Der Verlag hatte aus dem amerikanischen Original "Unaccustomed Earth" mit seinen acht Erzählungen drei herausgenommen, übersetzen lassen und separat veröffentlicht: "Einmal im Leben - eine Liebesgeschichte". Die fünf übrigen Erzählungen finden sich hier in diesem Buch, das den Titel "Fremde Erde" trägt - eine mögliche Art der Übersetzung von "Unaccustomed Earth".
Erneut zeigt sich hier eine großartige Erzählerin am Werk. Die erste Erzählung handelt, weitgehend aus der Perspektive einer jungen Inderin, Bengalin, die in USA lebt, von ihrem verwitweten Vater, seinem Besuch in ihrem Haus und der wunderbaren Beziehung des alten Mannes zu seinem dreijährigen Enkel. Hier werden Bilder aufgebaut und Sätze geschrieben, die in ihrer Lakonie ein verhaltenes Pathos entfalten. In den Erzählungen "Das Quartier der Wahl" und "Der Inbegriff des Guten" stehen jeweils die Ehen von einer US-Amerikanerin und eines Inders bzw. die Ehe einer Inderin und eines Briten im Zentrum. Es sind nicht die kulturellen Unterschiede, die diese Ehen in die Krise führen, dazu sind die Inder zu westlich orientiert und die Nicht-Indischen Partner zu offen, sondern die Veränderung der Persönlichkeiten durch den Alkoholkonsum. In einem Fall siegt die Liebe und das körperliche Verlangen, im anderen Fall zerbricht eine Ehe selbst schon durch den Alkoholmissbrauch eines Verwandten. Meisterhafte, spannende Art der Erzählung, die viel vom Alltagsleben einfängt. Es hängt oft von Kleinigkeiten ab, ob eine Geschichte glimpflich oder in der (relativen) Katastrophe endet.
Mich berühren diese Geschichten, sie brennen sich in mein Gedächtnis ein. Mag sein, dass meine Bekanntschaft und Freundschaft zu Indern, die ähnlichen Situationen ausgesetzt sind, eine Rolle dabei spielt. Ich halte diese Geschichten für authentisch, von großer innerer Wahrheit - und für große Literatur.