"Ein Roman für alle, die noch nicht ganz erwachsen sind ... oder es niemals werden wollen", sagt der Klappentext.
So gibt sich auch die Protagonistin, Nora Klein, knapp 30 Jahre, freie Grafikerin in Wien. Sie lässt den Leser in lässig schnoddrigem Ton über weite Strecken an einem inneren Monolog teilhaben, der ihren Alltag zeichnet zwischen nerviger Jobsuche, demütigenden Vorstellungsgesprächen und ständig klammer Kasse. Ein Zimmer ihrer Kleinwohnung hat sie aus Geldmangel schon an Seb vermietet. Echte Kontakte sind Mangelware. Eine Britta sucht mit ihr nur körperliche Nähe, der Unternehmer Frank gibt ihr einen kleinen Auftrag, will aber darüber hinaus mehr von ihr.
Ihre Singelei ist ziemlich konfus. Am lockeren Leben ihrer Generation will sie nicht vorbeigehen, aber aus all dem wird nichts Rechtes. Zufriedenheit stellt sich nicht ein. Ständig hält sie Zwiesprache mit ihrem Karma was auch nicht weiterhilft. Es muss sich etwas ändern. Das Selbstmitleid steht ihr manchmal bis zum Hals. Ihren Alltagsfrust abzuspülen taucht sie, ob tags oder nachts, gerne in die Donau ein um sich freizuschnorcheln.
Als der verheiratete Frank sie auf sein Hausboot einlädt, kommt es zu einer bizarren Szene nach der sie ihn gründlich bestiehlt und mit dem Geld an einen fernen Strand flieht; ans Wasser, ihr Element der psychischen Reinigung und gegen die Daseinsangst. Aber auch dort findet sich keine einfache Lösung aus der frustrierend quälenden Einsamkeit.
Die frech-pfiffige, humorige Sprache scheint auf den ersten Blick einen recht oberflächlichen Zeitgeist-Ton zu bedienen. Hinter dieser Fassade aber schwingt eine tiefe Melancholie. Dem Versuch einer jungen Frau initiativ und ein wenig anders zu sein, sich nicht nur treiben zu lassen im Strom der Zeit, wird die Metapher des Schwimmens im Fluss gegenübergestellt. In einem Lebenszustand ohne Perspektive ist die Strömung manchmal stärker als das Bemühen sich ihr entgegen zu stellen.
Das vorliegende Büchlein ist Mieze Medusas nicht uninteressantes Roman-Debüt.
Mieze Medusa ist das Pseudonym von Doris Mitterbacher, seit Jahren eine Aktivistin der Wiener Hip-Hop und Poetry Slam Szene mit zahlreichen Auszeichnungen. 2002 hat sie den fm4 Wortlaut Literaturpreis erhalten. Sie ist Veranstalterin von Ö-Slam, den österreichischen Poetry Slam Meisterschaften 2007-2009 und hat Kurztexte in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht.