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Freiheit statt Kapitalismus
 
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Freiheit statt Kapitalismus [Gebundene Ausgabe]

Sahra Wagenknecht
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (38 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Sarah Wagenknecht entwirft in ihrem neuen Buch einen kreativen Sozialismus - und beruft sich dafür auf liberale Grundfeste. Sie lobt Wettbewerb, Gewinne und den echten Unternehmer (...) Dabei zeigt sie ... ein tieferes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge als viele Politiker aus Parteien, denen man gemeinhin Wirtschaftsnähe und -kompetenz zuspricht." (Handelsblatt, Juli 2011)

"Gute Krisenanalyse ...Wagenknecht demaskiert die Mythen und Schwachstellen des globalen Hyperkapitalismus." (Max Otte, 27. Mai 2011)

"Eine bemerkenswerte Arbeit, schlüssig geschrieben und klar durchargumentiert. Wagenknecht hat die alte sozialistische Tradition wieder aufgenommen, als politische Person, die mit im Zentrum der Partei steht, selbst theoretisch zu arbeiten und damit gleichsam den geistigen Vorlauf für die eigenen politischen Positionen zu schaffen und in die öffentliche Diskussion einzubringen." (Erhard Crome, Neues Deutschland, 20. Mai 2011)

"Sahra Wagenknechts Versuch, den Sozialismus neu zu denken, (ist) ambitioniert und mutig." Winfried Kretschmer, Süddeutsche Zeitung, 18./19. Mai 2011)

"Nein, sie ist keineswegs schrill oder polemisch, diese aktuelle politische Positionierung von Sahra Wagenknecht. Ganz im Gegenteil: Sauber recherchiert, faktenreich, kompetent und in verständlicher Sprache zeigt die Autorin ihre gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Grundlinien der Neuzeit auf." (Jörg Riemenschneider, NDR Info, 18. Mai 2011)

"Freiheit statt Kapitalismus formuliert den Zweifel, den viele mit sich herumtragen." (Arno Orzessek, DeutschlandRadio Kultur, 12. Mai 2011)

Kurzbeschreibung

Ein Plädoyer für eine neue Wirtschaftsordnung Sahra Wagenknecht nimmt Ludwig Erhard beim Wort: Wohlstand für alle! In ihrer brillanten Analyse entwirft Sie ein Zukunftsmodell, das dort weiterdenkt, wo die meisten Marktwirtschaftler auf halbem Wege stehen bleiben. Ebenso wie die Marktwirtschaft sozial wird, wenn man sie vom Kapitalismus befreit, wird Sozialismus kreativ, wenn man ihn von der Planwirtschaft erlöst. Schon lange sind nicht mehr Wettbewerb oder gar Leistung die zentralen Merkmale und Perspektiven unserer Wirtschaft, sagt Sahra Wagenknecht. Der Kapitalismus hat seine Produktivität und Kreativität verloren. Wenn Ökonomie die Kunst des Anreizesetzens ist, wirken heute die falschen, denn sie belohnen abstrakte Renditeziele und Jobvernichtung statt Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen, Umweltschonung und Unternehmenswachstum. Die aktuelle Wirtschaftskrise ist auch eine Kreativitätskrise, sagt die Autorin. Sie nimmt die Theoretiker der Sozialen Marktwirtschaft wie Walter Eucken und Ludwig Erhard beim Wort und beschreibt es als dringlichste Herausforderung an die Wirtschaft, wieder produktiv und innovativ zu sein. Denn es muss nicht nur gerechter verteilt werden, es muss auch wieder mehr zu verteilen geben. Dazu gehört neben öffentlichen Banken als Kreditgeber für den Mittelstand auch eine radikal veränderte Eigentumsordnung, die eine echte Leistungsgesellschaft erst möglich macht. Kreativer Sozialismus, so Sahra Wagenknecht, belohnt nicht den, der sich auf ererbten Werten ausruht, sondern den, der Werte schafft

Über den Autor

Sahra Wagenknecht, geboren 1969 in Jena, ist Politikerin und Publizistin und arbeitet an einer volkswirtschaftlichen Dissertation. Sie ist Mitglied der Partei Die Linke. Von Juli 2004 bis Juli 2009 war sie Mitglied des Europaparlaments. Seit Oktober 2009 ist sie Abgeordnete des Deutschen Bundestages und wirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, seit Mai 2010 stellvertretende Parteivorsitzende. 2008 erschien ihr Buch Wahnsinn mit Methode. Die Autorin lebt in Berlin.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Geborene Unternehmer" - Die Eigentümerdynastien hinter den Märkten Aber während die Karriere vom Kind ungelernter Arbeiter zum Oberstudienrat noch irgendwie machbar ist, schafft den Wechsel der Klasse so gut wie niemand: den Wechsel also von jener sozialen Schicht, die ihren Lebensunterhalt mit eigener Arbeit bestreitet, zu jener, die wesentlich von Profit- und Vermögenseinkommen lebt. Nicht dass nicht mancher Arbeitslose oder auch vormals abhängig Beschäftigte, der ewigen Jobwechsel und schlechten Löhne leid, sein Glück damit versuchen würde, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen. Manchmal ist es nur ein Ausweg aus Verzweiflung, manchmal steht auch eine neue Idee dahinter. Aber selbst wenn die Geschäftsidee trägt und den Lebensunterhalt sichert, ist das erzielte Einkommen in der Regel kaum höher als bei abhängiger Arbeit und vor allem: Es beruht auf Arbeit. Eigener Arbeit, oft sogar extremer Selbstausbeutung. Von einem Zugriff auf Profiteinkommen ...

