Neue Zürcher Zeitung
Musterland im Umbruch
ces. Die Region im Städtedreieck Dessau - Bitterfeld -Wittenberg von Sachsen-Anhalt ist in den vergangenen 300 Jahren zum Beispiel dafür geworden, wie die Lebensmuster einer sich wandelnden Gesellschaft und der Wechsel politischer Verhältnisse eine Landschaft programmatisch prägen. Die Anfänge des «Musterlandes am Mittellauf der Elbe» gehen zurück auf die Zeit des aufklärerisch gesinnten Fürsten Franz von Anhalt-Dessau, der nach englischem Vorbild im Dessauer-Wörlitzer «Gartenreich» seine Vorstellungen einer kultivierten Landschaft verwirklichte. Gegen 1900 begann die Industrie neue Zeichen zu setzen. Auch wenn die Ansiedlung des Bauhauses in Dessau 1926 eine Wende hin zur industriellen Moderne markierte, so wurde der Dualismus von Stadt und Industrie einerseits und Landschaft (als Erholungsgebiet) andrerseits noch als Ergänzung verstanden. Mit den Eingriffen zu DDR-Zeiten, dem Wiederaufbau des Kraftwerkes Vockerode, der Bitterfelder chemischen Industrie oder dem extensiv betriebenen Braunkohleabbau, wurde aus dem kultivierten Miteinander endgültig ein Gegeneinander. Unter der Formel «Industrielles Gartenreich» wurde schliesslich am Bauhaus eines der wenigen Ost-West-Vorhaben vor der Wende von 1989 angeregt. Durch den Zusammenbruch der DDR und die darauffolgende Abwicklung der Industrie erfolgte eine jähe Akzentverschiebung des Dessauer Projektes: Nicht nur die vorindustrielle Landschaftsgestaltung, auch die industriellen Relikte der DDR sind ein Kulturerbe der Region geworden, das Fragen nach dem zukünftigen Umgang aufwirft. Die von der Stiftung Bauhaus Dessau herausgegebene Publikation «Industrielles Gartenreich» ist eine wertvolle Bestandesaufnahme zum Städtedreieck, das derzeit als «Korrespondenzregion» der Expo 2000 Hannover Blicke auf sich lenkt. Die unterschiedlichen Beiträge suchen zudem nach dem Potential des «Industriellen Gartenreichs» in der Zukunft: als eines prototypischen Beispiels regionaler Planung.
Kurzbeschreibung
Mit Straßennamen zur besseren Orientierung, farbig hervorgehobenen Ausflugszielen, Sehenswürdigkeiten der Umgebung in Text und Bild und alle regionalen und überregionalen Wander- und Radwanderwege sowie ausgewiesene Radtourenvorschläge mit Entfernungsangabe in Kilometern. Mit Detailplan der Wörlitzer Anlagen im Maßstab 1:12 500.