populistischen Stimmung, dass weniger die Regierung als vielmehr einige wenige großindustrielle Interessenvertreter die Geschicke des Landes lenken. Diesen Reflex spinnt Sautner in eine (ultralinke) Verschwörungstheorie fort, in der sich ein kleiner Kreis Großindustrieller der modernen Technik bedient, um persönliche Gewinne zu maximieren und Konkurrenten - notfalls durch Mord, Eutanasie und Krieg - auszuschalten.

Leider sind die Figuren in "Fremdes Land" ähnlich holzschnittartig ausgestaltet wie es die wenig differenzierte Storyline des Romans schon befürchten läßt: Auf der einen Seite der karrierebewußte Jack Blind, der blind (die Namensgebung der Figuren des Romans gehört sicherlich nicht zu den kreativen Highlights des Autors) für die tieferen Realitäten seines Lebens zu sein scheint. Ihm gegenüber seine Schwester Gwendolyn, die von Idealismus getrieben am Rande der Gesellschaft steht. Dass es am Ende Gwendolyn sein wird, die Jack zur Wahrheit bekehren wird, dürfte insbesondere die Filmemacher freuen, denn "Fremdes Land" hat ohne Zweifel die "Qualität" eines Hollywood-Films.

Obwohl ich die politische Dimension von Sautners Zukunftsvision enttäuschend platt empfinde, komme ich dennoch zu einer Gesamtbewertung von 3 Sternen für "Fremdes Land", denn der Roman ist aufgrund der sehr kreativen Detailverliebtheit, mit der Sautner sein Zukunftsszenario ausgeschmückt hat, ein lesenswertes Buch.

Thomas Sautners "Fremdes Land" provoziert den Vergleich mit Orwells "1984". Ein Vergleich, dem Sautner allein schon aufgrund der fehlenden Vielschichtigkeit der Figuren des Romans nicht Stand halten kann.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
ANGST FRESSEN VERSTAND 14. Oktober 2010
Von Ulrich Gellermann TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist eine schöne neue Welt, die Thomas Sautner in seinem Roman "Fremdes Land" entstehen lässt: Die Bürger des fremden Landes werfen Feelgood-Pillen ein, um den Tag zu überstehen, auf der P-Card jedes Einzelnen sind alle seine Daten konzentriert, eine freiwillige Bürger-Security kontrolliert Straßen, Plätze und öffentliche Verkehrsmittel, es geht im täglichen Leben um immer mehr Sicherheit. Natürlich zum Wohle des Bürgers. Sagt die Regierung. Längst ist die Rente mit 80 eingeführt und die Moslems leben in Separation, haben eigene, genau kontrollierte Viertel und tragen grüne Bänder am Handgelenk. Wem das bekannt vorkommt, der sollte Herrn de Maizière bereits verdächtig sein.

Das Muster von "Fremdes Land" ist bereits in Aldous Huxleys "Brave New World" entwickelt. Doch gewinnt Sautner eine neue Erzählperspektive, wenn er aus dem Inneren der scheinbaren Macht erzählt: Es ist Jack Blind, der als Stabschef des neuen Präsidenten vom seinem eignen Aufstieg und Fall Zeugnis ablegt und davon, dass die vermeintlich politische Macht in anderen Händen liegt, als das System es vorgibt. Schritt für Schritt und sehr mühsam verläuft der Erkenntnisprozess des Jack Blind, nur schwerfällig lernt er am Schicksal seiner Schwester, die sich auflehnt, dass er in Wahrheit machtlos ist und nur durch Anpassung bis zur Unkenntlichkeit jenen Hauch von Freiheit gewinnt, den er sich im selben Atemzug wieder verbietet.

Dieser zähe Prozess der Erkenntnis hat den Nachteil, dass der Leser der zentralen Figur des Buches immer einen Schritt voraus ist. Und doch gibt es einen Gewinn aus der langsamen Blödheit des Jack Blind: Sautner macht mit ihm deutlich, dass der Prozess mentaler Versklavung - durch die Orientierung auf den Konsum und die Angst vor Unsicherheit - in relativer Freiwilligkeit geschieht: "Angst", sagt Jacks Vater, "schaltet den Verstand aus. Angst akzeptiert radikale Maßnahmen gegen vermeintliche Risiken ebenso wie gegen Mitmenschen, von denen angeblich Risiko ausgeht. Angst akzeptiert auch persönliche Einschränkungen. Angst führt zum Wunsch nach staatlicher Kontrolle, nach Prävention, nach konsequenter Sicherheit."

Die Fiktion hat es schwer die Realität zu übertrumpfen. Wer sich das Sicherheitsballet an den Flughäfen vor Augen führt: Schuhe aus, Gürtel ab, Hose in der Hand, Nasentropfen auf den Müll, Demut vor der Abtastung, Unterwerfung unter den Nackt-Scanner, der weiß, zu welcher Sklavenhaltung Angst führen kann. Weniger komisch ist ein wachsender Ausländerhass im Ergebnis der sarrazynistischen Angstkampagne: Mehr als 30 Prozent der Deutschen finden zur Zeit, dass "die" Ausländer den Sozialstaat ausnutzen, eben so viele wollen sie nach Hause schicken und mehr als die Hälfte finden, die Religionsausübung der Muslime sollte eingeschränkt werden. Da ist der "Führer" nicht mehr weit: Den wollen 13 Prozent haben.

Der "Führer" in Sautners Arbeit heißt "Der Vertreter" und ist so etwas wie der Gesamtlobbyist. Nichts an ihm ist brutal, sein Methoden liegt in der Aufzählung der Vorteile, die er verspricht, wenn man auf ihn hört. Und natürlich hat die Atom-Lobby es nur gut gemeint, wenn sie die Verlängerung der Laufzeiten fordert, selbstverständlich geht es der Banken-Lobby um die Freiheit aller, wenn sie schärfere Regelungen und Kontrollen ablehnt und ganz sicher geht es der Rüstungs-Lobby nur um die Sicherheit Deutschlands. - Das verblüffende Ende von "Fremdes Land" ist zugleich tief deprimierend. Es bleibt zu hoffen, dass dem Autor wenigstens hier kein Vorentwurf der künftigen Wirklichkeit gelungen ist.
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