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Geborene Unternehmer" - Die Eigentümerdynastien hinter den Märkten Aber während die Karriere vom Kind ungelernter Arbeiter zum Oberstudienrat noch irgendwie machbar ist, schafft den Wechsel der Klasse so gut wie niemand: den Wechsel also von jener sozialen Schicht, die ihren Lebensunterhalt mit eigener Arbeit bestreitet, zu jener, die wesentlich von Profit- und Vermögenseinkommen lebt. Nicht dass nicht mancher Arbeitslose oder auch vormals abhängig Beschäftigte, der ewigen Jobwechsel und schlechten Löhne leid, sein Glück damit versuchen würde, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen. Manchmal ist es nur ein Ausweg aus Verzweiflung, manchmal steht auch eine neue Idee dahinter. Aber selbst wenn die Geschäftsidee trägt und den Lebensunterhalt sichert, ist das erzielte Einkommen in der Regel kaum höher als bei abhängiger Arbeit und vor allem: Es beruht auf Arbeit. Eigener Arbeit, oft sogar extremer Selbstausbeutung. Von einem Zugriff auf Profiteinkommen kann hier keine Rede sein. Im Sommer 2010 wurde vom Wirtschaftsmagazin impulse und der Stiftung Familienunternehmen eine Studie über "Deutschlands nächste Unternehmergeneration" vorgestellt. Diese Studie bestätigt auf ihre Art, dass die Zugehörigkeit zur Klasse derer, die die Profit- und Vermögenseinkommen unter sich aufteilen, auf Vererbung beruht. Es geht also zu wie beim alten Adel, und zumindest die Verfasser dieser Studie finden das auch ganz normal.Denn die "nächste Unternehmergeneration", die hier betrachtet wird, sind mit völliger Selbstverständlichkeit: die Kinder der heutigen Unternehmer. Man stelle sich eine Studie über "Deutschlands nächste Forschergeneration" vor, die nicht junge Leute mit auffälligen naturwissenschaftlichen oder anderen Begabungen, die man mit dem Berufsbild des Forschers in Verbindung bringt, porträtieren würde, sondern: die Kinder der heutigen Forscher. Jedem normalen Menschen würde das absurd vorkommen. Bei Unternehmern dagegen wird das Erblichkeitsprinzip nicht einmal hinterfragt. "Diese Generation ist eine Leistungs-Elite", erklärt einer der Autoren. Nach diesem Verständnis ist die Zugehörigkeit zur "Leistungselite" offenbar davon abhängig, an welchem Ort ein Kind krabbeln lernte: Eine mondäne Unternehmervilla muss es schon sein, kein Reihenhaus oder gar eine Sozialwohnung. Die Studie zeige, berichtet die Financial Times Deutschland: "Wer als Unternehmer geboren wird, bleibt in der Unternehmertradition. Der Wunsch nach Freiheit und Selbständigkeit ist extrem stark ausgeprägt." Nur 6 Prozent der Unternehmenserben könnten sich vorstellen, im öffentlichen Dienst angestellt zu sein. Pietätvollerweise hat die Studie gar nicht erst gefragt, wie viele der "geborenen Unternehmer" sich vorstellen könnten, einen Job im Niedriglohnsektor anzunehmen, etwa als Pflegekraft oder im Reinigungsgewerbe. Oder vielleicht gar einen Ein-Euro-Job. Solche Fragen müssen sich die in der Studie Befragten tatsächlich nicht stellen. Der öffentliche Dienst ist schon das Maximum an Abstieg, das denkbar ist. Im Kopf von Journalisten, die solche Artikel hinschludern, wird man also - dank eines Gens? - "als Unternehmer geboren" und auch der "Wunsch nach Freiheit und Selbständigkeit" ist einem in die Wiege gelegt, wohingegen sich Kinder von Lehrern, Kassiererinnen oder Arbeitslosen offenbar durch den Wunsch nach Unfreiheit und Unselbständigkeit auszeichnen, weshalb aus ihnen auch nie ordentliche Unternehmer werden können. Dass selbst in einer seriösen Zeitung wie der FTD solcher Humbug geschrieben werden kann, zeigt, wie unreflektiert die Erblichkeits-Ideologie sich in den Köpfen eingenistet hat. Setzt die Führung eines Unternehmens etwa keine besonderen Fähigkeiten voraus, Führungsstärke, Durchsetzungsfähigkeit, Kreativität, um nur einige zu nennen? Und kann man im Ernst davon ausgehen, dass diese Fähigkeiten einfach weitervererbt werden beziehungsweise von jedem Spross einer Unternehmerdynastie auf dem Eliteinternat erlernt werden können? Aber die "Leistungselite" muss über diese Fähigkeiten auch gar nicht verfügen. Dafür gibt es ja bezahlte Manager, die man ins Unternehmen holen kann. Die Studie findet heraus, dass etwa die Hälfte der Unternehmenserben "offen für Fremdmanager" ist. Dessen ungeachtet gilt für die meisten: Folgen sie nicht in den Elternbetrieb, wollen sie in der Regel ein eigenes Unternehmen gründen. Mit oder ohne Fremdmanager. Die Söhne und Töchter von Unternehmenseigentümern werden also fast immer selbst wieder Unternehmer. Zwar nicht unbedingt im Schumpeterschen Sinne, aber zumindest in dem, dass sie, wie ihre Eltern, vom großen Profitstück im Volkswirtschaftskuchen leben können und sich nie ins Gedränge um das kleiner werdende Lohnstück begeben müssen. 1972 stellte der Spiegel, der damals noch eine kritische Zeitschrift mit journalistischem Anspruch war, in einer Titelgeschichte fest: "Die Zeit, in der ein tüchtiger Unternehmer, mit nichts als einer Idee und einem Firmenschild, anfangen und nach ein paar Jahren einen großen Fabrikkomplex sein eigen nennen konnte, ist längst vorbei. Selbst in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es nur in jenen Branchen, die, wie etwa die Presse, von den Besatzern zerschlagen waren oder neue Märkte fanden wie die Radio-Industrie oder die Versandhäuser, einigen wenigen Westdeutschen, mit ein bisschen Glück ein großes Unternehmen aufzubauen. Heute könnte niemand mehr so einfach wie damals Axel Springer, dem die englischen Besatzer zwei Zeitungslizenzen schenkten, oder wie Max Grundig, der zunächst Bastelradios vertrieb, und Werner Otto, der sein Versandhaus als Familienbetrieb begann, in die Reihen der Reichen emporklettern.Weil allein die Einführung eines neuen Produktes wie etwa eine Waschmittel- oder eine Zigarettenmarke auf einem gesättigten Konsumentenmarkt schon Millionen verschlingt, istder Kreis der Besitzenden eine strikt geschlossene Gesellschaft. Es ist eine Gesellschaft der Erben, die, wie die Tabaksippen Ritter (Brinkmann AG) und Reemtsma oder der Gemischtwarenhändler Herbert Quandt, ihre über Generationen in der Familie weitergereichten Unternehmen durch kräftige Expansion und Firmenaufkäufe vergrößerten."Was unterscheidet die "geborenen Unternehmer" tatsächlich von jenen, die sich aus einer abhängigen Beschäftigung heraus, ohne Erbschaft und Familiendynastie, selbständig gemacht haben? Nicht die Gene, sondern das Startkapital. Weil der verfügbare Kapitalstock für die Entwicklung eines Unternehmens eine entscheidende Rolle spielt, sind die Erben so ungleich viel öfter erfolgreich als jene, die weitgehend aus dem Nichts, mit einer guten Idee und viel Kraft, ein Unternehmen aufzubauen suchen. Wer klein anfängt, wird nur in wenigen Ausnahmefällen groß. Eigentlich nur, wenn er das Glück hat, einen neuen und daher noch offenen Markt mit großem Wachstumspotential zu entdecken und als einer der Ersten am Platz zu sein. Der Neueinsteiger muss den Mount Everest immer von ganz unten erklettern. Der Unternehmenserbe dagegen wird mit dem Helikopter auf 4000 Meter Höhe geflogen und fängt seine Bergtour erst hier überhaupt an. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der schwitzende Kletterer von ganz unten ihn einholt.
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