Ab Dezember 1941 wird im "Ausbildungszentrum der Gebirgsjäger der Wehrmacht" in Mittenwald mit dem "Sonderverband Bergmann" eine der "militärischen Abwehr" unterstellte Einheit aus deutschem Rahmenpersonal und kaukasischen Freiwilligen (Georgier, Nordkaukasier, Armenier und Aserbaidschaner) aufgestellt. Die Kaukasier rekrutieren sich aus Kriegsgefangenen und aus vornehmlich adligen Emigranten, die als Offiziere eingesetzt werden....
Während seiner Kaukasusreise im August 2010 wurde timediver® mit der jüngsten Geschichte der Region konfrontiert, zu der auch die Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges zu rechnen sind. In dem von Hitler vom Zaun gebrochenen Eroberungs- und Vernichtungskrieg gelang es der zur "Heeresgruppe A" gehörenden 1. Panzerarmee über den Fluss Terek bis nach Ordschonikidse (heute: Wladikawkas) vorzustossen. Militärisches Ziel war die Eroberung des 2379 Meter hochgelegenen Kreuzpasses (georg.: Dschwris ugheltechili) der - auch heute noch - den Zugang nach Transkaukasien und damit auch zu den aserbaidschanischen Ölfeldern ermöglicht.
Bei meiner Amazon-Recherche nach entsprechender historischer Literatur, insbesondere den Berichten von Zeitzeugen, war ich mir bewusst, dass derartige Bücher wohl kaum von politisch liberalen oder gar links einzuordnenden Verlagen herausgegeben werden. Der Grazer "Leopold Stocker Verlag", der bereits im Oktober 2003 die 1. Auflage "Freiwillige vom Kaukasus" publizierte, gilt vielmehr, insbesondere wegen seines Imprints "Ares-Verlag", als Herausgeber rechtskonservativer Literatur mit Schnittpunkten zum Rechtsextremismus....
....was das Buch zu einer vorsichtig und differenziert zu lesenden Lektüre machen sollte!
Die NS-Kriegsführung nutzte die die antisowjetische Einstellung, den Freiheitswillen und den Nationalismus der kaukasischen Völker für die Zwecke ihres Angriffskriegs. Hierfür erlaubte sich die militärische Führung unter Vorgabe der NS-Propaganda einer Reihe von Tricks und Täuschungen. So wurden die kaukasischen Freiwilligen nicht auf Adolf Hitler, sondern auf die Befreiung ihrer Heimat von den Bolschewiken vereidigt (Seite 44). Auf eine Weisung Hitlers vom 8. September 1942 hin, sollten im Kaukasus "ausnahmsweise" Begriffe wie Freiheit, Unabhängigkeit und Zusammenarbeit verwendet werden (S. 24). Tatsächlich bedeutete dies jedoch, dass lediglich Marionettenregierungen zugelassen wurden, die militärisch und wirtschaftlich eng mit dem "Großdeutschen Reich" zusammenarbeiten mussten. Für die Zeit nach dem von der NS-Propaganda verheißenden "Endsieg" hatte deren rassistische Ideologie noch andere Pläne. Dergleichen hatte sich bereits am 1. August 1941 gezeigt, als die Westukraine dem Generalgouvernemnet eingegliedert worden war. Nachdem sich das aus ukrainischen Nationalisten gebildete "Bataillon Nachtigall" beim Massaker von Lemberg maßgeblich an der Ermordung der jüdischen Bevölkerung beteiligt hatte, wurde es auf Befehl des "Abwehrchefs" Canaris entwaffnet und aufgelöst, seine ehemaligen Angehörigen interniert.
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"Freiwillige vom Kaukasus" ist in zehn Kapitel gegliedert, die hauptsächlich aus den Erinnerungen ehemaliger Angehöriger des "Sonderverbandes Bergmann", bzw. der der nachfolgendn Bataillone Bergmann bestehen. Neben den vier Autoren des Buches zeigen sich hierfür weitere ehemalige Angehörige verantwortlich.
Neben der gebrauchten Sprache und Termini sind es unter anderem vor allem die Beiträge von und über "Prof. Dr. Dr." Theodor Oberländer, der als Oberleutnant (!) für die Aufstellung und Ausbildung des "Sonderverbandes" verantwortlich war und späterer Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte als prominentes Beispiel für die personelle Kontinuität der Eliten des "Dritten Reiches" in der Bundesrepublik gilt und die Ausführungen zu Warschauer Aufstand, die den Leser zur besonderen Vorsicht gemahnen. Anfang August 1944 wurde das "II. (aserbaidschanische) Bataillon Bergmann" zur Niederschlagung des Warschauer Aufstandes der selbst von anderen SS-Kommandeuren als Verbrecher und Mörderbande bezeichneten "Brigade Dirlewanger" unterstellt. Auf mehreren Seiten (S. 270) wird versucht, das II. Bataillon von den verübten Massenmorden reinzuwaschen. So seien die nach zahlreichen polnische Zeugenaussagen tatsächlich daran beteuiligten Aserbaidschaner nicht Angehörige des II. Bataillons Bergmann gewesen.
Selten zu findende Zusammenstellungen sind die "Abzeichen der Kaukasusvölker im Dienst der Deutschen Wehrmacht" (S. 36) und ein Organigramm der "Osttruppen und Freiwilligenverbände" (S. 37). Anhang III (S. 351) bietet ein Register des "Deutschen Rahmenpersonals im Sonderverband und der Bataillonen Bergmann", in dem 500 ehemalige Angehörige alfabetisch mit Dienstgrad und Einheit aufgelistet sind. Den Abschluss bildet eine einschlägiges Quellen- und Literaturverzzeichnis sowie dier
Trotz und gerade wegen der geschilderten Bedenken hat "Freiwillige vom Kaukasus" durchaus den Charakter eines Zeitdokuments, das mit 4 Amazonsternen zu bewerten ist.