Der Krieg der Männer neigte sich dem Ende zu, das Leiden der Unschuldigen und Schwächsten hingegen begann erst.
Als die Männer der roten Armee ab Okt. 44 dt. Staatsgebiet erreichten, wurden die Frauen Freiwild. Angestachelt durch Hass-Propagandist Ilja Ehrenburg fühlten sich die meisten Männer im Recht, als sie den Frauen Gewalt antaten. Zu wenige der Rotarmisten wie Lew Kopelew oder Alexander Solschynizin traten für die Wehrlosen und Schwachen ein. Daraus ergab sich eine Apokalypse in der die rote Soldateska wütete.
Eine Diskussion über verständliche Rache nach erlittenem Leid, Verrohung nach einem erbarmungslosen Krieg oder verdiente kollektive Bestrafung empfinde ich als zynisch und wird dem Leid der Frauen und Mädchen nicht gerecht.
Spätestens nach "Anonyma" ist das Tabu des sexuellen Mißbrauch gegen schutzlose Frauen und Kinder gebrochen. Die Autorin schildert den Leidensweg junger Frauen aus den am meisten betroffenen Ostprovinzen des deutschen Reiches. Darin liegt für mich auch der einzige Kritikpunkt. Sexuelle Übergriffe fanden zwar überwiegend und in diesem Ausmaß nur im Osten statt,aber auch den Westalliierten können Übergriffe zur Last gelegt werden. Als Beispiel nenne ich nur die Eroberung von Stuttgart durch die 2. Freifranzösische Armee von Leclerc.
Betroffene aus Schlesien, Ostpreussen,Pommern,Mecklenburg und aus den zwei Städten Berlin und Königsberg kommen zu Wort.Ihr Leidensweg ist erschütternd und erzeugt Betroffenheit.Einzig ihr Überlebenswille rettete den Frauen das Leben.
Das Buch darf nicht als Aufrechnung sowjet. Leid gegen dt. Leid verstanden werden. Es ist Aufarbeitung eines Verbrechens. Viele Betroffene haben jahrzehntelang geschwiegen und sie müssen endlich darüber sprechen dürfen. Für mich ist es weiterhin Mahnung gegen den Krieg. Krieg bedeutet immer Gewalt auch gegen die Schwächsten und gegen die Frauen.