In diesem Buch von dem Schweizer Franko Gorgi werden die Lektionen: Bergziege, Kompliment, Knien, Liegen und Sitzen ausnehmend gründlich erklärt. Die Übungen werden in ihre Einzelteile zerlegt und so wird das Pferd sehr gut an die einzelnen Anforderungen herangeführt.
Problematisch finde ich, das man zum Erarbeiten der Lektionen immer einen ausgesprochen kompetenten Helfer an seiner Seite braucht. Die meisten Freizeitreiter werden ein solches Goldstück, wohl eher selten an der Hand haben. Wer aber z.B. eine Trainingsgemeinschaft gründen kann, ist mit diesem Buch sicher gut beraten.
Was mir bei diesem Buch ein bisschen fehlt, ist dem Pferd Freude und Motivation zu vermitteln. Dies wurde mir besonders im Kapitel „Kompliment" deutlich. So beschreibt Franco Gorgi, wenn das Pferd sich aus Versehen, beim Erlernen des Kompliments hinlegt, sollte man dies ignorieren. Also weder loben noch strafen. Bea Borelle empfiehlt in derselben Situation sich zu freuen, das einem das viel schwierigere Hinlegen quasi geschenkt wurde und das Pferd mit allen Mitteln, die man hat, zu loben. Sie arbeitet dann weiter am Liegen und kommt später, wenn diese Lektion gefestigt ist, wieder zum Kompliment zurück. Diese Vorgehensweise erscheint mir ehrlich gesagt, logischer.
Dieselbe Problematik empfinde ich beim Kapitel „Knien": Hier schreibt Franco Gorgi: „Die Schwierigkeit besteht darin, das Pferd auf verständliche Weise in seiner Bewegung zu stoppen. Ich lobe das Pferd für sein zurückgezogenes Bein (Knien aus dem Kompliment) muss es aber wahrscheinlich fast im selben Moment mit einem schroffen „Nein" vom Hinlegen abhalten." Wie gesagt ich bekomme das Hinlegen geschenkt und bedanke mich mit einem schroffen „Nein"! Warum? Wäre es nicht einfacher, das Pferd sich hinlegen zu lassen, schließlich weiß es zu diesem Trainingszeitpunkt noch gar nicht, was ich genau von ihm möchte. Wenn ich dann das Hinlegen vertieft habe, kann ich das Pferd immer noch beim Knien stoppen.
Der Autor führt sich, meiner Meinung nach, selber in die Zwickmühle, weil er die Kommandos zu früh gibt. Nämlich, wenn dem Pferd überhaupt noch nicht klar ist, was der Trainer von ihm möchte. Sagt er nämlich „Knie" wenn er noch gar nicht weiß, wie das Pferd auf seine Hilfen reagieren wird, muss er natürlich mit ‚"Nein" antworten, wenn das Pferd sich hinlegt oder „Knien" als Kommando für das „Hinlegen" geben, was auf Dauer aber reichlich kompliziert werden dürfte. Da ist es schlauer, das Stimmkommando erst dann einzuführen, wenn die Übung ansatzweise verstanden wurde. Ansonsten können falsche Verknüpfungen den Lernfortschritt blockieren.
Für jemanden, der eine sehr sachliche Anleitung für die elementaren Zirkuslektionen wünscht und nicht gerne viele Leckerwürfel verteilt, ist dieses Buch genau das Richtige. Zumal viele sehr schöne Fotos von den bekannten Pferdefotografen Hans und Monika Dossenbach den Text eindrucksvoll ergänzen.