Jetzt ist es also soweit: nach elf Bänden wechselt die Jury-Reihe zu Goldman und prompt gibt es Titel ohne den Titelhelden. Dafür passen die hier aber durchaus auf die Inhalte des Romans, nur dürften sich Neueinsteiger, die von den ersten 11 Bänden nichts wissen, hier ziemlich verwirrt fühlen, vor allem was die schwache Qualität des Romans betrifft.
Irgendwann war es ja ohnehin fällig, daß Jury und Plant mal einen Abstecher in das Heimatland der Autorin machen, aber leider gerät der Ausflug zu allem möglichen, nur nicht zu einem besonders guten Krimi.
Grundsätzlich geht es um drei ungelöste Mordfälle in Baltimore, wo ein reicher Erbe, eine Studentin auf dem Edgar-Allan-Poe-Trip und ein Stadtstreicher ermordet wurden. Verbunden wird das erfreulicherweise mit dem letzten Buch, denn die Nebenfigur Lady Cray setzt Jury auf die Fälle aus familiär-freundlichen Gründen an und bezahlt den Trip.
Weil aber ein Auslandsaufenthalt das Zusammenspiel der liebgewonnenen bekannten Nebenfiguren verhindert, arbeitet Grimes das Problem zu Beginn des Romans ab, besucht reichlich Figuren bei Jury im Büro, daheim oder bei Plant in Long Piddleton. Selbst Lady Kennington erhält einen Besuch. Für Neueinsteiger ist das allerdings ziemlich verwirrend, denn ohne Vorkenntnis früherer Bücher fügt sich das kaum zusammen.
Der Aufenthalt in den USA ist dann zwar routiniert und gemütlich gezeichnet, aber Stimmung will nicht recht aufkommen.
Stattdessen wird dem Leser eine nicht enden wollende Rundfahrt durch Baltimore präsentiert und an einem angeblich gerade aufgefundenen unbekannten Poe-Manuskript, dessen Echtheit Streitpunkt der Handlung ist, zieht sich die Autorin auch hoch.
Noch schlimmer, spielt dann auch noch Ellen Taylor (I.J. geht übers Moor) und ihr Erfolgsbuch eine Rolle, so daß einem die Zitate nur so um die Ohren schießen.
Währenddessen arbeitet Jury die wenigen Verdächtigen ab und das Interesse keimt höchstens daher, daß er die drei Fälle unter einen Hut bringt, was aber dem Begriff "konstruiert" ganz neue Dimensionen verleiht. Währenddessen verkleidet sich Plant als Penner, um an Informationen im Stadtstreichermilieu heranzukommen, was man dem Charakter nun gar nicht abnehmen will - und hat mal wieder Probleme mit Heranwachsenden.
Die Auflösung schließlich wird nicht logisch herbeigeführt, sondern geschieht durch einen Mordanschlag auf einen der Protagonisten, wobei sich der Mörder selbst decouvriert. Überraschungen allerdings Fehlanzeige!
Hier kamen einfach zu viele interessante Grundreize der Autorin (Poe, Baltimore, Football) zusammen und gegenseitig schlagen diese das Wesentliche der Handlung tot. Von Spannung ist meistens nicht zu reden, stattdessen hat man Mühe, bei all den Nebensächlichkeiten im Mordfall überhaupt am Ball zu bleiben.
Kaum zu erwähnen ist auch, daß auch hier die Hintergründe wieder doppel- und dreifachbödig sind.
Gegenüber dem letzten Buch ist das hier ein starker Abstieg, aber wirklich furchtbar sollte erst der nächste Roman werden, der hier im letzten Kapitel bereits angekündigt wird und der Jury leider wieder nach Amerika bringen sollte: "Blinder Eifer", der wohl schlechteste Jury überhaupt.