Was beim ersten mal noch witzig und originell, beim zweiten mal dank skurriler Einfälle ebenfalls sehr unterhaltsam war, wird beim dritten Aufguss nur noch eine ernüchternd trübe Brühe. Mit „Freizeichen" hat Ildiko von Kürthy nach meinem Empfinden den Bogen überspannt, ihre Geschichtchen um unreife, hyperneurotische Frauen Anfang 30, können bei den Fans von „Mondscheintarif" und „Herzsprung" nur noch ein sehr gequältes lachen hervorrufen.
Annabelle Leonhard reist spontan für eine Woche nach Mallorca, ohne ihrem Lebensgefährten gegenüber davon ein Wörtchen zu erwähnen. Sie verliebt sie sich in einen Bootsjungen, gewinnt einen Beautytag im Luxushotel und lernt eine gewisse Cora Hübsch und deren Arbeitskollegin kennen. Sie spioniert diese Arbeitskollegin aus, weil sie vermutet, sie habe eine Affäre mit ihrem Freund. Es endet alles wie gehabt: in einer Mischung aus Katastrophe und Happy End.
Lesern, die nicht mit „Herzsprung" und insbesondere „Mondscheintarif" vorbelastet sind, mag das alles sehr witzig vorkommen. Die Autorin verlässt immer wieder den roten Faden ihrer Handlung und erzählt Absurditäten aus dem verrückt-neurotischen Alltag ihrer Heldin. Sie versäumt es aber, das irrationale Handeln der Heldin Annabelle derart rational zu erklären, wie sie es noch in den Vorgängerromanen fertig brachte. Dadurch erst wurden die Protagonistinnen der beiden ersten Büchern sympathisch, Annabelle fehlen solche Sympathiewerte. Besonders enttäuschend, dass sich die aus „Mondscheintarif" bekannte Cora nunmehr in „Freizeichen" als übermäßig erfahren und abgeklärt präsentiert. Ist es noch dieselbe Person? Das Buch bietet einfach nichts neues und ist deshalb für Fans der anderen Bücher der Autorin eine Enttäuschung und nur mäßig witzig.